Katja Flint im Migräne-Interview

Katja Flint hat Migräne
Schauspielerin Katja Flint litt jahrelang unter schwerer Migräne. Inzwischen hat sie gelernt, mit den Schmerz-Anfällen umzugehen © Corbis

Heilbar ist Migräne nicht. Doch lassen sich die Schmerzen deutlich lindern – und die Zahl der Anfälle reduzieren. Auch Schauspielerin Katja Flint ist betroffen. Im Interview spricht sie über ihre Migräne und was ihr geholfen hat.

 

Der prominente Fall Katja Flint

Eigentlich wollte Katja Flint Ärztin werden.
Weil ihre Abitur-Note dafür nicht reichte, nahm sie schließlich Schauspielunterricht. Flint ist heute eine der erfolgreichsten deutschen Film- und TV-Darstellerinnen. Bekannt wurde sie mit Kinofilmen wie „Marlene“ und „Die weiße Massai“ sowie durch viele Fernsehhauptrollen.Stress als Migräne-Auslöser

 

Stress als Auslöser für Migräne

„Als Kind hatte ich nur gelegentlich Kopfschmerzen, im Erwachsenenalter dann immer öfter und intensiver“, erzählt Flint. „Durch das Führen eines Migränetagebuches wurde mir klar, dass der Hauptauslöser für Migräne Stress ist. Ich habe gelernt in besserer Balance zwischen Anspannung und Entspannung  zu leben. Seitdem habe ich nur noch selten Migräne.“

Ganz kann wohl niemand den Stress aus dem Leben verbannen, aber es gibt Möglichkeiten ihm  etwas entgegenzusetzen.

 

Ruhephasen schützen vor Migräne

„Während eines anstrengenden Arbeitstages versuche ich die Anspannung im Schulter-Nackenbereich regelmäßig zu lockern“, so Flint. Außerdem helfen ihr kurze Pausen, in denen sie sich eine Viertelstunde hinlegt, ihre Muskeln entspannt, bewusst ein- und ausatmet: „Ich träume mich dann an einen schönen Ort der Ruhe und Harmonie.“

Falsche Schlaf- und Essgewohnheiten können Migräne-Attacken auslösen
Falsche Schlaf- und Essgewohnheiten können Migräne-Attacken auslösen© Fotolia

Auch ein Spaziergang oder leichter Ausdauersport, wie Schwimmen, hilft ihr nach einem anstrengenden Tag. Dabei ist es ihr wichtig, nicht über Sorgen und Probleme zu grübeln, sondern den Stress loszulassen. „Ich atme bewusst aus und erfreue mich an der Bewegung und der Natur.“

 

Triptane gegen Migräne-Schmerzen

Wenn trotzdem eine Migräne-Attacke kommt und Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nicht helfen, nimmt die Schauspielerin ein leichtes Triptan. „Am besten man lässt sich das von einem Neurologen verschreiben“, rät Katja Flint. Der legt dann auch die Anwendungsdauer fest, denn „wenn man sie mehr als an 10 Tagen im Monat nimmt“, so Flint, „können sie zu noch mehr Kopfschmerzen führen.“

Da zu viel Stress auch Auslöser vieler anderer Erkrankungen ist, rät Katja Flint, sich selbst folgende Fragen zu stellen: Was stresst mich? Warum? Wie kann ich das vermeiden? „Seitdem ich mich habe mir angewöhnt habe, positiv zu denken, Probleme so schnell wie möglich zu lösen, Ausdauersport zu treiben und Ruhephasen einzuhalten, bin ich fast kopfschmerzfrei.“

 

Volkskrankheit Migräne

Bohrender Kopfschmerz, dazu heftige Übelkeit: Millionen Menschen werden regelmäßig von Migräne gequält. Das typische Symptom ist ein einseitig empfundener Kopfschmerz. Er tritt in Attacken auf und verschwindet erst nach mehreren Stunden wieder. Manchmal aber auch erst nach ein bis drei Tagen. Bevor das „Gewitter im Kopf“ eintritt, flimmert es einigen Betroffenen vor den Augen oder ihnen wird schwindelig. In seltenen Fällen kann es sogar zu Sprachstörungen und Lähmungen kommen.

Der Deutschen Migräne Gesellschaft zufolge leiden zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen unter dieser Form der Kopfschmerzen. Besonders häufig tritt die Krankheit zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr auf. In diesem Alter sind in Deutschland fast jeder zehnte Mann und jede dritte Frau von den Qualen betroffen.

 

Regelmäßigkeit hilft gegen Attacken

Experte Göbel:
Experte Professor Göbel: "Man darf sich mit chronischen Schmerzen nicht einfach abfinden."© privat

Nach heutigen Erkenntnissen wird Migräne durch Entzündungen in den Adern verursacht, die das Gehirn mit Blut versorgen. Die Gefäße werden dadurch gereizt – es kommt zu den starken, pochenden Kopfschmerzen. Bestimmte Gene erhöhen das Risiko, an Migräne zu erkranken, deutlich. Mögliche Auslöser sind Stress, aber auch falsche Schlaf- und Essgewohnheiten.

Denn was viele nicht wissen: „Ist der Schlaf-Wach-Rhythmus oder die Einnahme von Mahlzeiten unregelmäßig, kann das auf Dauer zu Migräne führen“, erklärt Professor Hartmut Göbel, Migräne-Experte an der Schmerzklinik Kiel. Bei häufigen Attacken empfiehlt er verschreibungspflichtige Wirkstoffe zur Vorbeugung. Zum Beispiel Metoprolol, Flunarizin oder Valproinat. „Um die Zahl der Anfälle zu senken, müssen die Präparate regelmäßig eingenommen werden.“

 

Risikofaktoren für Migräne meiden

Da Stress ein wichtiger Risikofaktor für Migräne ist, sollten Betroffene täglich bei einem Spaziergang, einem Bad oder einer Radtour entspannen. Sinnvoll ist auch die Einnahme eines Magnesium-Präparates, das den Abbau von Stresshormonen unterstützt. Am besten wirkt Magnesium abends. Bei den ersten Anzeichen einer Attacke helfen Triptane oder spezielle Schmerztabletten. Anschriften von Migräne-Experten finden Sie unter: www.schmerzklinik.de

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