Kann Schnarchen Depressionen auslösen?

Eine Frau liegt neben ihrem schnarchenden Mann im Bett und kann nicht schlafen
Nächtliche Atemaussetzer führen bei vielen Betroffenen zu depressiven Verstimmungen, zeigt eine aktuelle Studie © Fotolia

Mehr als 70 Prozent der Schlafapnoe-Patienten zeigen Symptome einer Depression, das belegt eine aktuelle Studie australischer Wissenschaftler. Da viele Betroffene nichts von ihrer Schlafapnoe wissen, könnte das zu Fehldiagnosen führen, warnen die Forscher.

Patienten mit einer Schlafapnoe schnarchen so stark, dass sie nachts mehrfach bis zu 90 Sekunden dauernde Atemaussetzer haben. Dabei wachen sie zwar nicht auf, der normale Schlafablauf mit Tief- und Traumschlaf wird aber gestört – Betroffene fühlen sich darum auch nach acht oder mehr Stunden Schlaf häufig noch müde und erschöpft.

Dass die fehlende Erholsamkeit des Schlafs auch depressive Verstimmungen hervorrufen kann, beobachten Mediziner schon seit Längerem. Eine aktuelle Studie der University of Western Australia zeigt jetzt, wie verbreitet dieses Problem unter Schlafapnoe-Patienten ist, und dass es das Risiko für Fehldiagnosen erhöht.

 

73 Prozent der Schlafapnoe-Patienten haben depressive Verstimmungen

Für die Studie begleiteten die Wissenschaftler 426 Männer und Frauen, die mit Verdacht auf Schlafapnoe an ein Schlaflabor überwiesen worden waren. Mit speziellen Diagnose-Fragebögen überprüften die Forscher, ob die Patienten Symptome einer Depression zeigten.

Bei 293 Patienten wurde eine Schlafapnoe diagnostiziert – 213 (73 Prozent) von ihnen zeigten außerdem Symptome einer Depression. Je stärker die Schlafapnoe ausgeprägt war, desto wahrscheinlicher war es, dass der Patient auch an einer depressiven Verstimmung litt.

 

CPAP-Therapie lindert Depressionen

Anschließend boten die Forscher den Schlafapnoe-Patienten eine Behandlung mit der sogenannten Atemwegs-Überdruck-Therapie (CPAP für continuous positive airway pressure) an. Dabei tragen Patienten nachts eine Atemmaske, die den Atemaussetzern entgegenwirkt.

228 der Probanden nahmen das Angebot an und trugen die Atemmaske für fünf Stunden pro Nacht über einen Zeitraum von drei Monaten. Daraufhin gingen ihre Depressions-Symptome deutlich zurück – nach drei Monaten litten nur noch neun (vier Prozent) von ihnen daran. 41 Probanden hatten vor der Behandlung sogar von Gedanken an selbstverletzendes Verhalten oder Suizid berichtet – nach der CPAP-Therapie hatte keiner von ihnen mehr solche Gedanken.

 

Hinter Depressions-Symptomen könnte Schlafapnoe stecken

Die Studienautoren plädieren dafür, Patienten mit Verdacht auf Depressionen nach Schlafapnoe-Symptomen zu fragen – denn da viele Betroffene gar nichts von ihren nächtlichen Atemaussetzern wissen, bestehe die Gefahr von Fehldiagnosen.

Patienten mit depressiven Symptomen sollten auf Anzeichen wie Schnarchen, Tagesschläfrigkeit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, Sodbrennen und bei Männern Potenzstörungen achten – diese können auf eine Schlafapnoe hinweisen.

Hamburg, 24. September 2015

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