Kann Toastbrot Lungenkrebs auslösen?

Verena Elson
Toastbrot
Lebensmittel mit einem hohen sogenannten Glykämischen Index können laut einer aktuellen Studie das Lungenkrebs-Risiko erhöhen © Fotolia

Wer viele Lebensmittel mit einem hohen Glykämischen Index wie Weißbrot isst, hat ein erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, zeigt eine aktuelle US-Studie.

Raucher haben ein deutlich erhöhtes Lungenkrebs-Risiko – das ist weithin bekannt. Dennoch ist Rauchen nicht der einzige Risikofaktor für diese Krebserkrankung. Frühere Studien wiesen darauf hin, dass auch die Ernährung Einfluss auf das Lungenkrebs-Risiko hat. So kann etwa eine Kost, die reich an Obst und Gemüse ist, das Erkrankungsrisiko verringern, während große Mengen an rotem Fleisch, Milchprodukten und gesättigten Fettsäuren risikosteigernd wirken.

Wissenschaftler der University of Texas gingen in ihrer aktuellen Studie der Frage nach, ob sich auch der Glykämische Index von Lebensmitteln auf das Lungenkrebs-Risiko auswirkt.

 

Was ist der Glykämische Index?

Der Glykämische Index (GI) beschreibt die Auswirkungen der Kohlenhydrate eines Lebensmittels auf den Blutzuckerspiegel. Je höher der GI ist, desto stärker steigt der Blutzuckerspiegel an. Weißes Toastbrot hat einen vergleichsweise hohen GI von 75. Zum Vergleich: Naturjoghurt hat einen besonders niedrigen GI von 19.

Die texanischen Forscher analysierten Daten von 1.905 Patienten, die kürzlich eine Lungenkrebs-Diagnose erhalten hatten, und verglichen sie mit denen von 2.413 gesunden Teilnehmern einer Kontrollgruppe.

Dabei beobachteten sie: Die Personen, die die meisten Lebensmittel mit hohem GI verzehrten, erkrankten zu 49 Prozent häufiger an Lungenkrebs als diejenigen, die am wenigsten davon aßen. Für Menschen, die nie geraucht haben, steigt das Erkrankungsrisiko bei einer solchen Ernährung demnach sogar um 81 Prozent.

 

Einschränkungen der Studie

Die Studienleiter weisen auf einige Einschränkungen der Studie hin. So befanden sich in der Gruppe mit dem größten Anteil an Lebensmitteln mit hohem GI auffällig viele Menschen mit geringer Bildung – bei dieser Personengruppe war auch der Zusammenhang zwischen GI und Lungenkrebsrisiko besonders stark. Das kann daran liegen, dass in niedrigeren Bildungsschichten eine allgemein ungesunde Ernährungsweise (viel Zucker, wenig Ballaststoffe) weiter verbreitet ist als in höheren Bildungsschichten, wie zahlreiche Studien zeigen. Außerdem sind Menschen mit niedrigem Bildungsstatus häufiger Raucher. In diesen Fällen ist also nicht genau nachvollziehbar, zu welchem Anteil das Risiko vom GI der verzehrten Nahrungsmittel abhängt.

Außerdem mussten sich die Forscher auf die Angaben der Probanden zu ihren Ernährungsgewohnheiten verlassen – diese können sich je nach Krankheitsgeschichte des Studienteilnehmers unterscheiden – beispielsweise ist es wahrscheinlich, dass sich ein Krebspatient eher an ungesunde Nahrungsweisen erinnert als ein gesunder Proband.

Dennoch: Frühere Studienergebnisse deuteten bereits darauf hin, dass Lebensmittel mit einem hohen GI das Tumorwachstum anregen und die Entstehung von Krebs fördern können. Die aktuelle Studie bestätigt das – die Wissenschaftler wollen ihre Erkenntnisse in weiteren Untersuchungen überprüfen.

Eine Übersicht über den Glykämischen Index verschiedener Lebensmittel finden Sie hier.

Hamburg, 9. März 2016

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