Karl Lauterbach: „Diejenigen, die sich jetzt infizieren, sterben erst in ein paar Wochen!“

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat sich gemeinsam mit weiteren Experten zur aktuellen Corona-Lage und den neuen Maßnahmen der Bundesregierung geäußert.

Karl Lauterbach
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach informiert über die aktuelle Corona-Lage. Foto: IMAGO/photothek

In einer Pressekonferenz kontert Lauterbach der rigorosen Kritik und stellt fest „Die Situation ist schlechter als die Stimmung.“

Lauterbach: „Diejenigen, die sich jetzt infizieren, sterben in ein paar Wochen!“

Wie sieht die aktuelle Corona-Lage in Deutschland aus? wenn es nach Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geht, ist die Situation definitiv schlechter als die Stimmung. Es sei eine Fehleinschätzung, dass die Omikron-Variante niemanden mehr gefährdet, sagt der Experte. Man sei zu sorglos aktuell. Denn: „Diejenigen, die sich jetzt infizieren, sterben erst in ein paar Wochen“, sagt der Minister. Dann erst zeigt sich das Ausmaß der aktuell immer weiter ansteigenden Fallzahlen.

RKI: 14 Prozent der Verstorbenen unter 70 Jahre alt

Dies bestätigt auch RKI-Chef Lothar H. Wieler. „Wir wissen, dass der Omikron-Anteil weiter zunimmt“, sagt der Experte. Über 2.000 COVID-Patient:innen werden derzeit auf der Intensiv-Station behandelt. Mehr als 1.000 Todesfälle pro Woche werden an das Robert Koch-Institut übermittelt. Allein 14 Prozent der Verstorbenen seien unter 70 Jahre alt. Man solle sich daher für ein Verhalten entschieden, welches andere weiterhin schützt, rät der RKI-Chef.

Corona-Prognose im Herbst: Diese 4 Szenarien sind möglich

Wie ein solches Verhalten aussehen kann, hängt auch von der Entwicklung der kommenden Wochen ab und wie sich das Coronavirus künftig entwickelt. So seien laut Lauterbach folgende 4 Szenarien im Hinblick auf eine Herbst-Welle möglich:

1.       Die Omikron-Variante bleibt so wie jetzt.

2.       Die Omikron-Variante verändert sich und wird noch pathogener.

3.       Die Delta-Variante setzt sich erneut durch, wie man es derzeit in Südamerika sehe.

4.       Im Herbst kommt eine erneute Welle mit einer rekombinierten Variante aus Omikron und Delta, wie sie bereits in Großbritannien entdeckt wurde.

Der Gesundheitsminister ist sich sicher: Ohne eine allgemeine Impfpflicht werde man die Pandemie im kommenden Herbst nicht in den Griff bekommen. „Wir werden im Bundestag bei der Impfpflicht eine Debatte haben, die darüber entscheidet, ob wir uns im Herbst wieder treffen müssen und über die gleichen Dinge sprechen wie jetzt.“

Lauterbach kontert Kritik der Bundesländer am Infektionsschutzgesetz

Ein weiterer Faktor zur Pandemie-Bekämpfung ist das Instrumentarium, welches die Bundesländer an die Hand bekommen, um die Corona-Pandemie einzudämmen. Dafür hat die Bundesregierung neue Maßnahmen beschlossen, die nach dem 20. März greifen sollen.

Doch seitens der Länder-Chefs hagelte es Kritik am neuen Infektionsschutzgesetz. Es sei nicht konsequent genug. Dieser kontert Lauterbach nun entschieden. „Ich würde die Landesregierung und Parlamente auffordern, nicht mit Kritik am Gesetz aufzuhalten, sondern die Nutzung des Gesetzes vorzubereiten.“

So sei durch die Hotspot-Regelung durchaus möglich, dass ein ganzes Bundesland als Hotspot definiert werde, um so strengere Maßnahmen zu ergreifen. „Wenn der Ausbruch das ganze Bundesland betrifft, dann ist es das Bundesland“, sagt Karl Lauterbach. Und mehr noch: Er prognostiziert in ein paar Wochen zahlreiche Hotspots in Deutschland.

Ob und wie welche Maßnahmen die Bundesländer künftig wirklich ergreifen, hängt dann auch immer von der Überlastung der Krankenhäuser im Verhältnis zu den Corona-Fallzahlen ab.