Katze überträgt „Pest“

Verena Elson Medizinredakteurin

Ein Mann aus dem US-Bundesstaat Missouri ging mit typischen Pest-Symptomen zum Arzt. Später stellte sich heraus, dass seine Katze ihn mit einer seltenen Erkrankung angesteckt hatte.

Katzen können die Hasenpest auf Mneschen übertragen, nachdem sie infizierte Nager gefressen haben
Katzen können die Hasenpest auf Menschen übertragen, nachdem sie infizierte Nager gefressen haben Foto:  gorgeouspic/iStock

Als der 68-jährige Rentner zum Arzt ging, berichtete er über plötzlich einsetzendes, hohes Fieber, das eine Woche lang angehalten hatte. Inzwischen war das Fieber vorbei, doch drei Lymphknoten an seinem Hals waren beulenartig angeschwollen und schmerzten stark.

Das alles sind typische Symptome der Beulenpest – doch der Arzt des Mannes hatte einen anderen Verdacht, den Labortests schließlich bestätigten: Der Patient litt an der sogenannten Hasenpest (Tularämie). Diese Erkrankung betrifft hauptsächlich Nagetiere, kann aber auch auf den Menschen übertragen werden. Ihre Symptome ähneln denen der Beulenpest – doch der Erreger ist ein anderer. Die Ärzte des Mannes berichteten in dem Fachblatt New England Journal of Medicine über den Fall.

 

Ansteckung durch Hauskatze

Die Hasenpest wird durch das Bakterium Francisella tularensis ausgelöst. Eine Übertragung auf den Menschen ist extrem selten und der Patient hatte keinen Kontakt zu Nagetieren gehabt – wie also hatte er sich angesteckt?

Die Antwort auf diese Frage offenbarte sich den Medizinern nach einigem Nachforschen: Die Katze des Rentners war zwei Tage vor Auftreten der ersten Symptome gestorben – laut Diagnose des Tierarztes an Leukämie. Doch der Tierarzt hatte offenbar gar keine entsprechenden Bluttests durchgeführt und die Diagnose Leukämie nach „Augenmaß“ gestellt.

 

Hasenpest bei der Katze nicht erkannt

Wie sich herausstellte, litt das Tier in Wirklichkeit an Hasenpest – und hatte seinen Halter angesteckt. Katzen können sich infizieren, wenn sie erkrankte Nager fressen. Menschen können sich durch den Kontakt mit infizierten Tieren oder durch das Einatmen erregerhaltigen Staubs (etwa verunreinigte Erde oder Heu) anstecken. Da der US-Amerikaner nicht wusste, dass seine Katze an Hasenpest litt, hatte er keine entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um sich vor einer Ansteckung zu schützen.

Inzwischen geht es dem Mann wieder gut – eine vierwöchige Behandlung mit Antibiotika hatte nach fünf Tagen zu einer Verbesserung und nach drei Wochen dem vollständigen Verschwinden der schmerzhaften Beulen geführt.

Quelle:
Marks, L. und Spec, A. (2018): Glandular Tularemia, in: The New England Journal of Medicine.

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