Kann ein Placebo Husten bei Kindern wirklich heilen?

Placebo gegen Husten
Wenn Kinder Agaven-Sirup gegen Husten einnehmen, tritt ein doppelter Placebo-Effekt auf © Fotolia

Eltern von kleinen Kindern machen sich häufig zu viele Sorgen. Was sollen die Kleinen essen, wie eine Krankheit verhindern und was tun, wenn doch einmal Husten bei Kindern auftritt? Für die letztere Frage fanden Forscher nun eine Antwort – doch die ist anders, als viele erwarten würden. Praxisvita hat die Fakten.

Eine aktuelle Studie des Penn State Milton S. Hershey Medical Centers in Pennsylvania zeigt, dass Agave-Sirup erfolgreich zur Behandlung von Husten bei Kindern eingesetzt werden kann. Das Besondere daran: Der Sirup verfügt eigentlich über keinen Wirkstoff gegen Husten – ist in diesem Fall nur ein Placebo – und wirkt trotzdem.

 

„Dem Kind irgendwas geben...“

Den Grund sehen die Forscher um Studienleiter Professor Ian Paul allerdings nicht bei den kleinen Patienten, sondern viel mehr bei den Eltern. „Wenn ein Baby krank ist“, so der Mediziner, „gehen die Eltern zum Arzt und wollen Medizin.“ Und das tun sie statistisch gesehen besonders häufig bei Husten – obwohl eine medikamentöse Therapie von Husten bei Kindern in den allermeisten Fällen aus medizinischer Sicht keinen Sinn macht.

Insofern dient die Behandlung mit einem Placebo wie Agaven-Sirup weniger der Linderung des Hustens bei Kindern, sondern vielmehr der Verringerung der elterlichen Ängste und Sorgen um das Wohl des Kindes.

 

Husten bei Kindern – Der Sirup-Trick

An der Studie nahmen unter ärztlicher Aufsicht insgesamt 119 Kinder zwischen zwei und 47 Monaten samt Eltern teil. Alle Kinder litten aus verschiedenen Gründen seit maximal sieben Tagen unter akuten, nächtlichen Husten. Als natürlichen und völlig ungefährlichen „Hustensaft“ bekamen die Kinder vor dem Schlafen gehen neben Wasser auch Agaven-Sirup verabreicht. Die Tatsache, dass es sich dabei – hinsichtlich des pharmazeutischen Wirkmoments gegen Husten – um eine reine Placebobehandlung handelte, verrieten die Forscher nicht.

Am nächsten Tag wurden schließlich die Eltern gefragt, welchen Einfluss die Verabreichung des vermeintlichen „Hustensafts“ – bei dem es sich in Wirklichkeit nur um süßen Agaven-Sirup gehandelt hatte – auf die Hustenfrequenz und -schwere des Kindes hatte. Die Ergebnisse waren verblüffend: Alle Eltern berichteten davon, dass der Husten bei den Kindern weniger geworden sei und sie selbst mit der Wirkung des „Hustensafts“ sehr zufrieden und durch die Behandlung beruhigt seien.

 

Ein Ersatz für Honig

Bereits im Jahr 2007 hatte das gleiche Forscherteam eine bewiesen, dass auch Honig einen Hustenreiz lindern kann – zumindest bei trockenem Husten. Da aber Honig bei Kleinkindern den sogenannten infantilen Botulismus auslösen kann – eine Bakterieninfektion –, eignet sich das Bienen-Produkt nicht zur Behandlung von Kindern. Agavensaft, der eine durch seine dicke sirupartige Form eine ähnliche physikalische Eigenschaft wie Honig hat, könnte deswegen als Ersatz dienen.

 

Eine selbsterfüllende Prophezeiung

Die Forscher gehen davon aus, dass es sich dabei nicht nur um einen klassischen Placebo-Effekt handele, da in diesem Fall nicht nur die kleinen Patienten weniger Symptome zeigten, nachdem sie ein vermeintliches Medikament verabreicht bekamen, sondern auch sich auch die Eltern von dieser Behandlung beeinflusst zeigten – im Sinne eines indirekten Placebo-Effekts.

Hinzu kommt in diesem speziellen Fall, dass sowohl der Placebo-Effekt auf das Kind als auch der Effekt auf die Eltern jeweils die andere Seite zusätzlich positiv beeinflusste. Mit anderen Worten: Den Eltern ging es gut, als sie dachten, dass es ihren Kindern besser ginge und umgekehrt fühlten sich die Babys besser, als sie bemerkten, dass ihre Eltern ruhiger und weniger sorgenvoll waren.

Vor diesem Hintergrund – so schreiben die Forscher – sei es „immer hilfreich dem Kind ein Placebo zu verabreichen“, und das auch mit Blick auf die Gesundheit der Eltern.

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