Kann man Krebs mit HIV heilen?

HIV gegen Krebs
Forschern ist es gelungen mithilfe von HI-Viren körpereigene T-Zellen so zu manipulieren, dass sie Krebs zerstören © NIAID, CC BY

Trotz aller medizinischen Fortschritte ist das HI-Virus immer noch einer der tödlichsten Erreger überhaupt. Doch genau diesen wollen Forscher jetzt dazu nutzen, um eine noch gefährlichere Erkrankung endlich zu besiegen: Krebs. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Wenn Viren – wie HIV – eine menschliche Wirtszelle befallen, verändern sie deren DNA, in dem sie ihre eigenen Erbinformationen einsetzen. Die so infizierten Wirtszellen unterscheiden sich dann genetisch von gesunden Zellen und sind entsprechend identifizierbar – für die Forscher und vor allem für das menschliche Immunsystem. Tatsächlich handelt es sich bei dieser parasitären Ausbreitungstaktik der Viren um eine einmalige Fähigkeit, die sich in der Natur kein zweites Mal finden lässt.

Und genau diese einmalige Fähigkeit von Viren – in eine Zell-DNA einzudringen und sie zu verändern ohne sie dabei zu zerstören – machen sich die Forscher zunutze. Vorgestellt wurde das Verfahren in einer aktuellen Studie.

 

Das „HIV-Hijacking“

Die Wissenschaftler der Uni entfernten im Labor DNA aus Krebszellen, kopierten diese und setzten sie schließlich in das Erbgut des HI-Virus ein. Mit diesen manipulierten Viruspartikeln infizierten sie im Labor gezüchtete „unsterbliche Wirtszellen“ – sogenannte „Zell-Linien“, die sich unendlich oft reproduzieren können. Die genetisch veränderten Viren beeinflussten – wie für einen Virus üblich – gezielt deren Erbinformation.

Die Folge: Wirtszellen, die von den HI-Viren infiziert worden waren und so die modifizierte Krebs-HIV-DNA in ihr eigenes Erbgut übertragen bekommen hatten, waren fortan identifizierbar.

 

Behandlungen effektiver machen

Dass die genaue Spezifikation der DNA-Strukturen von Krebszellen nicht nur medizinische Theorie ist, die außerhalb von sterilen Laboren wenig Bedeutung besitzt, sondern eine echte Chance zur Rettung von Krebspatienten, zeigen verschiedene Beispiele.

Zum einen konnte in der Vergangenheit mithilfe des Verfahrens das Reaktionsverhalten bestimmter Krebssorten im Labor genau vorhergesagt werden, was wiederum genau auf den jeweiligen Krebstypen ausgerichtete Behandlungen mit Chemotherapie oder Medikamenten ermöglichte.

Darüber hinaus konnten die Wissenschaftler mit diesem Verfahren Viruspartikel, die mit spezifischer Krebs-DNA erweitert waren, in T-Zellen – die Killerzellen des Immunsystems – einschleusen. Nachdem diese T-Zellen Krebspatienten wieder injiziert wurden, waren sie in der Lage – im Zuge einer normalen Immunreaktion – den Krebs, auf den sie zuvor „programmiert“ worden waren, zielsicher zu identifizieren und zu zerstören.

Hamburg, 5. November 2014

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