Kann Karottensaft Darmkrebs heilen?

Stephanie Pingel
Hilft Karottensaft gegen Darmkrebs?
Die Amerikanerin Ann Cameron verzichtete auf eine Chemotherapie zur Behandlung von ihrem Darmkrebs. Stattdessen begann sie, täglich Karottensaft zu trinken © Fotolia

Als bei der US-Amerikanerin Ann Cameron im Juni 2012 Darmkrebs entdeckt wurde, entschied sie sich gegen eine Chemotherapie. Stattdessen behandelte sie sich selbst, indem sie täglich 2,5 Liter Karottensaft trank.

Die US-Amerikanerin Ann Cameron wurde zum ersten Mal mit dem Thema Krebs im Jahr 2005 konfrontiert: Ihr Mann erkrankte in diesem Jahr an Lungenkrebs und starb an der Krankheit. Als sie selbst 2012 Darmkrebs diagnostiziert bekam, unterzog sie sich zwar einer Operation, verzichtete aber auf eine anschließende Chemotherapie. Der Grund: Bei ihrem Mann hatte diese damals nicht angeschlagen. Doch schon nach kurzer Zeit streute der Krebs in ihre Lungen. Die Ärzte sagten Cameron, dass sie ohne Chemotherapie vermutlich nur noch zwei, maximal drei Jahre zu leben hätte. Trotzdem entschied sie sich weiterhin gegen die Therapie – und machte sich auf die Suche nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten.

 

Viele Alternativen taugten nichts

„Ich las im Internet alles, was ich über alternative Behandlungen zur Chemotherapie finden konnte. Und ich besaß bereits eine Liste von rund 20 Substanzen und Lebensmitteln, die angeblich helfen sollten. Diese hatte mein Mann in den letzten sechs Monaten seines Lebens ausprobiert, aber nichts hat gegen seinen Lungenkrebs geholfen“, so Cameron. Während ihrer Recherche stieß sie schließlich auf den Bericht eines gewissen Ralph Cole, der behauptete, er habe Krebszellen in seinem Nacken besiegt, indem er täglich 2,5 Liter frisch gepressten Karottensaft zu sich nahm. Cameron, die ihrer Meinung nach nichts mehr zu verlieren hatte, entschied sich dafür, die Behandlung auszuprobieren. Am 17. November 2012 begann sie ebenfalls damit, täglich 2,5 Liter Karottensaft zu trinken.

 

Ein erster Rückschlag

Nur knapp zwei Wochen später bekam sie bei einer Untersuchung die Nachricht, dass sich die Tumoren in ihren Lungen vergrößert hatten. Doch Cameron ließ sich nicht beirren: Sie schlug die Chemotherapie erneut aus und trank weiter den Karottensaft. Dafür bereitete sie die 2,5 Liter morgens zu und trank den Saft über den Tag verteilt.

Rund zwei Monate später, am 7. Januar 2013, unterzog Cameron sich der nächsten Untersuchung. Anhand eines CT-Scans bekam sie das erste positive Ergebnis: Die Tumoren in den Lungen hatten aufgehört zu wachsen und andere Krebszellen waren sogar geschrumpft. Zusätzlich waren auch ihre zwischenzeitlich stark vergrößerten Lymphknoten wieder etwas abgeschwollen.

 

Wie Karottensaft den Krebs besiegte

Ein erneuter CT-Scan Ende März bestätigte, dass die Tumoren weiter schrumpften und sich keine neuen Krebszellen gebildet hatten. Im August 2013 schließlich bekam Cameron die befreiende Diagnose: Es befanden sich keinerlei Krebszellen mehr in ihrem Körper. Die Amerikanerin betont, dass sie außer dem Karottensaft keinerlei sonstigen Änderungen an ihrer Lebens- oder Ernährungsweise vorgenommen habe.

 

Die Karotte als Wundermittel?

Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass der in Karotten enthaltene Stoff Falcarinol gegen Krebszellen helfen kann. Forscher der „University of Newcastle-upon-Tyne“ konnten belegen, dass Falcarinol Krebszellen in Tumoren angreifen und zerstören kann. Das bedeutet jedoch nicht, dass man Karottensaft in jedem Fall als Alternative zu einer Chemotherapie einsetzen kann. Denn es ist bisher unklar, ob wirklich die Karotten allein den Krebs besiegt haben, oder ob andere chemische Prozesse im Körper mitverantwortlich waren. Und auch Ann Cameron selbst betont, dass sie ein erhebliches Risiko eingegangen ist: „Meine Ärztin sagte, sie könne keine alternativen Behandlungsmethoden zur Chemotherapie empfehlen. Da es noch keine aussagefähigen Studien in diesem Bereich gibt, könnten unorthodoxe Empfehlungen wie der Verzehr bestimmter Obst- oder Gemüsesorten die Beschwerden des Patienten auch verschlimmern oder sogar seinen Tod beschleunigen.“ Cameron ist das Risiko bewusst eingegangen – ruft jedoch dazu auf, stets in enger Absprache mit dem Arzt die möglichen Behandlungsmethoden zu besprechen.

Hamburg, 4. Juli 2016

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