Kann eine Drohne Leben retten?

Drohne
Die Rettungs-Drohne ist mit einem Defibrillator ‚bewaffnet’ und ist so konzipiert, dass sie von Laien vor Ort eingesetzt werden kann © TU Delft

Wenn das Herz eines Menschen aufhört zu schlagen, wird das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt. Die Folge: Nach vier bis sechs Minuten kommt es zum Hirntod. Ein Krankenwagen benötigt aber im Schnitt rund 10 Minuten, um einen Patienten zu erreichen. Ein Problem, das ein holländischer Student nun gelöst haben könnte.

Alec Momont ist Doktorand an der Technischen Universität in Delft (TU Delft) und hat eine lebensrettende Drohne entwickelt, die bei einem medizinischen Notfall – wie z.B. einem Herzinfarkt – zehnmal schneller bei einem Patienten sein kann als jeder Krankenwagen. Demnach kann die Drohne innerhalb von einer Minute – die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h – jeden Einsatzort in einem Radius von 12 km2 erreichen.

 

Defibrillator mit an Bord

In der Drohne ist ein sogenannter Laien-Defibrillator verbaut, also ein Gerät, das einen starken Stromstoß auf den Herzmuskel abgibt, um z.B. Herzrhythmusstörungen zu korrigieren.

Defibrillator hilft nicht bei Herzstillstand

Entgegen der – durch Film und Fernsehen geprägten – Annahme vieler Menschen, wird ein Defibrillator nicht eingesetzt, um einen Herzstillstand zu behandeln. Als ein medizinisches Notfallgerät wird er dazu genutzt bei akuten Herzleiden, wie z.B. Kammerflimmern oder Vorhofflimmern, den Herzrhythmus mithilfe eines starken Stromstoßes zu unterbrechen und – einfach gesagt – neu zu starten. 85 Prozent aller Herztode ging eine herzrhythmische Störung voraus.

Um einen Herz-Patienten zu erreichen, fliegt und landet die Drohne völlig selbstständig. Dafür benötigt sie lediglich GPS-Koordinaten – z.B. übermittelt über ein Smartphone vor Ort –, um ihr Ziel zu finden. Der verbaute Defibrillator ist so konzipiert, dass er auch von medizinischen Laien eingesetzt werden kann.

Wird der Defibrillator nach der Landung bei dem Patienten aktiviert, gibt er genaue Anweisungen, wie man ihn bedient. So beschreibt das Gerät ungeschulten Personen z.B. an welchem Punkt am Oberkörper des Patienten die Klebeelektroden angebracht werden müssen. Nach Anschluss der Elektroden – mit denen auch der Strom übertragen wird – misst der Defibrillator den Herzrhythmus des Patienten. Stellt er dabei ein Problem fest, schaltet er automatisch einen Auslöser frei und empfiehlt dem Bediener die lebensrettende Schockbehandlung zu aktivieren.

 

Die Drohne kann auch sprechen

Im Falle des Drohnen-Defibrillators besteht zudem während der ganzen Zeit telefonischer Kontakt zu einem „medizinisch ausgebildeten Operator“, der zusätzliche Unterstützung leistet. Studien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass auf diese Weise rund 90 Prozent der Laienanwender den Defibrillator auf Anhieb richtig einsetzen.

Zurzeit existiert nur ein Prototyp der Defibrillator-Drohne. Ihr Preis beläuft sich auf rund 15.000 Euro. In Serie gehen könnte das Gerät nach Aussagen des Erfinders in spätestens fünf Jahren.

Hamburg, 13. November 2014

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