Kann ich meinem Gehirn die Angst abkaufen?

Malte Hill
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Kann man ein Gehirn umprogrammieren, und wenn ja, wie? Wissenschaftlern ist es gelungen, bei menschlichen Gehirnen vorhandene Ängste zu löschen. Eine Kombination aus Künstlicher Intelligenz und Scan-Technologie kam dabei zum Einsatz – und Geld.

Im Schnitt ist einer von 14 Menschen auf der Welt von einer Angststörung betroffen. Dazu zählen neben weit verbreiteten Phobien wie Platzangst oder Spinnenphobie auch schwere Erkrankungen der Seele wie eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Derzeit werden solche Angststörungen normalerweise mit der sogenannten Aversionstherapie behandelt, die die Erkrankten mit den jeweiligen Auslösern der Ängste konfrontiert. Das Ziel ist, dass die Erkrankten feststellen, dass ihre Ängste unbegründet sind und so ihre Angst verlieren. Diese Art der Angsttherapie gilt aber als höchst unangenehm für die Betroffenen und die Abbruchrate ist dementsprechend hoch. Ein internationales Team von Neurowissenschaftlern hat jetzt einen neuartigen Weg gefunden, Ängste unterbewusst aus dem Gehirn zu entfernen, und damit möglicherweise eine Alternative entdeckt.

 

Angstmuster im Gehirn gefunden

Das Forscherteam entwickelte eine Technik namens "Decoded Neurofeedback", mithilfe der sie in der Lage waren, die Angsterinnerungen im Gehirn zu lesen und zu identifizieren. Dabei kam ein Gehirn-Scanner zum Einsatz, dessen Bilder von einer künstlichen Intelligenz (KI) ausgewertet wurden. So war es möglich, den Inhalt der Angsterinnerungen teilweise zu erkennen. Die Forscher pflanzten nun eine milde Phobie in die Gehirne der Probanden ein, indem sie leichte Elektroschocks verabreichten, wenn ein bestimmtes Bild gezeigt wurde. Die Muster, die diese Angsterinnerung im Gehirn zeigte, konnten sie dann mithilfe der KI auslesen und entziffern. Hierbei zeigte sich, dass das Angstmuster auch unterbewusst aktiv war, wenn die Probanden sich ausruhten. Im nächsten Schritt gingen sie dazu über, den Probanden statt einer Bestrafung immer eine Belohnung zu geben, wenn das Angstmuster im Gehirn aktiv wurde.

 

Geld heilt alle Wunden – oder?

Die Wissenschaftler ließen den Probanden nun immer einen kleinen Geldbetrag zukommen, wenn die KI eine Aktivität des Angstmusters erkannte. Dadurch konnte im Gehirn jener Teil überschrieben werden, der beim Betrachten des Bildes den Schmerz auslösenden Elektroschock vorhersagte – die Angsterinnerung. Sie konnte durch den positiven Reiz überschrieben werden wie eine Datei bei einer Computer-Festplatte. Und: Die Probanden bekamen davon nicht bewusst etwas mit, da nur die Aktivität des Angstmusters ausgelesen wurde und das dazugehörige Bild nicht mehr zum Einsatz kam. Im nachfolgenden letzten Test konnte nun jedoch auch das Bild keine Angstreaktion mehr auslösen.

 

Dauerhafte Lösung?

Bisher ist nicht bekannt, ob die Wirkung der Methode dauerhaft ist. Die Wissenschaftler erhoffen sich aber von der neuen Methode einen Therapieansatz, der ohne Einsatz von Medikamenten oder die Aversionstherapie auskommt. Dies würde vor allem den Therapie-Stress für Angstpatienten reduzieren.

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