Kann ein Virus einen Hirntumor zerstören?

Ein Mann arbeitet im Labor
Für ihre neue Krebstherapie haben US-Forscher das Polio-Virus genetisch verändert © Fotolia

Es klingt unglaublich: Mithilfe eines gefährlichen Virus wollen US-Forscher Krebs heilen. Wie die neue Therapie funktioniert, erfahren Sie hier.

Wissenschaftler der Duke University in North Carolina haben einen Weg gefunden, das Polio-Virus als Waffe in ihrem Kampf gegen den Krebs einzusetzen.

 

Das Immunsystem auf den Tumor aufmerksam machen

Sobald unser Immunsystem körperfremde Stoffe wie Krankheitserreger, kranke oder beschädigte Zellen registriert, wird ein Alarm ausgelöst und eine Armee von Immunzellen stürzt sich auf den „Feind“, um ihn zu zerstören.

Obwohl Krebszellen mutierte Zellen sind und darum ebenfalls vom Immunsystem „beseitigt“ werden müssten, funktioniert das System bei ihnen nicht. Der Grund: Die Tumorzellen ahmen die Struktur gesunder Zellen nach und bleiben so vom Immunsystem unerkannt.

 

Polio-Virus gegen Krebs

Mit ihrem neuen Verfahren verfolgen die US-Forscher das Ziel, das Immunsystem auf den Tumor aufmerksam zu machen und zu einer Abwehrreaktion zu animieren. Dazu verändern sie das Poliovirus genetisch so, dass es sich nur in Tumor-, nicht aber in gesunden Zellen vermehren kann. Das so entstandene Virus, genannt PVS-RIPO, injizieren sie direkt in den Tumor. Dort nimmt es gleich auf zwei Arten den Kampf gegen den Krebs auf: Erstens zerstört es Tumorzellen und zweitens ruft es Immunzellen auf den Plan, die ebenfalls beginnen, die infizierten Krebszellen zu vernichten.

Nach sieben Jahren Labor- und Tierversuchen wurde die Therapie mit PVS-RIPO 2011 zu Tests am Menschen zugelassen, die immer noch andauern und bisher vielversprechende Ergebnisse bringen. Laut Einschätzungen der US-amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) wird die neue Methode in rund einem Jahr den „Breakthrough Status“ erhalten. Diesen Status können Therapiemethoden für eine lebensbedrohliche Krankheit erhalten, die voraussichtlich eine wesentliche Verbesserung gegenüber den bisherigen Therapien bringen werden. Wirkstoffe und mit dem Breakthrough-Status durchlaufen ein beschleunigtes Zulassungsverfahren, damit sie so früh wie möglich eingesetzt werden können.

Zusätzlich planen die Wissenschaftler, die Wirksamkeit des Polio-Virus auch im gegen andere Krebsarten wie Brust-, Prostata-, Lungen-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs zu testen.

Hamburg, 1. April 2015

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