Kann man eine Narkose unterbrechen?

US-amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass sich der Aufwachprozess aus einem narkotischen Zustand durch die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin nicht nur besser kontrollieren, sondern auch beschleunigen lässt
US-amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass sich der Aufwachprozess aus einem narkotischen Zustand durch die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin nicht nur besser kontrollieren, sondern auch beschleunigen lässt © Fotolia

Durch die Stimulation einer bestimmten Gehirnregion sind Mediziner nun in der Lage, den Aufwachprozess während einer Narkose spontan einzuleiten. Das zeigen US-amerikanische Forscher in einer aktuellen Studie. Dazu provozieren sie im Gehirn entweder mithilfe eines speziellen Medikaments oder durch einen sanften Stromstoß die Ausschüttung des Botenstoffs Dopamin – auch bekannt als das sogenannte Glückshormon.

Die Studie der Harvard Medical School in Boston zeigt, dass der chemisch-kognitive Prozess des Erwachsens durch den Neurotransmitter Dopamin ausgelöst wird. Durch Ausschüttung des auch als Glückshormon bekannten Botenstoffs lässt sich demnach der Aufwachprozess aus einem narkotischen Zustand nicht nur besser kontrollieren, sondern erstmals auch beschleunigen.

Vor diesem Hintergrund suchte das Team um Studienleiter Professor Ken Solt jene Gehirnregion, die für den Ausstoß des Aufweck-Dopamins verantwortlich ist – und fand das sogenannte ventrale Tegmentum. Dieser Bereich im Hirn steuert über die Ausschüttung von Dopamin nicht nur neurale Funktionsziele, wie das der Motivation oder Zufriedenheit, sondern auch den Prozess des Aufwachens und die Wiederherstellung des Bewusstseins aus einem narkotischen Zustand.

 

Der Abbruch einer Narkose

Die Entdeckung soll es Medizinern in Zukunft erstmals ermöglichen, Patienten punktgenau aus einer Narkose aufwecken zu können. Da die chemischen Prozesse einer Narkose stets eine große Belastung für das Gehirn darstellen und außerdem auch andere gesundheitliche Risiken – z.B. für Herz und Kreislauf sowie für die Muskeln und Nerven – bedeuten, „sollte ein Patient grundsätzlich nie länger in der Narkose verbleiben, als unbedingt nötig“, erklärt Professor Kent.

Zudem besteht das Problem, dass je länger eine Narkose wirkt, desto größer die Wahrscheinlichkeit für ein sogenanntes Delirium ist –  eine Postoperative kognitive Dysfunktion. Dabei wird durch die Narkose das Gedächtnis des Patienten über Wochen beeinträchtigt und die Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt. Betroffene benötigen z.B. rund viermal länger, um einen Text zu lesen, als sonst. 

 

Wach während einer OP?

Ein weiterer Vorteil der Studie betrifft das unbeabsichtigte Aufwachen von narkotisierten Patienten während einer Operation (Awareness-Erlebnis). Die gewonnenen Erkenntnisse über die Funktionen des Aufweck-Dopamins sollen in Zukunft eine bessere Überwachung des Bewusstseinszustands von anästhesierten Patienten ermöglichen. Eine charakteristische Ausschüttung von Dopamin im ventralen Tegmentum dient dabei als Hinweis für einen beginnenden Aufwachprozess. So können Ärzte aktiv werden, bevor der Patient tatsächlich aus der Narkose erwacht.

 

Zwei Wege der Dopamin-Stimulation

Die Forscher testeten für die Studie zwei Verfahren zur Stimulation des Aufweck-Dopamins. Zum einen wurden die für den Aufweckprozess verantwortlichen Nervenbahnen durch den Wirkstoff Methylphenidat ­­– auch bekannt als Ritalin – medikamentös angeregt. Zum anderen stimulierten sie mithilfe eines leichten, schmerzfreien Stromstoßes direkt die Dopamin produzierende Gehirnregion. Beide Verfahrensweisen führten dazu, dass die Narkose aufgehoben wurde und das Bewusstsein wieder eintrat.

Hamburg, 24. Juli 2014

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