Karma Yoga: Das Yoga der Taten als spirituelle Disziplin

Redaktion PraxisVITA

Auch wenn das Wort Yoga in Karma Yoga steckt: Mit Asanas und Übungen auf der Matte hat diese spirituelle Disziplin nichts zu tun.

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Karma Yoga soll den Weg zur spirituellen Erleuchtung ebnen Foto:  iStock/damircudic
Inhalt
  1. Was ist Karma Yoga?
  2. "Der Weg des selbstlosen Dienens"
  3. Karma Yoga als Lebenseinstellung
  4. Karma Yoga: Das Konzept der Pflicht
  5. Wie sich Karma Yoga auf das Leben auswirkt
 

Was ist Karma Yoga?

Karma Yoga – das Yoga der Tat – ist neben Jnana Yoga (Weg der Erkenntnis), Bhakti Yoga (Yoga der Hingabe) und in einigen Denkschulen auch dem Raja Yoga (“Königsyoga”) einer der spirituellen Wege der indischen Philosophie.

Denkt man hierzulande an Yoga, kommt einem das Praktizieren von Asanas und die sportlich-spirituelle Variante in den Sinn. Beim Karma Yoga hingegen geht es nicht um Übungen auf der Yogamatte. Die Yogamatte ist in diesem Fall das alltägliche und soziale Leben – denn hier führt der Weg zur spirituellen Erleuchtung über die eigenen Taten.

 

"Der Weg des selbstlosen Dienens"

Karma Yoga wird auch als “Yoga des selbstlosen Dienens” oder “Yoga der Tat” beschrieben. Es wurde bereits in der Bhagavadgita, der heiligen Schrift der Hindus, beschrieben. Dort (II.48) sagt die Gottheit Krishna etwa: “Gib die Anhänglichkeit auf, o Arjuna, und vollbringe, im Yoga gefestigt, deine Werke. Sei gleichmütig gegen Erfolg und Misserfolg. Gleichmut wird Yoga genannt."

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Es wird aber auch von Zen-Lehrern praktiziert und ist sozusagen spirituell gesehen “genreübergreifend”. Das Wort “Karma” steht vereinfacht gesagt für das Konzept der Handlung und seine Konsequenzen – das Prinzip der Ursache und Wirkung.

Es ist nicht nur im Hinduismus, sondern auch im Buddhismus und in anderen spirituellen und philosophischen Richtungen sehr präsent.

 

Karma Yoga als Lebenseinstellung

Der 2019 verstorbene, spirituelle Lehrer Ram Dass beschrieb diese Yogaschule folgendermaßen: “Karma Yoga bedeutet, Dinge, die man jeden Tag mit anderen Menschen macht, zur Opfergabe zu machen. Es ist also eine Lebenseinstellung der Opfergabe und eine bestimmte Haltung, zu sehen, wie die eigenen Taten so viel mehr Bedeutung haben können.”

Viele spirituelle Lehrer beschreiben diese Richtung des Yoga außerdem als Mittel, um eins mit Gott zu werden – auch Ram Dass definiert das ähnlich.

 

Karma Yoga: Das Konzept der Pflicht

Es gibt im Karma Yoga vier wesentliche Konzepte, die es zu beachten gilt, um ein tieferes Verständnis über den spirituellen Weg zu erlangen. Das erste ist das Konzept der Pflicht. Jeder Mensch hat eine ganze Reihe von verschiedenen Verpflichtungen – in der Gesellschaft, in der Familie, im Beruf, in der Freundschaft, in der Partnerschaft.

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Karma Yoga lehrt, diese Pflichten zu priorisieren – und sich selbst als oberste Pflicht zu sehen. Nur, wem es selbst gut geht, der kann dafür sorgen, dass es auch anderen gut geht – Selbstliebe und das Pflegen der eigenen körperlichen und psychischen Gesundheit sind also ein wesentlicher Bestandteil, um auch altruistisch agieren zu können.

Aber nicht nur das Priorisieren der Pflicht ist wichtig – sondern auch das bestmögliche Erfüllen. Egal, was man tut, man sollte es mit größtmöglicher Sorgfalt und Hingabe tun.

Das Ego

Wie in vielen spirituellen Denkrichtungen spielt auch beim Karma Yoga das Ego eine große Rolle – beziehungsweise das Loslassen des Egos.

Das eigene Ego beeinflusst das ganze Leben – wie man sich selbst und andere sieht, welche Dinge man mag oder nicht mag, wie man handelt. Es gilt, das Ego loszulassen, die Ich-Versessenheit abzustellen – nur so kann man ohne Begehren und Anhaftungen leben.

Anhaftung

Das führt uns zum nächsten Punkt: der Anhaftung (englisch: Attachment). Wie auch im Buddhismus ist im Karma Yoga die Anhaftung etwas, das man loslassen sollte.

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Man sollte seine Pflichten erledigen und Gutes tun, ohne dabei an eigene Vorstellungen, an Erwartungen oder Vorlieben gebunden zu sein. Man sollte auch weder dem Prozess noch dem Ergebnis anhaften.

Erwartungen

Und auch die Erwartungen spielen eine große Rolle im Karma Yoga. Man sollte stets selbstlos und altruistisch handeln und keine Belohnung, kein Lob und keinen Gegengefallen erwarten.

 

Wie sich Karma Yoga auf das Leben auswirkt

Karma Yoga weist viele Parallelen zur Zenpraxis auf. Es soll zu einem achtsamen Leben und zu einem spirituellen und seelischen Gleichgewicht verhelfen. Man lebt im Moment und geht in den eigenen Tätigkeiten auf. Man wird uneigennütziger und verspürt durch altruistische Handlungen Glück und Zufriedenheit.

Auch wenn Karma Yoga eine spirituelle, hinduistische Praxis ist: Man muss, wie auch beim Zen-Buddhismus, kein spiritueller oder religiöser Mensch sein, um von den Lehren dieses Weges zu profitieren.

Der Weg des Karma Yoga bietet einige sehr pragmatische Ansätze, die sich in das alltägliche Leben integrieren lassen – und möglicherweise zu mehr Selbstsicherheit oder Selbstwertgefühl verhelfen können. Und dafür braucht man weder Yogamatte, noch Yogastudio oder Asanas: Der Übungsplatz ist das alltägliche Leben.

Tipps für mehr Selbstwertgefühl und Selbstliebe auf unserem YouTube-Kanal "Gefühlssache".

 

Quellen:

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