Kann Elektrosmog mich krank machen?

Redaktion PraxisVITA
Frau mit Kopfschmerzen am Computer
Kopfschmerzen zählen zu den Symptomen der Elektrosensibilität © fotolia

Eine Französin ist vor Gericht gezogen, weil die Strahlenbelastung durch WLAN und Handys sie angeblich arbeitsunfähig macht – und hat Recht bekommen. Jetzt erhält sie 800 Euro monatliche Rente. Doch gibt es die sogenannte Elektrosensibilität wirklich?

Marine Richard (39) lebt zurückgezogen in den Bergen im Südwesten Frankreichs in einer Scheune ohne Elektrizität. Der Grund: Die frühere Radiojournalistin leidet nach eigener Aussage an Elektrosensibilität. Menschen mit diesem Syndrom berichten von körperlichen Reaktionen auf die elektromagnetische Strahlung von Geräten wie Fernsehern, Handys und Routern – diese lösen bei ihnen angeblich Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit und Herzrasen aus.

Marine Richard ist die erste Betroffene, der von einem Gericht aufgrund dieser Symptome ein Anspruch auf eine Behindertenrente zugesprochen wird – 800 Euro soll sie monatlich bekommen. Das Gericht erkannte mit dem Urteil ausdrücklich nicht Elektrosensibilität als Krankheit an, räumte aber ein, dass die Klägerin aufgrund ihrer Beschwerden nicht arbeiten könne.

 

Gibt es Elektrosensibilität? Der Stand der Wissenschaft

Ob das Phänomen Elektrosensibilität existiert, ist unter Wissenschaftlern umstritten. Bisher existieren jedoch keine gesicherten Beweise für die Existenz des Syndroms.

2006 führte die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin eine Studie mit 48 Testpersonen durch, die angaben, elektromagnetische Strahlung erspüren zu können. Jeder Proband durchlief sechs zehnminütige Testphasen. In drei davon wurde er elektromagnetischer Strahlung (z.B. eines Handys) ausgesetzt, in den restlichen blieb die Strahlungsexposition aus. Der Proband sollte am Ende jeder Testphase angeben, ob er eine Strahlung wahrgenommen hatte. Während diese Frage in der Kontrollgruppe in der Regel verneint wurde (damit ergab sich eine „Trefferquote“ von 50 Prozent), gaben elektrosensible Personen häufig an, die Strahlung gespürt zu haben – allerdings erreichten sie dennoch keine höhere Trefferquote als die Kontrollgruppe.

Lediglich drei elektrosensible Testpersonen lagen auffällig häufig richtig mit ihrer Einschätzung. Bei erneuter Durchführung des Experiments konnten sie ihre erste Trefferrate jedoch nicht mehr annähern erreichen, sodass die Wissenschaftler von Zufallstreffern ausgingen.

In einem 2002 durchgeführten, ähnlichen Experiment finnischer Forscher waren die Testpersonen ebenfalls nicht in der Lage, „Scheinstrahlung“ von echter Strahlung zu unterscheiden.

In einer 2008 veröffentlichten Stellungnahme der Deutschen Strahlenschutzkommission heißt es, es sei „weder möglich, Kriterien zu finden, die die objektive Identifizierung ‚Elektrosensibler’ ermöglichen, noch konnte nachgewiesen werden, dass die Gesundheitsbeschwerden ursächlich mit elektrischen, magnetischen oder elektromagnetischen Feldern zusammenhängen.“

Experten fordern trotzdem weitere Forschungsprojekte, um dem Phänomen Elektrosensibilität auf den Grund zu gehen.

Hamburg, 5. September 2015

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