Kennen Sie das Gefühl von Regen? – Die Wahrheit über Wetterfühligkeit

Wetter fühlen
Jeder zweite Deutsche behauptet von sich, das Wetter zu fühlen. Wissenschaftlich ist Wetterfühligkeit sehr umstritten. Praxisvita erklärt Ihnen, was dran ist an dem Gefühl für das Wetter © Fotolia

Wetterfühligkeit ist ein medizinisches Phänomen – wenn auch ein in Fachkreisen sehr umstrittenes. Jeder zweite Deutsche gibt dagegen an, das Wetter fühlen zu können. Studien zeigen dabei: Besonders Frauen und alte Menschen sind davon betroffen. Was ist dran an dem Gefühl für Wetter und Wetterumschwünge?

Das Wetter spürt jeder Mensch. Ob es warm, kalt, feucht oder besonders trocken ist – der Körper reagiert immer auf das Wetter. Dennoch streiten Experten darüber, ob bestimmte Krankheitssymptome durch Wettereinflüsse hervorgerufen oder gesteigert werden können. Unterschieden wird zwischen „Wetterfühligkeit“ (betrifft gesunde Menschen, die z.B. nur wegen eines Wetterumschwungs Kopfschmerzen bekommen) – und Wetterempfindlichkeit (betrrifft Menschen mit Vorerkrankungen wie Arthrose, deren Symptome sich aufgrund des Wetters verschlimmern).

 

Gefühle sind immer subjektiv

Menschen fühlen das Wetter, aber ob sie deswegen wetterfühlig – im Sinne eines symptomatischen Schlechterfühlens wegen bestimmter Wettereinflüsse – sind, ist wissenschaftlich schwer zu erklären. Studien zeigen: Wenn bestimmte Symptome auftreten, für die es keine offensichtlichen Ursachen gibt, sucht der Mensch nach einer Erklärung und da ist das Wetter ein naheliegender Faktor.

Dennoch setzen die 54 Prozent der Deutschen, die glauben, wetterfühlig zu sein, nicht alleine ihrer Einbildung auf. Symptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie Kopf- und Narbenschmerzen stehen statistisch mit dem Wetterempfinden in Verbindung. Doch wie erklärt sich das medizinisch?

 

Wetterfühlig sind Frauen und alte Menschen

Wenn Menschen nicht wetterempfindlich sind, wird die Wetterfühligkeit ausgelöst von einer Überreaktion des vegetativen Nervensystems auf Wetterdynamiken – vor allem Wetterwechsel. „Je stärker und schneller sich das Wetter ändert, desto größer ist der Einfluss auf empfindliche Personen“, erklärt Christina Koppe, Medizin-Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst in Freiburg.

Verantwortlich ist aber nicht der Luftdruck, sondern vielmehr ein sogenannter Luftmassenwechsel. Der menschliche Körper zeigt sich bei Wetterfühligkeit von den klimatischen Bedingungen zuerst überfordert und benötigt mehr Energie und Zeit, um sich anzupassen. Konkret verengen sich bei klimatischen Kältewechseln die Adern und der Blutdruck steigt an – das Risiko für Herzinfarkte, Thrombosen und Schlaganfälle nimmt zu. Bei klimatischen Kälteveränderungen weiten sich dagegen die Adern. Da das Herz nun mehr Blut durch den Körper pumpen muss, leiden besonders Menschen mit niedrigem Blutdruck an Kopfschmerzen, Schwindelanfällen und Narbenschmerzen.

Wetterfühligkeit ist demnach medizinisch durchaus erfassbar. Studien zeigen zudem, dass Frauen und alte Menschen – beide Gruppen statistisch am häufigsten von niedrigem Blutdruck betroffen – unter Wetterfühligkeit leiden.

Hamburg, 30. Juni 2014

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