Kaum aufzuhalten! – Ebola mutiert so schnell wie nie

Ebola-Forscher
Forscher beschäftigen sich mit der Frage, warum das aktuelle Ebola-Virus aggressiver ist als alle bisherigen © Shutterstock

Es ist wahrscheinlich die größte Ebola-Epidemie aller Zeiten. Nie hat sich das Virus schneller verbreitet – nie war es unberechenbarer. Eine aktuelle Harvard-Studie erforschte nun die Gene des Erregers und zeigt, dass für die schnelle Verbreitung des Ebola-Erregers sein größter natürlicher Feind mitverantwortlich sein könnte: Das menschliche Immunsystem. Praxisvita hat die Fakten.

Seit den ersten Infektionen im Dezember 2013 haben sich Forscher die Frage gestellt, wieso der Virus-Stamm der aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika aggressiver ist, als alle bisher bekannten.

Nun zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Harvard Universität – an der sich fast 60 renommierte Virologen aus der ganzen Welt beteiligt haben –, dass der zurzeit grassierende Ebola-Stamm tatsächlich schneller und unberechenbarer ist, als alle vorher untersuchten.

 

341 Gründe für eine Epidemie

Das Team entnahm bei 78 Infizierten 99 Blutproben, untersuchte die RNA-Informationen des Ebola-Stamms. Dabei stellten die Forscher fest, dass der aktuelle Erreger-Stamm in den letzten acht Monaten mindestens 55mal mutiert ist. Außer diesen rund sieben Veränderungen pro Woche konnten insgesamt 341 genetische Abweichungen – im Vergleich zu den genetischen Informationen von Erregern von früheren Ebola-Ausbrüchen – festgestellt werden.

Nach Aussagen der Forscher sei das Verfahren einer Analyse des Mutationsverhaltens von Viren während einer noch laufenden Epidemie in der Wissenschaft einmalig und könne wichtige Aufschlüsse für die Entwicklung von Impf- und Heilmitteln liefern.

 

Was unser Immunsystem damit zu tun hat

Aufgrund der so ermittelten Mutationsrate des aktuellen Ebola-Stammes muss davon ausgegangen werden, dass sich der Virus doppelt so schnell verändern kann, wie in der Natur sonst üblich. Der Grund für das aggressive Auftreten der Viren könnte demnach mit dem menschlichen Immunsystem in Verbindung stehen.

Tatsächlich ist unser Abwehrsystem für einen Virus – wie z.B. Ebola – der größte natürliche Widersacher. Es sei deswegen nicht unwahrscheinlich, dass auch der Ebola-Erreger – durch den Kampf mit menschlichen Immunreaktionen – zu einem aktiveren Mutationsverhalten gezwungen ist. Denn Viren, die sich letztlich gegen Immunreaktionen durchsetzen können, besitzen einen evolutionären Vorteil, vermehren sich entsprechend häufiger und passen sich – einfach gesagt – mit jedem Fortpflanzungsprozess besser an die Herausforderungen der menschlichen Abwehrkräfte an. 

 

Das Verhalten von Ebola ist unberechenbar

Aufgrund der häufigen Mutationen ist der aktuelle Ebola-Stamm aus medizinischer Sicht unberechenbar, was die Suche nach effektiven Therapiemaßnahmen schwierig gestaltet. Kein Forscher kann zurzeit seriös vorhersagen, wie oft dieser Ebola-Stamm in Zukunft mutiert und ob er dadurch noch gefährlicher wird. Selbst das absolute Horror-Szenario der Virologen kann zur Zeit nicht ausgeschlossen werden: Eine Ansteckung mit Ebola per Luftübertragung.

Hamburg, 29. August 2014

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