Kehrt Scharlach zurück?

Kind krank Fieber
In Großbritannien ist die Kinderkrankheit Scharlach zurück. Jede Woche werden Neuinfektionen registriert. © fotolia

Die stärkste Scharlachepidemie seit den 1960er Jahren hält Großbritannien in Atem. 600 Neuinfektionen pro Wochen sind keine Ausnahme mehr. Betroffen sind hauptsächlich Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.

Großbritannien erfährt eine Scharlachepidemie – die stärkste seit den 1960ern. Im letzten Jahr wurden 17000 Fälle registriert, allein 6000 seit September 2015. Das ist eine 50-fach höhere Infektionsrate, verglichen zu den Jahren zuvor. Jede Woche werden rund 600 Neuinfektionen registriert. Am häufigsten betroffen sind Ein- bis Vierjährige – aber auch Fünf- bis Neunjährige triftt es oft. Die britische Hausärztin Dr. Patel erklärt der Zeitung The Independent on Sunday: „In den letzten sechs Wochen habe ich definitiv mehr Scharlach-Fälle gesehen, als jemals zuvor.  Die meisten der Patienten sind unter zehn Jahre alt.“

 

Scharlach – eine bakterielle Infektionskrankheit

Scharlach ist eine Infektionskrankheit, die durch die Bakterien A-Streptokokken verursacht wird und hauptsächlich Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter betrifft. Hat sich ein Kind mit dem Erreger angesteckt, bekommt es nach ein bis ca. vier Tagen Fieber, Halsschmerzen und einen typischer Hautausschlag. Die Zunge erscheint zuerst weiß belegt und wechselt später zur sogennanten "Himbeerzunge" - mit tiefroten, hervorstehenden Geschmacksknospen. Auch am restlichen Körper entwickeln sich rote, dichte Flecken. Bevorzugt ist der Ausschlag in den Achseln, Leisten aber auch im Gesicht zu finden, wobei die Mund-Kinn Partie ausgespart wird. Die Bezeichnung "Milchbart" ist naheliegend. Da unterschiedliche Bakterienstämme unterschiedliche Toxine produzieren, ist eine Impfung nicht möglich. Das ist auch der Grund, warum diese Krankheit keine vollständige Immunität hinterlässt und im Laufe eines Lebens mehrfach ausbrechen kann. Normalerweise kann die Krankheit aber gut mit Antibiotika behandelt werden.

Britische Experten sind sich jedoch uneinig, welche Ursachen der neuerliche Scharlachausbruch in der Bevölkerung haben könnte. Vermutet wird ein neuer Bakterienstamm, der zu einem Infektionsanstieg führt. Obwohl auch in Deutschland jährlich Scharlachfälle verzeichnet werden, ist ein dramatischer Anstieg zukünftig nicht zu befürchten.

 

Werden ein paar Regeln befolgt, dann hat Scharlach keine Chance

Ein Vergleich der jährlichen Neuinfektionen zeigt, dass eine Scharlachepidemie in Deutschland nicht zu erwarten ist. Trotzdem können Sie vorbeugen und mithelfen, dass sich die Krankheit nicht ausbreitet: Waschen Sie sich mehrmals täglich gründlich die Hände mit Seife – mindestens 30 Sekunden lang und vermeiden Sie enge körperliche Nähe bei bestehender Infektion. In Ausnahmefällen kann eine vorbeugende Antibiotika-Therapie zum Einsatz kommen. Bei Anzeichen von Scharlach wenden Sie sich an Ihren Arzt.

Hamburg, 29. März 2016

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