Kann Muttermilch durch zu viel Sport sauer werden?

Phyllis Kuhn
Mutter mit Baby beim Sport
Auch während der Stillzeit ist Sport gut für die Gesundheit frischgebackener Mütter. © Alamy

Eine aktualisierte Handlungsempfehlung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft räumt mit einem unter stillenden Müttern verbreiteten Vorurteil auf.

Viele junge Mütter verzichten während der Stillzeit auf Sport. Ihre Befürchtung: Da durch viel Bewegung die Milchsäurewerte (Laktatwerte) in der Muttermilch steigen, könnte es sein, dass ihre Milch ‚sauer’ wird. Die neu erschienene Richtlinie mit dem Titel ‚Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen’ des Netzwerks ‚Gesund ins Leben’ soll diese Sorge entkräften. Darin heißt es ausdrücklich: „Ausreichende Bewegung ist für die gesunde Entwicklung des Säuglings förderlich und auch die stillende Mutter profitiert von einem körperlich aktiven Lebensstil“.

Das Netzwerk, das unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft steht, gibt seit 2010 Handlungsempfehlungen zu Säuglingsernährung und Gesundheit stillender Mütter heraus.

 

Wieviel Sport ist richtig? Der „Talk-Test“ gibt die Antwort

Auch wenn nach einer Geburt der gesamte Fokus einer Mutter der Versorgung des Babys gilt, tut sie sich und damit auch ihrem Kind mit ausreichend Bewegung einen Gefallen. Die Handlungsempfehlung dazu lautet: „Auch in der Stillzeit sollen Frauen körperlich aktiv sein und sich mit moderater Intensität bewegen“. Sie sollten „nach der Geburt ihre körperliche Aktivität nach ihrer persönlichen Verfassung auf mindestens 30 min an möglichst vielen Tagen der Woche steigern. War die Geburt unkompliziert, können bereits im Wochenbett mit sanften Übungen begonnen werden.

Sorge um vermeintlich saure Milch durch zu viel Bewegung müssen sich Mütter aus zwei Gründen nicht machen: Bei moderater Bewegung verändert sich der Laktatwert in der Muttermilch normalerweise nicht so drastisch, dass die Milch ihren Geschmack verändert. Ob das Training moderat genug ist, kann man mit Hilfe des sogenannten „Talk-Tests“ prüfen – solange man während des Trainings noch gerade so in der Lage ist, sich zu unterhalten, stimmt die Intensität und die Muttermilch sollte sich nicht verändern. Muskelkater ist ein Zeichen dafür, dass Sie es möglicherweise übertrieben haben. Passiert es dann doch einmal, dass die Milch ihren Geschmack verändert, hält das Säuglinge normalerweise trotzdem nicht vom Trinken ab.

 

Sport ist nach der Schwangerschaft wichtig für Körper und Psyche

Sport nach der Geburt ist nicht nur nützlich, um schnell wieder in die alte Form zu kommen, sondern schützt auch vor postnatalen Depressionen. Welche Art von Sport Mütter machen, ist ihren individuellen Vorlieben überlassen. Ob Beckenbodentraining, Joggen oder Spazieren: Wichtig ist, dass man es zu Beginn noch langsam angeht und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtet. Dann müssen sich Mütter auch keine Sorgen um die Qualität ihrer Milch machen. Die Handlungsempfehlung weist außerdem darauf hin, dass stillende Mütter auf einen gut sitzenden Sport-BH achten sollten, um das Brustgewebe nicht übermäßig zu strapazieren.

Die Richtlinien können kostenfrei hier heruntergeladen werden.

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