Kann Mundwasser Migräne heilen?

Phyllis Kuhn

Neue Hoffnung für Patienten: Forscher entdecken möglichen Zusammenhang zwischen Mundflora und Migräne.

Wenn sie auftritt, geht häufig gar nichts mehr. Hämmernde Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Sehprobleme, dazu häufig Übelkeit und Schwindel: Migräne. Medizinisch gesehen ist es noch immer nicht klar, was die genauen Trigger (Auslöser) für Migräne-Anfälle sind. Langjährige Migräne-Patienten haben allerdings häufig schon ihre eigenen Erfahrungswerte.  

 

So reichen manchmal schon Wetterumschwünge, Stress oder das falsche Essen, um eine erneute Attacke zu verursachen.

Viele von ihnen sind sich darüber einig, dass bestimmte Lebensmittel wie Wein, Schokolade, grünes Blattgemüse und verarbeitetes Fleisch Migräne auslösen. Was all diese Lebensmittel gemeinsam haben, ist ihr hoher Nitrat-Anteil.

 

Warum reagieren Migräne-Patienten so empfindlich auf Nitrat?

 

Im Schnitt nehmen Menschen durch ihre Nahrung etwa 90 g Nitrat zu sich, der größte Teil stammt aus Gemüse und Nitrat im Trinkwasser. Der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt bei 3,65 mg Nitrat pro kg Körpergewicht und Tag (bei einem durchschnittlichen Körpergewicht von 70 kg: 255 mg Nitrat/Tag). Wer unter diesem Grenzwert bleibt, hat normalerweise keine gesundheitlichen Schäden zu befürchten. Eine Ausnahme könnten dabei Migräne-Betroffene sein. Einen möglichen Zusammenhang zwischen Nitrat und Migräne und haben Forscher der University of California San Diego und der University of Chicago untersucht. Ergebnis: eine wichtige Rolle spielen offensichtlich nitratverarbeitende Bakterien im Mundraum. Um herauszufinden, wie genau Nitrat von Migräne-Patienten verarbeitet wird, verglichen sie deren Mikrobiom in Mund, Rachen und Darm mit dem von gesunden Versuchsteilnehmern. Sie stellten fest, dass Migräne-Betroffene größere Mengen nitratverarbeitender Bakterien in ihrer Mundhöhle aufweisen. Ob dies eine Folge oder eine Ursache von Migräne-Attacken ist, konnten die Forscher bisher nicht feststellen: „Wir wissen sicher, dass nitratverarbeitende Bakterien in der Mundhöhle gefunden werden. Nun haben wir auch eine mögliche Verbindung zu Migräne gefunden. Wir müssen allerdings noch herausfinden, ob diese Bakterien die Ursache, ein Effekt oder ein sonstiger indirekter Zusammenhang von Migräne sind“, erläutert Embriette Hyde, die innerhalb des Forscher-Teams für die Auswertung zahlreicher Daten aus oralen Proben zuständig war.

 

Mundwasser gegen Trigger?

 

Wenn also tatsächlich diese Bakterien für Migräne verantwortlich sind, könnten sie nach Ansicht der Forscher in Zukunft durch spezielle Mundwässer aus der Mundhöhle entfernt werden. Nitrat würde dann ganz normal abgebaut werden und könnte keine Migräne-Attacken mehr verursachen.

Bis ein solches Mundwasser auf dem Markt ist, können Betroffene versuchen, weniger Nitrate durch Nahrung aufzunehmen. Die am stärksten mit Nitrat versetzten Lebensmittel sind:

Rucola-Salat (bis zu 7000mg/kg Nitrat)

Andere Salatsorten (bis zu 5000 mg/kg Nitrat)

Kohlgemüse, Wurzelgemüse (bis zu mg/kg Nitrat)

Frischer Spinat (bis zu 3500 mg/kg Nitrat)

Hamburg, 23. Oktober 2016

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