Kann mein Bauch mich depressiv machen?

Traurige Frau auf der Couch
Depressive Verstimmungen und Magen-Darm-Beschwerden können einander bedingen. © Alamy

Welchen Einfluss hat unsere Verdauung wirklich auf unser Seelenleben? Wissenschaftler entschlüsseln die letzten Geheimnisse der Darm-Hirn-Achse.

„Noch lang an etwas zu knabbern haben“ oder schlechte Nachrichten, die einem „auf den Magen schlagen“ – Redensarten wie diese deuten schon an, dass unsere Psyche und unser Magen-Darm-Trakt auf besondere Weise verbunden sind. Tatsächlich weisen Studien daraufhin, dass depressive Verstimmungen und Schicksalsschläge zu akuten Magen-Darm-Entzündungen führen können oder sogar chronische Beschwerden wie Reizdarm- und magen bedingen können.

 

Wie funktioniert die Darm Hirn-Achse?

Doch gibt es diese Verbindung auch in die andere Richtung? Können Depressionen durch Magen-Darm-Beschwerden verschlimmert oder gar ausgelöst werden? Drei wichtige Studien legen nahe, dass dies möglich ist. Tatsächlich scheinen Magen und Hirn sogar über besondere Verbindungen zu verfügen. So deuten die Ergebnisse einer britisch-australischen Studie darauf hin, dass Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) oder Verdauungsstörungen eine ausgeprägte Hirn-Darm-Achse haben, bei der psychologische Symptome zuerst beginnen, und separat eine deutliche Darm-Hirn-Achse, bei der die Darmsymptome zuerst da sind.

Die Studie der Universitäten Newcastle und Macquarie untersuchte verschiedene Patienten, die entweder nur unter einem Reizdarmsyndrom oder an einem Reizdarm in Verbindung mit Depressionen litten. Es stellte sich heraus, dass einerseits stärkere Ausprägungen von Angst und Depression Vorboten eines sich entwickelnden Reizdarms oder Reizmagens (funktionelle Dyspepsie) sein konnten.

Andererseits zeigten die Auswertungen aber auch, dass Probanden, die zu Beginn der Untersuchung weder unter Angstzuständen noch Depressionen litten, die aber einen diagnostizierten Reizmagen oder Reizdarm hatten, nach einem Jahr über deutlich höhere Ausprägungen von Angst und Depression klagten.

 

Bei Mehrheit der Probanden entwickelte sich psychische Störung NACH dem RDS

Insgesamt ging bei etwa einem Drittel der Studienteilnehmer eine Stimmungsstörung einer sogenannten gastrointestinalen Störung voran. Bei zwei Dritteln ging die Erkrankung der Stimmungsstörung voran. Studienautor Prof. Nicholas Talley von der University of Newcastle betonte, dass die Studienergebnisse einen Durchbruch bei der Erforschung des Reizdarmsyndroms darstellten. Durch die Studie könne gezeigt werden, dass einige Patienten mit Reizdarm eine primäre Darmkrankheit haben, die nicht nur die Symptome ihrer Verdauungsstörung erkläre, sondern auch ihre psychische Erkrankung.

 

In Zukunft bessere Therapiemöglichkeiten?

Diese Erkenntnis könnte für Ärzte in Zukunft nicht nur die Diagnose vereinfachen. Auch in der Behandlung psychischer Erkrankungen können die neuesten Erkenntnisse zu einem Durchbruch führen. Schließlich sind Magen-Darm-Erkrankungen meist einfacher zu therapieren, als psychische Beschwerden.

Hamburg, 26. Juli 2016

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