Kann man im Schlaf mit dem Rauchen aufhören?

Im Schlaf mit dem Rauchen aufhören
Ärzte überwachten den Schlaf der Probanden, die dem Geruch von faulen Eiern ausgesetzt waren, in einem Schlaflabor © iStock

Eines Morgens aufzuwachen und plötzlich keine Lust mehr auf eine Zigarette zu haben – für Menschen, die mit dem Rauchen aufhören wollen, eine verlockende Vorstellung. Und tatsächlich könnte eine solche Sucht-Therapie im Schlaf schon bald Realität werden.

Forscher des Weizmann-Instituts für Wissenschaften in Israel fanden ein Verfahren, mit dem man Menschen ganz einfach das Rauchen abgewöhnen kann – sogar ohne Entzugserscheinungen. Der Trick: Dem Gehirn unbewusst beibringen, dass es Zigaretten nicht mehr riechen kann.

 

Das Verhalten im Schlaf verändern

Zur Vorbereitung der Untersuchung wurden die Probanden – allesamt Raucher – genau über ihre Rauchgewohnheiten befragt. Danach verbrachten sie jeweils eine Nacht in einem speziellen Schlaflabor, wo scheinbar der Rhythmus ihrer Schlafphasen analysiert werden sollte.

Gleichzeitig wurden die Studienteilnehmer aber in einer bestimmten Schlafphase – der sogenannten Nicht-REM-Phase, ein leichter Schlaf, bei dem das Gehirn besonders empfänglich ist für äußere Reize ist – zwei kombinierten Duftreizen ausgesetzt.

 

Geruchswahrnehmung: Die Mischung macht’s

Bei diesen Gerüchen handelte es sich um einen unangenehmen Duft – entweder von faulen Eiern oder ranzigen Fischen – und einem sogenannten „Ziel-Geruch“ – in diesem Fall dem von Zigarettenrauch. Beide Geruchseindrücke nahmen die Probanden unbewusst wahr und konnten sich am nächsten Morgen entsprechend auch nicht daran erinnern.

Geruch einzige Möglichkei

Für den Part des „unangenehmen Wahrnehmungsreizes“ eignen sich ausschließlich Gerüche. Der Grund ist einfach: Reize, wie z.B. unangenehme Berührungen oder Geräusche, würden uns sofort wecken.

Während der Nacht wurden die schlafenden Raucher abwechselnd jeweils dem unangenehmen und dem Ziel-Geruch ausgesetzt, sodass für das Gehirn – wenn auch unbewusst – ein wiederholter Wahrnehmungsreiz entstand.

 

Die (Vor-)täuschung von Bedürfnissen

Am nächsten Morgen wachten die Probanden auf und fühlten sich ganz normal. Tatsächlich hatte sich aber etwas Entscheidendes geändert und zwar ohne, dass es die Betroffenen bemerkt hatten. Durch die unbewusste Wahrnehmung in der Nacht, hatte das Gehirn beide Reize miteinander verknüpft.

Zigarettenrauch, der bei den Probanden zuvor noch das Verlangen nach einer Zigarette ausgelöst hatte, wurde nun unterbewusst mit dem ekligen Geruch von faulen Eiern verbunden. Die Folge: Zigaretten (oder besser gesagt ihr Geruch) waren nicht mehr reizvoll für die Probanden, was wiederum dazu führte, dass sie weniger rauchten. Eine Woche später wurde das Rauchverhalten der Studienteilnehmer erneut überprüft. Im Schnitt hatten die Studienteilnehmer nach nur einer Nacht in dem Schlaflabor ihren Zigarettenkonsum um 30 Prozent verringert– ohne zu wissen warum. Ein sensationeller Erfolg ohne Nebenwirkungen oder Entzugserscheinungen.

 

Neue Sucht-Therapie?

Die Forscher bezeichnen ihr Verfahren als „assoziative Konditionierung“ – also eine Verhaltensveränderung aufgrund der unbewussten Verknüpfung zweier Wahrnehmungsreize – und sehen darin eine große Chance zur Entwicklung von neuen Sucht-Therapien oder Entwöhnungs-Kuren anderer Art.

Hamburg, 14. November 2014

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