Kann Soja bei Brustkrebs helfen?

Stephanie Pingel
Soja
Sollten Brustkrebspatientinnen mehr Soja verzehren? Laut einer neuen Studie ja – sofern sie an einer bestimmten Art von Brustkrebs leiden © iStock

Welche Auswirkungen hat der Verzehr von Soja auf Brustkrebs? Dazu gibt es bereits einige Studien – mit unterschiedlichen Ergebnissen. Eine neue Untersuchung zeigt nun, dass Soja die Sterblichkeitsrate bei einer bestimmten Brustkrebsart senken könnte.

Sollten Brustkrebspatienten auf Soja verzichten oder nicht? Bisher kamen wissenschaftliche Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen bei dieser Frage. Demnach legten mehrere Untersuchungen den Verdacht nahe, dass Sojaprodukte Gene aktivieren, die dafür sorgen, dass Tumoren wachsen und streuen. Die Forscher führten das darauf zurück, dass Soja viele sogenannte Isoflavone enthält. Dabei handelt es sich um  Pflanzenstoffe, die dem Hormon Östrogen ähneln – welches besonders bei der häufigsten Brustkrebsart, dem sogenannten Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs, das Tumorenwachstum beschleunigen kann. Die neue Studie von Wissenschaftlern rund um Dr. Fang Fang Zhang von der Tufts University in Massachusetts zeigt nun: Beim sogenannten Hormonrezeptor-negativen Brustkrebs kann der regelmäßige Verzehr von Soja die Sterblichkeitsrate sogar senken. Diese Art von Brustkrebs macht etwa 20 Prozent aller Erkrankungen aus.

 

Soja bei Brustkrebs – ja oder nein?

„In neueren Laborstudien zeigte sich, dass Isoflavone, anders als bis dahin angenommen, das Tumorenwachstum von Brustkrebs sogar verlangsamen können. Andere Untersuchungen legten aber nahe, dass die Effekte der Isoflavone auch die Effektivität von Hormontherapien bei Brustkrebs verringern. Man konnte also nach wie vor nicht sagen, ob man Patientinnen die Einnahme von Isoflavonen nun empfehlen sollte oder nicht“, erklärt Dr. Zhang die Motivation hinter der neuen Studie. Daher untersuchten sie und ihr Team insgesamt 6.235 Brustkrebspatientinnen aus den USA und Kanada und beobachteten über neun Jahre hinweg, welche Effekte die Einnahme von Isoflavonen aus natürlichen Nahrungsmitteln wie Soja auf sie hatte. Nahrungsergänzungsmittel wurden nicht verwendet.

Das Ergebnis: Bei einer hohen Einnahme von Isoflavonen stellten die Forscher eine um 21 Prozent geringere Sterblichkeitsrate fest als bei Patientinnen, die wenig Isoflavone aßen. Allerdings ließ sich diese Beobachtung nur bei einer bestimmten Gruppe der Probandinnen machen: Nämlich bei denen, die an Hormonrezeptor-negativem Brustkrebs litten und sich nicht einer Antihormontherapie unterzogen. „Wir konnten keinen positiven oder nachteiligen Effekt einer erhöhten Isoflavonaufnahme bei Frauen feststellen, die sich einer Hormontherapie unterzogen. Einen potenziellen schützenden Effekt von Sojaprodukten auf die Sterblichkeitsrate gibt es laut unseren Untersuchungen also nur bei Frauen mit Hormonrezeptor-negativem Brustkrebs“, so Zhang. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher der Tufts University in Massachusetts im Fachjournal „Cancer.“

 

Ursachen müssen noch erforscht werden

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, sind die genauen Mechanismen hinter der verbesserten Lebenserwartung noch nicht ganz klar. Die Forscher wollen an diesem Punkt nun noch einmal ansetzen. „Wenn eine Änderung des Lebensstils die Überlebensrate von Betroffenen dieser aggressiven Brustkrebsart verbessern kann, sind genauere Erkenntnisse für diese Frauen sehr wichtig“, erklärt Studienautorin Esther John.

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