Kann eine Protein-Bremse Lungenkrebs stoppen?

Joe Cocker starb im Alter von 70 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs
Joe Cocker starb im Alter von 70 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs © Fotolia

Rockmusik-Legende Joe Cocker starb im Alter von 70 Jahren an Lungenkrebs – einer der am schwersten zu behandelnden Krankheiten überhaupt. Über 40.000 Menschen sterben alleine in Deutschland jedes Jahr an Tumoren in den Lungen. Doch US-amerikanische Forscher zeigen in einer aktuellen Studie neue Wege zur Heilung der Krankheit.

Grundsätzlich gilt: Je früher die Diagnose Lungenkrebs gestellt wird, desto größer ist die Chance einer erfolgreichen Behandlung. Hat Krebs sich von den Lungen aus im Körper verteilt (metastasiert), sinkt die Lebenserwartung des Patienten deutlich. Viele Mediziner suchen deswegen vor allem nach Therapiemethoden, mit denen sich eine Ausbreitung von Lungenkrebs – oder eine Wiederausbreitung nach einer Tumor-Operation­ – verhindern lässt.

Forscher der Brown University zeigen in einer aktuellen Mäuse-Studie, dass mithilfe der Konzentrationsverringerung oder auch der vollständigen Blockade eines bestimmten Proteins die Ausbreitung von Lungenkrebs gebremst oder sogar verhindert werden kann.

Bei dem Protein handelt es sich um das sogenannte Chitinase 3-like-Protein-1 (CHI3L1), das auch als YKL-40 bekannt ist. Die an der Studie beteiligten Forscher gehen davon aus, dass jeder Mensch über dieses Protein verfügt, da es eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Infektionen spielt und damit natürlicher Teil des Immunsystems ist.

 

Protein beeinflusst Metastasierung

Doch schon ältere Studien hatten in der Vergangenheit gezeigt, dass dieses Protein mit der Ausbreitung eines Tumors im Körper zusammenhängt. Entsprechend haben Menschen, die an Lungenkrebs erkrankt sind und über eine hohe YKL-40-Konzentration im Körper verfügten, statistisch gesehen, eine schlechtere Prognosen als Menschen mit niedriger Konzentration. Sie starben schneller.  Die nun veröffentlichte Studie konnte diese Verbindung des Proteins zur Metastasierung von Lungenkrebs nun bestätigen.

Doch neben dieser Erkenntnis stand auch der Versuch das Protein zu blocken – und damit auch die Metastasierung von Krebs zu bremsen. Vor diesem Hintergrund bildeten die Forscher Arbeitsgruppen, die verschiedene Techniken überprüften, um die Ausbreitung von Krebs mithilfe der YKL-40-Konzentration im Körper zu bremsen.

Dabei zeigt sich, dass  die Möglichkeit besteht, das Protein direkt zu modifizieren, sodass es seine ursprüngliche Funktion nicht mehr wahrnehmen kann. Zum anderen könne man die Produktion des Proteins im Körper mit einem entsprechenden Antikörper verhindern.

Auf lange Sicht erhoffen sich die Forscher ein Medikament zu entwickeln, das die Aktivität des YKL-40-Proteins unterdrückt und so die Ausbreitung von Krebs im Körper verhindert.

Hamburg, 23. Dezember 2014

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