Nägelkauen löst seltenen Krebs aus

Verena Elson Medizinredakteurin

Einer 20-jährigen Britin musste der Daumen amputiert werden, nachdem sie an einem seltenen Krebsleiden erkrankt war. Die Ursache dafür war vermutlich ihre Angewohnheit, an den Nägeln zu kauen.

Eine Britin zahlte einen hohen Preis für ihre Angewohnheit, an den Nägeln zu kauen
Eine Britin zahlte einen hohen Preis für ihre Angewohnheit, an den Nägeln zu kauen Foto:  Inkout/iStock

Courtney Whithorn begann mit 16, an ihren Nägeln zu kauen. Der Auslöser waren Probleme mit Mitschülern: „Es wurden Gerüchte über mich verbreitet und wenn ich mich beim Mittagessen zu anderen setzte, ignorierten sie mich komplett, als ob ich nicht existierte“, erzählte die 20-Jährige der britischen „Sun“. „Nägelkauen wurde zu einem Bewältigungsmechanismus für mich.“

Schnell wurde es zur Gewohnheit: „Ich bemerkte manchmal gar nicht, dass ich an den Nägeln kaute – es ist einfach passiert. Ich habe quasi das Gefühl dafür verloren, weil ich es so oft tat.“ Irgendwann lief ihr Blut über die Hand und sie bemerkte, dass sie ihren kompletten Daumennagel abgekaut hatte.

 

Seltene Krebsdiagnose

„(Der Nagel) wuchs nie wieder normal nach. Er wuchs nur auf einer Seite, ich kaute ihn immer wieder ab – und schließlich verfärbte sich mein unterer Nagel schwarz“, berichtete Whithorn dem Blatt. „Meine Hand war einfach immer in einer Faust, weil ich nicht wollte, dass es irgendjemand sieht – noch nicht einmal meine Eltern.“ 

Schließlich rang sie sich doch zu einem Arztbesuch durch – hauptsächlich aus kosmetischen Gründen. Sie ging zu zwei Schönheitschirurgen, die schließlich eine Operation planten: Das Nagelbett sollte entfernt und durch ein Hauttransplantat ersetzt werden. „Doch vor der ersten Operation zur Entfernung des Nagelbetts bemerkten die Ärzte, dass etwas nicht stimmte und entschieden sich zu einer Biopsie“, so Whithorn.

 

Krebs durch Nägelkauen?

Die Diagnose lautete wenig später: akrolentiginöses Melanom. Diese seltene Hautkrebsform kann an Handflächen, Fußsohlen oder unter den Nägeln auftreten. Die Auslöser sind nicht vollständig geklärt, da die betroffenen Stellen häufig nicht der Sonne ausgesetzt sind. Doch es gibt Hinweise darauf, dass vorangehende Verletzungen oder Wunden bei der Entstehung eine Rolle spielen können. Aus diesem Grund vermuteten Whithorns Ärzte, dass das Nägelkauen ihre Erkrankung ausgelöst haben könnte.

Die Studentin, die seit neun Jahren in Australien lebt, sagte der „Sun“: „Als ich erfuhr, dass das Abkauen meines Nagels die Ursache für den Krebs war, war ich erschüttert.“ Da der Krebs bereits begonnen hatte, sich im Daumen auszubreiten, beschlossen die Ärzte, den Daumen oberhalb des Knöchels zu amputieren.

Der Eingriff fand vergangene Woche statt – jetzt wartet die Studentin und Teilzeit-Rezeptionistin auf die Ergebnisse neuer Gewebeproben. Sollte das Ergebnis „krebsfrei“ lauten, wird sie für fünf weitere Jahre unter Beobachtung stehen, um auszuschließen, dass der Krebs wiederkommt.

Whithorn wendet sich mit einem Appell an alle Jugendlichen: „Ich will meine Geschichte teilen für Menschen, die gemobbt werden und diejenigen, die andere mobben. Ich hoffe, es bringt sie dazu, damit aufzuhören oder den Mut zu fassen, aufzustehen, Hilfe zu suchen oder ihren Eltern zu erzählen, was in der Schule passiert.“

 

Tipps gegen Nägelkauen

Wer sich selbst das Nägelkauen abgewöhnen möchte, kann es mit einigen Tricks probieren: So gibt es transparente Speziallacke für die Fingernägel, die mit Bitterstoffen angereichert sind. Diese machen es dem Nagelkauer sofort bewusst, wenn der Nagel „aus Versehen“ im Mund landet.

Ein anderer Tipp lautet, die abgekauten Nägel mit künstlichen Nägeln zu überkleben. Dann steigt die Hemmschwelle, zuzubeißen – denn der schöne Nagel soll ja nicht zerstört werden.

Nägelkauen kann weitere negative Folgen haben wie eine Entzündung des sogenannten Nagelwalls. Hier erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess, welche Risiken dadurch entstehen und wie die Behandlung aussieht.

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