Kann eine Schwangerschaft unentdeckt bleiben?

Eine junge Frau aus Kanada bringt im Flugzeug ein Baby zur Welt – dabei wusste sie nicht einmal, dass sie schwanger war. Wie kann es sein, dass auf 500 Schwangerschaften eine kommt, die nicht bemerkt wird? Praxisvita hat nachgeforscht.

Immer wieder liest man von Müttern, die über starke Bauchschmerzen klagen und erst im Krankenhaus erfahren, dass sie bereits seit mehreren Monaten schwanger sind. Englischsprachige Medien berichten jetzt, dass die 23-jährige Ada Guan im Flugzeug auf dem Weg von Kanada nach Japan völlig unverhofft ein Baby zur Welt gebracht hat. Mehrere Ärzte an Bord stellten die Schwangerschaft fest. Die junge Frau und ihr Lebensgefährte seien von der Geburt absolut überrascht gewesen. Ein Schwangerschaftstest einen Monat zuvor war negativ ausgefallen und selbst ein Arzt, der die Kanadierin untersuchte, hat keine Schwangerschaft bemerkt. Die Schwiegermutter rechtfertigte die Neuigkeit damit, dass man der 23-Jährigen die Schwangerschaft nicht ansah. „Sie sah überhaupt nicht schwanger aus, sie ist einfach so ein kleines, schlankes Ding.“

Die ausbleibende Periode, den dicker werdenden Bauch, die Kindsbewegungen – kann eine Frau diese Anzeichen wirklich übersehen? Praxisvita hat die fünf häufigsten Ursachen für das für viele kaum nachvollziehbare Phänomen der unbemerkten Schwangerschaft zusammengefasst.

 

1 Verdrängen, was nicht sein darf

Häufig sind die betroffenen Frauen mit einer möglichen Schwangerschaft so überfordert, dass sie versuchen, das Geschehene zu verdrängen. Entweder, weil sie davon überzeugt sind, nicht schwanger werden zu können. Oder aber, weil ein Kind nicht in die Lebensplanung passt. Eindeutige Schwangerschaftsanzeichen werden dann einfach fehlgedeutet. Die ausbleibende Periode wird auf Stress, die Gewichtszunahme auf falsche Essgewohnheiten zurückgeführt. Selbst die starken Wehen für Koliken gehalten. Mediziner unterscheiden hierbei zwischen einer verleugneten und einer verdrängten Schwangerschaft: Während die einen durchaus vermuten, dass sie schwanger sind, es aber einfach nicht wahrhaben wollen, bemerken die anderen wirklich nichts.

 

2 Die Periode bleibt nicht aus

Das kommt ganz, ganz selten vor – ein Ausnahmefall! Außerdem sind diese Blutungen anders als die normale Regelblutung: Sie sind kürzer und schwächer. Zudem handelt sich bei den vaginalen Blutungen nicht um Menstruationsblut. Vor allem in der Frühschwangerschaft, also in den ersten drei Monaten, können hin und wieder Blutungen auftreten, die als Menstruationsblutungen fehlinterpretiert werden. Aber: Periode und Schwangerschaft können nicht gleichzeitig auftreten! Ursachen können hormonelle Verhütungsmittel oder eine Einnistungsblutung sein.

 

3 Ein negativer Schwangerschaftstest

Viele Frauen können es nicht abwarten, endlich das Ergebnis zu erfahren und greifen zu sogenannte Frühtests. Diese können schon vor dem Ausbleiben der Menstruation eine Schwangerschaft anzeigen. Die Fehlerraten dieser Tests sind hoch. Der Urin-Schwangerschaftstest aus der Apotheke ist die einfachste Möglichkeit, um festzustellen, ob man ein Baby erwartet. Doch es ist nicht ausgeschlossen, dass ein falsches Ergebnis angezeigt wird. Ursache dafür können z.B. eine hohe Anzahl an Bakterien im Urin, eine Eileiterschwangerschaft, eine zu niedrige Konzentration des Schwangerschaftshormons hcG oder Medikamente sein. Eine hundertprozentige Sicherheit bietet nur der Bluttest beim Frauenarzt oder ein Ultraschallbild in einer späteren Schwangerschaftswoche (gilt ab der 5. SSW als zuverlässig).

 

4 Keine deutliche Gewichtszunahme

Eine Schwangerschaft ohne Gewichtszunahme ist ausgeschlossen. Wie viel, das ist von Frau zu Frau verschieden. Bei Frauen, die etwas dicker sind, fällt der Bauch allerdings nicht so sehr auf. Hinzu kommt, dass die Babys dieser Frauen oftmals sehr klein sind, weil die Mütter sich nicht schonen, ungesund ernähren, rauchen und radikale Diäten durchführen, um das vermeintliche Übergewicht schnell wieder loszuwerden.

 

5 Rege Darmtätigkeit

Die Bewegungen des Kindes unterscheiden sich anfangs tatsächlich kaum von einer regen Darmtätigkeit. Bei der werdenden Mutter setzen in diesem Fall psychische Abwehrmechanismen ein: sie deutet körperliche Veränderungen um, um einem inneren Konflikt aus dem Weg zu gehen und sich vor schmerzlichen Empfindungen zu schützen.

Hamburg, 18. Mai 2015

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