Wer kifft, braucht mehr Narkosemittel

Redaktion PraxisVITA

Wer kifft, der ist entspannt. So lautet zumindest die allgemeine Meinung. Das könnte aber ein fataler Irrtum sein. Eine neue Studie legt nahe, dass Konsumenten von Cannabinoiden einen deutlich erhöhten Verbrauch an Narkosemitteln haben.  

Erhöhter Narkosemittelverbrauch durch Cannabis
Foto:  STEEX/iStock

Mit der teilweise Legalisierung von Cannabis haben sich in der Medizin neue Fragestellungen und Forschungsrückstände aufgedeckt. Ein Team im US-Bundesstaat Colorado um den Forscher Mark A. Twardowski hat im Rahmen einer Studie die Narkosemittelverträglichkeit von Patienten, die regelmäßig Drogen konsumieren, untersucht. Mit einem auffälligen Ergebnis: Wer dauerhaft mehrmals pro Woche Cannbinoide zu sich nimmt, der hat einen signifikant höheren Verbrauch an Narkosemitteln als Patienten ohne Drogenkonsum. Durchschnittlich mussten 20 Prozent mehr Midazolam, 14 Prozent mehr Fentanyl und 220 Prozent mehr Propofol verabreicht werden, um die notwendige Betäubungsintensität zu erreichen. Die Studienteilnehmer wiesen eine deutlich geringere Empfindlichkeit gegenüber Alkohol, Benzodiazepinen und Opiaten auf – andere Betäubungsmittel wurden nicht in der Studie berücksichtigt.  

 

Welche Folgen hat die geringe Empfindlichkeit gegenüber Narkotika?

Auch Narkosemittel haben Nebenwirkungen. Je höher die Dosis, die einem Patienten verabreicht wird, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass eine dieser Nebenwirkungen eintritt. Zusätzlich existieren Betäubungsmittel, die Dosis-abhängige Nebeneffekte aufweisen. Wird ein bestimmter Schwellenwert erreicht, tritt die Nebenwirkung ein. Fatal für Patienten, die aufgrund ihres Drogenkonsums eine deutlich höhere Menge dieser Medikamente benötigen.

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Deutlicher Forschungsbedarf

Was diese Studie vor allem deutlich macht: Wir wissen noch lange nicht genug über die Wirkung von Cannabis auf den menschlichen Körper und die gesundheitlichen und medizinischen Folgen. Gerade weil der medizinische Nutzen nur teilweise legalisiert ist und Cannabis mehr als Droge denn als Medikament behandelt wird, entsteht der so gravierende Forschungsrückstand – durch den derartige, weitreichende Konsequenzen für Betroffene erst viel zu spät erkannt werden können, so Twardowski. Für eine bessere medizinische Versorgung von Drogenkonsumenten bietet diese Studie einen ersten Ansatz. Wenn auch noch unvollständig: eine Erklärung für die verringerte Empfindlichkeit der Betroffenen gibt es nämlich bisher nicht.   

Quellen: Mark A. Twardowski, DO; Margaret M. Link, MSN, RN, CRNI; Nicole M. Twardowski, BS, Effects of Cannabis Use on Sedation Requirements for Endoscopic Procedures, https://jaoa.org/article.aspx?articleid=2731067

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