Das Kind hört schlecht: Woran kann das liegen?

Dr. med. Nadine McGowan Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin

„Zähne putzen!“ „Anziehen!“ „Aufräumen!“ Wenn solche Anweisungen überhört werden, machen sich die meisten Eltern wohl zunächst keine Sorgen um das Gehör ihres Kindes. Wenn der Nachwuchs aber insgesamt kaum auf Ansprache reagiert, liegt der Schluss nahe: Das Kind hört schlecht. Eine Schwerhörigkeit bei Kindern kann sich stark auf die Entwicklung auswirken. Auf welche Signale Eltern achten sollten und was im Krankheitsfall hilft, erklärt Kinderärztin Dr. med. Nadine McGowan.

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Das Kind hört schlecht: Das sagt Kinderärztin Dr. med. Nadine McGowan

Laut Experten leiden rund drei von 1.000 Kindern an Hörschädigungen. Diese bleiben aber häufig zunächst unbemerkt, die Auswirkungen werden oft erst auffällig, wenn das Kind schon älter ist. Umso wichtiger ist es, die versteckten Signale für eine Hörschädigung zu kennen und sinnvoll reagieren zu können. Wenn Sie also das Gefühl haben, Ihr Kind hört schlecht, sprechen Sie den Kinderarzt auf einen Hörtest an. Doch woran erkennt man Schwerhörigkeit bei Kindern? Eine Hilfestellung gibt ein Blick auf die typische Hörentwicklung bei Babys:

  • Ist das Gehör eine Säuglings gesund, sollte er sich zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche bereits bei lauten Geräuschen erschrecken, sich aber auch wieder beruhigen, wenn die Eltern ihn trösten.
  • Ab dem dritten Lebensmonat können Kinder Geräusche lokalisieren und den Kopf in die entsprechende Richtung drehen. Auch sollten sie laut lachen können.
  • Die Musikwahrnehmung und -reaktion funktioniert ab etwa dem siebten oder achten Lebensmonat.
  • Ab zehn Monaten sind Kinder in der Regel in der Lage, klare Ansprachen und Verbote aus einer Entfernung bis zu einem Meter zu verstehen und darauf zu reagieren.
  • Ab zwei Jahren sollten sie auch auf geflüsterte Worte hören.

Natürlich handelt es sich dabei um Richtwerte, die individuelle Entwicklung kann also etwas abweichend sein. Trotzdem ist es immer besser, einmal mehr zum Kinderarzt zu gehen: Selbst wenn der Hörtest ergibt, dass keine Hörschädigung vorliegt, kann ein anderes medizinisches Problem der Grund für die Entwicklungsverzögerung des Kindes sein.

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Typische Anzeichen einer Hörschädigung bei Kindern

Zudem gibt es typische Verhaltensweisen, die Kinder zeigen, wenn sie schlecht hören. Dazu gehören:

  • Das Kind dreht beim Zuhören ein Ohr nach vorne 
  • Das Kind erschrickt nicht bei plötzlichen, lauten Geräusche 
  • Das Kind will Musik und Hörbücher auffällig laut hören 
  • Das Kind reagiert nicht auf Ansprache, wenn der Sprechende sich außerhalb seines Gesichtsfeldes befindet
 

Hörtest bei Baby und Kleinkind: Wie wird er durchgeführt?

Die Art des Hörtests richtet sich nach dem Alter des Kindes – erst ab vier Jahren wird er auf die klassische Art mit Kopfhörern durchgeführt. Bei Neugeborenen wird kurz nach der Geburt ein sogenanntes Hörscreening (OAE-otoakustische Emissionen) gemacht. Dabei werden spezielle Signale gemessen, die nach Schallreizen im Innenohr entstehen und dann im Gehörgang registriert werden. Zwischen einem Monat und vier Jahren wird ein orientierender Hörtest durch eine sogenannte Ablenkaudiometrie durchgeführt: Der Arzt beobachtet dabei, wie beziehungsweise ob das Kind mit Augen, Kopf und Körper auf Töne reagiert.

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Wie wird Schwerhörigkeit bei Kindern behandelt?

In der Regel erfolgt die Behandlung einer Hörschädigung bei Kindern nach der Ursache. Beispielsweise ist ein sogenannter chronischer Paukenerguß ein häufiger Auslöser der Beschwerden. Durch die Erkrankung kann eine Schallleitungsschwierigkeit entstehen, die medikamentös und mittels Tubenbelüftung durch üben mit einem Nasenballon oder – wenn das nicht hilft ­­– durch eine kleine Operation behandelt werden kann. Bei starken Hörschädigungen wie beispielsweise einer angeborenen Schwerhörigkeit werden aber auch Hörgeräte eingesetzt. Dabei ist es besonders wichtig, dass das Gerät so frühzeitig wie möglich zum Einsatz kommt. Denn in den ersten Lebensjahren lernt das Gehirn eines Kindes, gehörte Informationen auszuwerten. Ein richtig angepasstes Hörgerät vermindert also die negativen Auswirkungen der Schädigung auf die Kindesentwicklung.

Wenn Eltern also das Gefühl haben, ihr Kind hört schlecht, sollten sie in jedem Fall einen Kinderarzt aufsuchen, um möglichen Schädigungen in der Kindesentwicklung vorzubeugen.

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