Kann man sich selbst treu bleiben?

Stephanie Pingel
Persönlichkeitsänderung
Kann man ein Leben lang dieselbe Person sein? Laut einer Langzeitstudie ist das nicht der Fall © iStock

Eine Langzeitstudie zeigt, dass sich die Persönlichkeit im Laufe des Lebens unweigerlich extrem verändern wird. Lesen Sie hier alles zu den Ergebnissen und erfahren Sie in einem Test, zu welchem Persönlichkeitstyp Sie aktuell gehören!

Es ist die längste Persönlichkeitsstudie, die je durchgeführt wurde: Für ihre Untersuchung machten Wissenschaftler eine Gruppe von Testpersonen ausfindig, die im Jahr 1947 in Schottland Teil einer Persönlichkeitsstudie waren – und baten sie im Jahr 2012, also 63 Jahre später, den Test zu wiederholen. Das Fazit: Die Persönlichkeitsmerkmale der ersten Untersuchung wichen erheblich von der zweiten ab. Die Studienergebnisse stellten die Forscher der University of Edinburgh nun im Journal „Psychology and Aging“ vor.

 

Die Persönlichkeit ändert sich massiv

Bei der ersten Studie 1947 waren Lehrer gebeten worden, 1.208 ihrer Schüler nach Persönlichkeitsmerkmalen zu bewerten. Die Schüler waren zu diesem Zeitpunkt alle 14 Jahre alt. Für die Datenerhebung wurden sechs Schlüsselmerkmale festgelegt: Selbstbewusstsein, Gemütsschwankungen, Pflichtgefühl, Beharrlichkeit, Eigenständigkeit und der Wille, sich hervorzutun. Die Forscher der University of Edinburgh konnten im Jahr 2012 insgesamt 635 der damaligen Schüler ausfindig machen. 174 von den inzwischen 77-Jährigen erklärten sich bereit, einen ähnlichen Persönlichkeitstest auszufüllen und brachten je eine Person mit, die sie besonders gut kannte und die ebenfalls einen Testbogen für sie ausfüllen sollte. Die Teilnehmer schätzten sich also selbst zu den sechs Persönlichkeitsmerkmalen ein und ließen sich auch von einer nahestehenden Person beurteilen.

Die Forscher stellten fest, dass die spätere Selbsteinschätzung und die der nahestehenden Person meist zum großen Teil übereinstimmten. Anders sah es mit der Bewertung aus dem Jahr 1947 und der späteren Selbsteinschätzung aus: Die Wissenschaftler entdeckten lediglich geringe Übereinstimmungen zwischen den Merkmalen Pflichtgefühl und Gemütsschwankungen, ansonsten wichen die Tests deutlich voneinander ab. Diese Ergebnisse waren überraschend – eigentlich waren die Forscher davon ausgegangen, dass es nur wenige Veränderungen der Persönlichkeitsmerkmale geben würde.

 

Launische Teenager

Die Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass besonders der jeweilige Lebensabschnitt Einfluss auf die Persönlichkeit hat.  So seien Teenager meist weniger pflichtbewusst, dafür aber impulsiver, launischer und reizbarer. Als junge Erwachsene sind sie dann wieder eher bereit, sich in die Gesellschaft einzufügen – und die als negativ geltenden Aspekte wie Launenhaftigkeit entwickeln sich langsam zurück. Je älter man wird, desto mehr sei man außerdem in der Lage, sich selbst zu akzeptieren und gelassener zu werden. „Laut den Studienergebnissen verändern wir uns langsam, aber stetig. Die Persönlichkeit wirkt dabei eher über relativ kurze Intervalle stabil – wenn wir erwachsen sind, werden diese aber länger. Wird ein Intervall wie in der Studie auf 63 Jahre ausgedehnt, entdeckt man kaum noch Gemeinsamkeiten zur Person, die jemand in der Jugend war“ erklärt Studienautorin Dr. Wendy Johnson.

 

Individuelle Unterschiede

Allerdings weisen die Wissenschaftler auch darauf hin, dass es große individuelle Unterschiede in der Persönlichkeitsentwicklung geben kann. Dabei spiele es vor allem eine Rolle, wie sich das Leben eines Menschen generell gestaltet. Zudem ist die Anzahl der Studienteilnehmer im Jahr 2012 im Vergleich zu der von 1947 deutlich geringer und man müsse auch beachten, dass sich die Testpersonen 1947 nicht selbst einschätzen durften. Dennoch seien die Ergebnisse interessant – sie zeigen laut den Wissenschaftlern, dass Persönlichkeitsstudien, die nur kurze Lebensabschnitte umfassen, das große Ganze meist nicht genügend im Blick haben. Um die menschliche Psyche besser zu verstehen, sollten sich künftige Studien demnach darauf fokussieren, wie und warum sich die Persönlichkeit überhaupt ändert.

 

Welcher Persönlichkeitstyp bin ich?

Der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung definierte um 1900 sogenannte psychologische Typen um die Persönlichkeitsmerkmale extravertiert und introvertiert. Darauf aufbauend haben Katherine Cook Briggs und ihre Tochter Isabel Myers den sogenannten Myers-Briggs-Typenindikator entwickelt. Dieser kommt auch heute noch häufig in Bereichen wie Coaching oder dem Personalwesen zum Einsatz und soll dabei helfen einzuschätzen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen. Und wenn Sie nun wissen möchten, welchem Persönlichkeitstyp Sie angehören: Die Psychotherapeutin Stefanie Stahl bietet auf ihrer Homepage einen kostenlosen Persönlichkeitstest, der auf dem Myers-Briggs-Typenindikator basiert. Damit die Analyse genaue Ergebnisse liefert, sollten die Fragen selbstkritisch beantwortet werden.

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