Kann frisches Blut Alzheimer-Patienten heilen?

Jungbrunnen im Blut gegen Alzheimer
Forscher fanden in unserem Blut ein Protein, das für den menschlichen Körper so etwas wie ein Jungbrunnen ist © Fotolia

Besonders alte Menschen erkranken an Alzheimer. Forscher suchen seit Jahren fieberhaft nach Behandlungsmöglichkeiten der bis heute unheilbaren Erkrankung des Nervensystems. Doch nun fanden Wissenschaftler einen vielversprechenden Therapieansatz. Erfahren Sie bei Praxisvita, warum man den ausgerechnet in unserem Blut vermutet.

Es klingt wie das Drehbuch zu einem neuen Vampirfilm. Im kommenden Oktober startet eine klinische Studie der Harvard University, bei der alten Menschen, die an Alzheimer leiden, Blutplasma von jungen Menschen per Transfusion verabreicht werden soll. Auf diese Weise glauben die Forscher, Alzheimersymptome verringern und durch Alter eingeschränkte Körperfunktionen „verjüngen“ zu können.

 

Mäuse erfolgreich verjüngt

In gleich mehreren Studien gelang einem Forscherteam um Professor Tony Wyss-Coray die körperliche Verjüngung und Regeneration geistiger Fähigkeiten – allerdings vorerst nur im Versuch mit Mäusen. Dabei verabreichten die Forscher alten Mäusen – die zudem an Alzheimer ähnlichen Symptomen litten – das Blut von jungen, gesunden Artgenossen.

Der Effekt bei den alten Mäusen war verblüffend: Innerhalb kurzer Zeit verbesserten sich durch die Transfusion von ‚frischem Blut’ die Funktionswerte der Organe, die geistige Leistungsfähigkeit der Tiere nahm trotz Alzheimer zu, Muskelgewebe wurde wieder aufgebaut und die körpereigene Wundheilung arbeitete schneller. Tatsächlich schienen die Mäuse verjüngt worden zu sein.

 

Menschenblut in Mäuse injiziert

Im nächsten Schritt injizierten die Forscher alten Mäusen mit Alzheimersymptomen Blutplasma von jungen Menschen. Die vorher beobachteten regenerativen Effekte auf die Organe, Nervenzellen und Muskeln der alten Mäuse traten erneut ein, erklärt Prof. Tony Wyss-Coray.

Den Forschern wurde klar: Was auch immer für die Verjüngungseffekte verantwortlich ist, es befindet sich im Blut junger Mäuse und – viel wichtiger für eine therapeutische Anwendung – auch im Plasma junger Menschen.

 

Ein Protein als Jungbrunnen 

Bei dem vermeintlichen Jungbrunnen handelt es sich um ein winziges Protein in unserem Blutplasma. Wissenschaftler der Universität Stanford fanden dort schon 2005 den sogenannten Wachstumsdifferenzierungsfaktor 11 (GDF11), der sich im Alter seltsamerweise verringert. Gleichzeitig stellte sich nach ersten Laborversuchen heraus, dass eine Steigerung des GDF11-Spiegels im Blut zu einer Verjüngung der Blutzellen führte.

 

Versuch am Menschen

Das Verfahren war in den ersten Versuchen so vielversprechend, dass nun eine klinische Studie mit Menschen genehmigt wurde. Die Zulassung und Erprobung sei nach Aussagen der Forscher in diesem Zusammenhang kein Problem, da das Verfahrensmittel der Bluttransfusion ein gängiges medizinisches Prozedere ist. Ausgegebene Ziele der neuen Versuchsreihe sind demnach den Ansatz einer körperlichen und geistigen Verjüngung des Menschen zu testen sowie einen auf dem GDF11-Protein basierenden Wirkstoff zur Linderung von Alzheimersymptomen zu entwickeln.

Hamburg, 26. August 2014

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