Kann Magnetismus Depressionen dauerhaft heilen?

Magnet-Therapie gegen Depression
Die magnetischen Impulse des sogenannten TMS-Verfahrens verändern die Chemie im Gehirn und können Depressionen so dauerhaft heilen © Fotolia

Nach einer aktuellen Schätzung des Bundesministeriums für Gesundheit leiden weltweit 350 Millionen Menschen an einer Depression – 60 Prozent davon aktuell ohne in ärztlicher Behandlung zu sein. Der Grund: Viele der Betroffenen befürchten Nebenwirkungen beim Einsatz von Antidepressiva oder sprechen auf diese medikamentöse Behandlungsmethoden nicht an. Eine neue Magnet-Therapie verspricht nun Heilung – und zwar ganz ohne Nebenwirkungen.

 

Behandlung von Depressionen ohne Psychopharmaka

Forscher der Cambridge University in Massachusetts (USA) zeigen in einer kürzlich veröffentlichten Studie, dass sich Depressionen erfolgreich ohne den Einsatz von Psychopharmaka behandeln lassen. Für die Untersuchung unterzogen sich 257 Probanden mit klinisch diagnostizierten Depressionen der sogenannten „Transcranial Magnetic Stimulation“ (TMS). Keiner der Patienten hatte im Vorfeld auf herkömmliche, medikamentöse Behandlungsmethoden angesprochen.

Die Studie belegte, dass nach einer zwölfmonatigen Behandlungszeit bei 68 Prozent der Studienteilnehmer die Symptome der Depressionen deutlich zurückgegangen waren. Rund 45 Prozent zeigten keine Anzeichen mehr für eine Depression und gelten als geheilt.

 

Ein Magnetfeld verändert Hirnchemie

Bei Patienten mit Depressionen sind chemische Prozesse im Gehirn gestört. Das neue TMS-Verfahren stimuliert mithilfe von magnetischen Impulsen die Nervenzellen im Gehirn, wodurch sich die chemische Aktivität der Neuronen wieder normalisieren kann.

Für die TMS-Behandlung wird auf der linken Kopfseite des Patienten eine Elektromagnet-Elektrode platziert. Darüber werden magnetische Impulse auf das Gehirn übertragen, die in etwa so stark wie die eines Magnetresonanztomographen (MRT) sind.

Eine einzelne Sitzung dauert rund 40 Minuten und kann problemlos täglich erfolgen. Die begleitende Verabreichung von Medikamenten – wie zum Beispiel Beruhigungsmittel – ist für die Behandlung nicht nötig. Zudem sind – abgesehen von leichten Kopfschmerzen in vereinzelten Fällen – keine Nebenwirkungen bekannt. 

 

Was zahlt die Krankenkasse?

Das TMS-Verfahren hat bereits 2008 alle klinischen Tests erfolgreich bestanden und ist eine in ganz Europa zugelassene Behandlungsmethode für Erwachsene. Die Kosten einer kompletten Behandlung ­– sie dauert in der Regel 12 Monate – liegen bei mehreren tausend Euro. Für eine einzelne Sitzung werden je nach Einrichtung zwischen 35 und 50 Euro berechnet.

Zurzeit wird die Magnet-Stimulations-Therapie in Deutschland in zahlreichen Kliniken und Praxen angeboten. Allerdings gehört das Verfahren – trotz beeindruckender Behandlungsergebnisse – zu den sogenannten „Individuellen Gesundheitsleistungen“ (IGeL) und wird deswegen von gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

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