Kann man eine bipolare Störung im Blut nachweisen?

Ein Mediziner hält eine Blutprobe in der Hand
US-Forscher sind einem Bluttest auf bipolare Störung einen entscheidenden Schritt nähergekommen © Fotolia

Menschen mit einer bipolaren Störung warten meist jahrelang auf eine Diagnose. Ziel der Wissenschaft ist es, diese Wartezeit zu verkürzen – denn eine medikamentöse Behandlung kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern. US-Forscher sind diesem Ziel mit einem neu entwickelten Bluttest einen entscheidenden Schritt nähergekommen.

Bei Menschen mit einer bipolaren Störung wechseln sich Phasen schwerer depressiver Verstimmungen (depressive Episoden) mit Phasen intensiver Euphorie (manische Episoden) ab. Die Betroffenen fühlen sich diesen Stimmungsschwankungen meist hilflos ausgeliefert. Teilweise beeinträchtigen sie die Patienten so stark, dass ein normaler Alltag nicht mehr möglich ist.

Die bipolare Störung ist zwar nicht heilbar, die Symptome können aber durch Medikamente deutlich gelindert werden. Das Problem: Bisher ist es nicht möglich, die Störung anhand von Laboruntersuchungen zu diagnostizieren – die Diagnose kann allein durch Gespräche und Verhaltensbeobachtung gestellt werden. Meist dauert es so sehr lange, bis die Diagnose feststeht, im Schnitt fünf bis zehn Jahre.

Mediziner suchen darum seit Längerem nach einem Weg, die bipolare Störung anhand körperlicher Marker nachzuweisen. Wissenschaftler der Mayo Clinic im US-amerikanischen Rochester untersuchten in ihrer aktuellen Studie die Blutproben von Menschen mit und ohne bipolare Störung auf das Vorkommen verschiedener Proteine, um mögliche Unterschiede ausfindig zu machen.

 

Verschiedene Formen der bipolaren Störung

Eine bipolare Störung äußert sich nicht bei jedem Patienten gleich – Ärzte unterscheiden zwischen verschiedene Formen: Bei Bipolar-I-Erkrankungen wechseln stark ausgeprägte Manien mit schweren Depressionen ab. Bei Bipolar-II-Erkrankungen sind die manischen Phasen kürzer und weniger stark ausgeprägt (Hypomanien). Außerdem gibt es das sogenannte Rapid Cycling, bei dem es zu einem besonders schnellen Wechsel zwischen den Phasen kommt, und gemischte Episoden, bei denen Symptome von Manie und Depression entweder gleichzeitig oder im extrem schnellen Wechsel auftreten.

Für ihre Studie teilten die Mayo-Forscher 288 Probanden in vier Gruppen ein: Bei 46 war eine Bipolar-I-Erkrankung diagnostiziert worden, bei 49 eine Bipolar-II-Erkrankung, bei 52 eine Depression ohne manische Episoden und 141 Probanden hatten keine depressiven Störungen.

 

Unterschiede bei sechs verschiedenen Proteinen festgestellt

Die Wissenschaftler untersuchten Blutproben aller Probanden auf 272 verschiedene Proteine. Das Ergebnis: Sechs Proteine unterschieden sich in ihrem Vorkommen in den einzelnen Gruppen. Am deutlichsten fiel dieser Unterschied zwischen der Bipolar-I-Gruppe und der Kontrollgruppe aus.

Da es sich um eine kleine Studie handelt, müssen weitere Tests die Ergebnisse bestätigen. Doch die Studienleiter glauben, einem Bluttest auf bipolare Störung einen entscheidenden Schritt nähergekommen zu ein – besonders ein Test auf die Hauptform der Störung, Bipolar-I-Erkrankungen, ist aus ihrer Sicht in greifbare Nähre gerückt.

Studienautor Dr. Mark Frye: „Das Potenzial, einen biologischen Test zu haben, der bei der Diagnose einer bipolaren Störung hilft, würde für die medizinische Praxis einen riesigen Unterschied machen. Es würde Medizinern helfen, die beste Behandlung für schwer zu diagnostizierende Patienten auszuwählen.“

Hamburg, 10. Dezember 2015

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