Kann Sperma Gebärmutterhalskrebs heilen?

Verena Elson
Unterwegs im Auftrag der Medizin: Deutsche Forscher nutzten erstmals Spermien als Transportmittel für Medikamente
Unterwegs im Auftrag der Medizin: Deutsche Forscher nutzten erstmals Spermien als Transportmittel für Medikamente © iLexx/iStock

Sperma als Transportmittel, das Krebsmedikamente in die Gebärmutter bringt: Diese Idee testeten Forscher aus Dresden und Chemnitz jetzt im Labor – mit vielversprechenden Ergebnissen.

Die Chemotherapie wird in den meisten Fällen per Infusion verabreicht. Das Medikament gelangt in den Blutkreislauf und schädigt von dort aus nicht nur Tumorzellen, sondern auch gesunde Zellen. So kommt es häufig zu gravierenden Nebenwirkungen der Behandlung, die Betroffene extrem belasten können.

Forscher suchen darum stetig nach Methoden, die Medikamente zum Tumoren zu bringen, und dabei so wenig wie möglich gesundes Gewebe in Mitleidenschaft zu ziehen.

 

Sperma als Transportmittel

Wissenschaftler des Leibnitz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden und der Technischen Universität Chemnitz konzentrierten sich in ihrer aktuellen Forschungsarbeit auf Spermien als „Transportmittel“. Bei der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs haben diese einen entscheidenden Vorteil, so die These der Forscher: Sie kennen den Weg zur Gebärmutter und legen ihn aus eigenem Antrieb schnell und zielstrebig zurück – zudem haben sie die Fähigkeit, einige Tage in der Gebärmutter zu überleben.

Das Team um Haifeng Xu belud Rinderspermien mit Doxotubicin, einem Medikament, das in der Chemotherapie beispielsweise gegen Brust- und Lungenkrebs eingesetzt wird. Anschließend bekamen die Spermien ein kleines eisernes „Zaumzeug“ angelegt, das es den Forschern erlaubte sie – einmal in der Gebärmutter angekommen – mittels Magneten zum Tumoren steuern.

 

Spermien liefern Medikamente in den Tumoren

Im Labor funktionierte die Methode tatsächlich: Berührte ein Spermium den Tumoren, lösten sich seine „Fesseln“, es durchdrang die Zellwand und entließ seine toxische Ladung. Innerhalb von drei Tagen gelang es den Spermien so, 87 Prozent der Krebszellen zu vernichten.

 „Das Spermium hat die natürliche Fähigkeit, mit (der Eizelle) zu verschmelzen und das ist sehr praktisch“, erklärte Co-Autorin Mariana Medina-Sánchez gegenüber LiveScience. „Dasselbe kann es mit den Krebszellen tun und das Medikament in den Tumorzellen freisetzen, was die Therapie viel effektiver macht.“ 

Es bedarf zunächst weiterer Forschung, bevor die Methode an Menschen getestet werden kann. Doch wenn es soweit ist, können sich die Forscher ihren Einsatz auch für andere Erkrankungen der Gebärmutter vorstellen.

Quelle:
Xu, Haifeng, et al. (2017): Sperm-hybrid micromotor for targeted drug delivery, in: ACS nano.

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