Kann man Kurzsichtigkeit wegtrainieren?

Altersbedingte Kurzsichtigkeit lässt sich wegtrainieren
US-amerikanischen Forschern zufolge, lässt sich altersbedingte Kurzsichtigkeit wegtrainieren © Shutterstock

Ein erfreuliches Studienergebnis wurde kürzlich in der US-amerikanischen Zeitschrift „Psychological Science“ veröffentlicht: Demnach soll bereits eine Woche visuelles Training die Sehkraft bei Älteren verbessern. Praxisvita hat für Sie nachgeforscht.

 

Sehstörungen durch Veränderungen der Gehirnfunktion

Bislang gingen Experten davon aus, dass Sehstörungen und eine Minderung der Sehkraft auf Schädigungen am Auge beruhen. Einige Studien lassen jedoch vermuten, dass Sehstörungen nicht ausschließlich im Auge, sondern auch im Gehirn stattfinden. Vor diesem Hintergrund hat das Team rund um den psychologischen Wissenschaftler G. John Anderson von der University of California untersucht, ob ein spezielles Augentraining den durch Veränderungen im Gehirn verursachten Sehstörungen entgegenwirken kann.  

 

Spezielles Augentraining für Kurzsichtige

Für ihre Studie wählten die Forscher 16 junge Erwachsene (im Durchschnitt 22 Jahre alt) sowie 16 ältere (im Durchschnitt 71 Jahre alt) mit Sehschwäche, aber ohne Erkrankung der Augen, aus. Die Probanden nahmen sieben Tage lang jeweils für 1,5 Stunden an einer Sitzung teil, in der sie bestimmen mussten, ob eine gemusterte Drehschreibe entweder im oder entgegen des Uhrzeigersinns rotiert. Je nach Sehleistung variierten die Forscher die Übung mit dem Stimulus (Reiz). Sie wurde den Fähigkeiten der Teilnehmer täglich so angepasst, dass sie an ihre obere Leistungsgrenze stießen. Die Probanden kamen damit auf bis zu 750 Versuche täglich (3750 Prüfungen am Ende der Studie).

 

„Der Grad der Verbesserung ist beeindruckend“

Waren die jungen Probanden den älteren im Augentraining anfänglich noch überlegen, erreichten die Älteren am Ende der Studie ebenso gute Ergebnisse. „Wir konnten herausfinden, dass die Verbesserung der Sehkraft nicht mit einer Erweiterung der Pupillen zu tun hatte“, erklärte Anderson. Vielmehr spielen Veränderungen der Hirnfunktion eine zentrale Rolle. Der Effekt zeigte sich in einem weiteren Versuch noch deutlicher: Am Ende des Augentrainings konnten die Erwachsenen während eines Sehtests beim Augenarzt die Zahlenreihen deutlich besser erkennen, als zuvor. Das hat die Forscher überzeugt: „Angesichts der kurzen Trainingseinheit, ist der Grad der Verbesserung beeindruckend.“

 

Trainingsprogramm bei Augenkrankheiten unwirksam

Das Augenprogramm eignet sich nicht für die Behandlung einer altersbedingten Makuladegeneration oder eines Glaukoms als Folge hoher Kurzsichtigkeit. Den vielen Millionen Menschen, deren Sehkraft im Alter nachlässt, kann damit jedoch geholfen werden.

Hamburg, 10. März 2015

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