Kick-and-Kill – neue Hoffnung gegen HIV?

HI-Viren
"Ruhende" Viruszellen widersetzen sich bisher der HIV-Therapie – Mediziner forschen seit Jahren nach einem Weg, diese Zellen "aufzuwecken". Australische Forscher sind dabei jetzt einen entscheidenden Schritt weitergekommen © Fotolia

Ein bereits zugelassenes Medikament gegen Alkoholismus erweckt neue Hoffnung im Kampf gegen HIV: Es lockt ruhende Viruszellen aus ihren Verstecken und könnte so die Auslöschung des Virus ermöglichen. Damit wäre HIV erstmals komplett heilbar.

HIV ist bisher nicht komplett heilbar. Der Grund: Einige Teile des Virus sind stets inaktiv und so für Wirkstoffe, die zur Behandlung eingesetzt werden, nicht angreifbar. Die sogenannte antiretrovirale Therapie hält die Vermehrung des Virus im Blut auf und zerstört die Viruszellen, bis sie nicht mehr nachgewiesen werden können. Doch auch dann schlummern noch ruhende „Schläferzellen“ im Körper von Betroffenen. In diesen Zellen kann das HI-Virus jahrzehntelang überleben und sich immer wieder vermehren, wenn die Medikamente abgesetzt werden. Um das Virus in Schach zu halten, müssen HIV-Patienten darum ein Leben lang Tabletten einnehmen.

 

Die Kick-and-Kill-Strategie

Mediziner versuchen seit Langem, die ruhenden Zellen aus ihren Verstecken zu locken, um das Virus komplett zerstören zu können – dieses Vorgehen wird Kick-and-Kill-Strategie genannt. Das Problem bei vielen bisherigen Ansätzen dieser Methode: Die entsprechenden Wirkstoffe verursachten so starke Nebenwirkungen, dass die negativen Effekte die positiven überwogen.

Das Forscherteam um Prof. Sharon Lewin an der University of Melbourne testete in einer kleinen Studie das Medikament Antabus (auch bekannt als Disulfiram), das bereits gegen Alkoholismus eingesetzt wird, an 30 HIV-Patienten. Antabus führt bei der Einnahme mit Alkohol zu Übelkeit und Brechreiz und soll Alkoholiker vom Trinken abhalten.

Die Probanden nahmen drei Tage lang täglich Antabus ein. Vor und nach der Antabus-Therapie wurde eine sogenannte Viruslast-Bestimmung durchgeführt. Dabei wird die Konzentration der HI-Viren im Blut gemessen. Diese war nach Ende des Studienzeitraums bei den Studienteilnehmern angestiegen. Aus Sicht der Forscher war das ein Zeichen dafür, dass die ruhenden Zellen aktiviert wurden – und das, ohne Nebenwirkungen zu erzeugen.

„Die Disulfiram-Dosis, die wir verwendeten, war für das Virus eher ein ‚Kitzeln’ als ein ‚Kick’, aber das könnte ausreichend sein“, sagt Prof. Lewin. „Auch, wenn das Medikament nur für drei Tage verabreicht wurde, sahen wir einen deutlichen Anstieg des Virus im Plasma, was sehr ermutigend war.“

 

Weitere Studien notwendig

Bisher ist noch nicht erwiesen, ob für den Anstieg der HIV-Konzentration im Blut wirklich die Schläferzellen verantwortlich waren. Selbst, wenn das der Fall ist, bleibt offen, ob alle ruhenden Zellen mit der Therapie erreicht werden können. All das müssen weitere, größer angelegte Studien zeigen.

Erweist sich die Therapie als erfolgreich, könnte sie Millionen von HIV-Infizierten heilen, die schon jahrelang mit dem Virus leben, darunter viele Prominente wie der Basketballer Magic Johnson und der Seriendarsteller Charlie Sheener gestand am Dienstag in einer US-Fernsehshow ein, HIV-positiv zu sein.

Hamburg, 18. November 2015

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