Kann Herpes unfruchtbar machen?

Paar beim Arzt
Erst eine Biopsie kann eine Infektion mit dem Herpes-Erreger aufdecken. © Alamy

Eine unentdeckte Herpeserkrankung kann der Grund sein, warum viele Frauen nicht schwanger werden können.

Ungefähr 10 bis 15 Prozent aller deutschen Paare sind von Unfruchtbarkeit betroffen. Unfruchtbarkeit bedeutet, dass es auch nach zwei Jahren mit regelmäßigem ungeschützten Sex nicht zu einer Schwangerschaft kommt. Die genauen Gründe für die Infertilität sind häufig unklar. Einigen Frauen könnten die Ergebnisse einer italienischen Studie Gewissheit verschaffen.

Die Forscher um Roberto Marci und Valentina Gentili von der Ferrara Universität fanden heraus, dass ein herpesähnlicher Erreger der Grund für eine verminderte oder fehlende Fruchtbarkeit sein könnte. Einige Studien weisen außerdem darauf hin, dass der Humane Herpes-Virus 6A (HHV-6A) auch das chronische Erschöpfungssyndrom, Herzmuskelentzündungen und Multiple Sklerose auslösen kann.

In einer Untersuchung mit 30 unfruchtbaren Frauen fanden die italienischen Wissenschaftler heraus, dass der Virenstamm in 43 Prozent der Fälle für die Infertilität verantwortlich war. Bei einer Vergleichsgruppe von 36 Probandinnen, die keine Probleme hatten, schwanger zu werden, wurde bei keiner Frau eine HHV-6A-Infektion festgestellt. Das mit Herpes und den Windpocken verwandte Virus wird über den Speichel übertragen und befällt das Gewebe der Gebärmutter. Die Ansteckung kann vom Arzt durch eine Gewebe-Biopsie festgestellt werden. Da die Infektion meist für lange Zeit ohne äußerliche Symptome verläuft, wissen die meisten Betroffenen nichts von der Infektion.

 

Immunantwort verhindert Schwangerschaft

Offenbar ist es die Immunantwort auf das Virus, die eine Schwangerschaft erschwert. Die Forscher fanden heraus, dass die Gebärmutter durch das Virus zu einer feindlichen Umgebung für befruchtete Eier wird. So werden durch die Infektion natürliche Killerzellen vom Immunsystem in die Gebärmutter geschickt, die die Eindringlinge, in diesem Fall die HHV-6A-Viren bekämpfen. Dabei werden außerdem so genannte Zytokine produziert, welche die Zellen vor viralen Infekten schützen. Unglücklicherweise verhindern die Killer-Immunzellen und die Zytokine auch das sich Einnisten der befruchteten Eizellen. Zwar ist eine Schwangerschaft nach einer HHV-6A-Infektion nicht komplett ausgeschlossen, jedoch werden die befruchteten Eier in den meisten Fällen wieder abgestoßen, bevor die Schwangerschaft überhaupt bemerkt wird.

 

Heilung? Vielleicht

Auch wenn eine Infektion mit HHV-6A durch eine Biopsie geklärt werden konnte, lässt sich das Problem leider nicht ohne weiteres lösen. Eine Impfung oder virenbekämpfende Medikamente existieren bisher nicht. Einigen wenigen Studien zufolge könnten antivirale Therapien das Virus bekämpfen. Zumindest dürfte das Wissen um die Infektion vielen Frauen die Strapazen und finanziellen Belastungen einer künstlichen Befruchtung ersparen.

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Hamburg, 11. Juli 2016

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