Kann ich mein Immunsystem verjüngen?

Verena Elson Medizinredakteurin
Alte Frau
Britischen Forschern sind revolutionäre Fortschritte in der Bekämpfung der Zellalterung gelungen © Fotolia

Britische Forscher haben neue Einblicke in den Alterungsprozess unserer Immunzellen gewonnen. Erfahren Sie hier, welche erstaunlichen Möglichkeiten diese neuen Erkenntnisse eröffnen.

Wenn wir altern, verliert unsere Immunabwehr an Kraft. Ältere Menschen sind häufiger von Infektionen und Krebserkrankungen betroffen als junge. Für unsere alternde Gesellschaft hat das teure Folgen: Expertenschätzungen zufolge wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland in den nächsten 15 Jahren um rund ein Drittel auf 3,3 Millionen steigen.

Britische Wissenschaftler haben jetzt nach einem Weg gesucht, die Schwächung des Immunsystems im Alter zu verhindern. Dazu untersuchten sie die chemischen Prozesse, die bei der Alterung der Immunzellen im Blut ablaufen.

 

T-Zellen: Die Immun-Armee des Körpers

Es gibt eine Gruppe von Blutzellen, die maßgeblich für die Immunabwehr unseres Körpers verantwortlich ist – die sogenannten T-Zellen. Ihre Aufgabe ist es, Infektionen abzuwehren. Jedes Mal, wenn sie diese Aufgabe erfüllen, teilen sie sich. Doch mit jeder Teilung nutzen sie sich mehr ab, was schließlich dazu führt, dass sie sich nicht mehr teilen können. Die Folge ist eine Verschlechterung der Immunreaktion.

Die Forscher konnten nun den „Schuldigen“ bei der Zellalterung ausfindig machen – ein Molekül namens „p38-mitogenaktivierte Proteinkinase (p38 MAPK)“. Dieses Molekül behindert die T-Zellen bei der Teilung. Indem sie p38 MAPK blockierten, gelang den Wissenschaftlern ein großer Schritt in der Bekämpfung der Zellalterung: Sie konnten die Abnutzungserscheinungen in der Zelle rückgängig machen.

 

Neue Erkenntnisse zum Zellstoffwechsel

Während ihrer Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass die Blockade auch positive Auswirkungen auf den Stoffwechsel der T-Zellen hatte. Damit konnten sie erstmals eine Verbindung zwischen Alterung und Stoffwechsel der Zelle beweisen. Sie suchten nach dem genauen Zusammenhang der beiden Faktoren und wurden bei den Mitochondrien, den sogenannten Kraftwerken der Zellen, fündig. Mitochondrien spielen beim Zellstoffwechsel eine wichtige Rolle: sie wandeln Sauerstoff in Energie um und die braucht die Zelle, um sich zu teilen.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Anzahl der Mitochondrien in den T-Zellen sinkt, wenn wir älter werden. Je älter wir sind, desto schlechter ist also der Stoffwechsel in unseren T-Zellen und damit die Leistung unseres Immunsystems.

 

Jung bleiben durch Ernährungsumstellung

Diese Erkenntnis eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die Medizin, denn der Zellstoffwechsel wird maßgeblich von unserer Ernährung beeinflusst. Die Hoffnung der Forscher: Wege zu finden, die Ernährung alter Menschen so umzustellen, dass sie ihren Zellstoffwechsel fördert und gleichzeitig Alterungsprozesse in den Immunzellen entgegenwirkt.

Der Schlüssel zu einem ewig jungen Immunsystem könnte demnach eine kohlenhydratarme Ernährung im Alter sein. Der Grund: Sie fördert die Neubildung von Mitochondrien.

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