Kann Lärm depressiv machen?

Frau hält sich die Ohren zu
Lärm ist nicht nur anstrengend, sondern kann langfristig auch unserer Psyche schaden. © Alamy

Lärm geht aufs Gemüt. Eine Studie hat jetzt untersucht, ob chronischer Lärm sogar zu Depressionen führen kann.

Dass sich chronische Lärmbelastung negativ auf unsere Gesundheit auswirkt, ist bekannt. So haben Studien bereits gezeigt, dass Lärm zu Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck und Migräne führen kann. Eine Studie hat jetzt untersucht, was chronischer Lärm mit unserer Psyche macht.

Prof. Manfred Beutel von der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uniklinik Mainz befragte mit seinem Team 15.000 Teilnehmer zu Lärmbelastung und mentaler Verfassung. Insgesamt waren 27,8 Prozent der Teilnehmer, also mehr als jeder vierte in der Region, stark oder extrem durch Lärm belastet. Die Befragungen ergaben, dass die Teilnehmer besonders stark unter Fluglärm, lautem Straßenverkehr und lärmenden Nachbarn litten. Bei der weiteren Auswertung fanden die Wissenschaftler heraus, dass bei sehr starker Lärmbelastung Krankheiten wie Depressionen und Angststörungen fast doppelt so häufig auftraten.

 

Ist Lärmempfinden Ursache oder Wirkung von Depressionen?

Die Autoren wiesen allerdings darauf hin, dass nicht genau bestimmt werden könne, ob die Lärmbelästigung Ursache oder Wirkung der psychischen Erkrankung ist. „Denkbar ist,“ erläutert Prof. Dr. Manfred Beutel, „dass Lärmbelästigung Stress hervorruft, der zu Depression und Angst führt. Es ist aber auch möglich, dass Depression und Angst zu erhöhter Lärmempfindlichkeit führen. Beziehungsweise dass eine starke Lärmbelästigung eine psychische Erkrankung verschlimmert".

Die Befunde würden jedoch unterstreichen, dass Lärmbelästigung ein verbreitetes und ernstzunehmendes Gesundheitsproblem sei, das in der wissenschaftlichen wie auch in der öffentlichen Diskussion noch zu wenig beachtet werde. Psychische Erkrankungen zählten schließlich inzwischen nicht nur zu den häufigsten Volkskrankheiten, sie seien auch ein Hauptfaktor bei den Krankheitstagen und Frühberentungen.

Betroffene einer akuten Depression oder Angststörung können als begleitende Therapiemaßnahme versuchen, sich an ruhige, entspannende Orte zu begeben. Hilfsmittel wie lärmunterdrückende Kopfhörer oder Ohrstöpsel können kurzfristig hilfreich sein. Langfristig kann es sich bei starker Lärmbelästigung lohnen, in lärmisolierende Fenster zu investieren – oder sogar den Wohnort zu wechseln.

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Hamburg, 02. Juni 2016

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