Kann ein Ohr-Klipp Herzkrankheiten verhindern?

Redaktion PraxisVITA
TENS-Gerät verhindert Herzkrankheiten
Das Heilverfahren TENS bekämpft Schmerzen mit Strom. Zukünftig soll es auch Herzkrankheiten vermeiden © Fotolia

Die Stimulation der Nerven im Ohr mit elektrischen Impulsen verbessert die Gesundheit des Herzens. Das zeigt eine Studie aus Großbritannien. Wie Sie zukünftig Ihr eigenes Risiko für Herzkrankheiten verringern könnten, erfahren Sie hier.

Ein Forscherteam der Universität von Leeds zeigt in einer Studie, wie mithilfe eines ganz normalen TENS-Geräts jeder das eigene Risiko für Herzkrankheiten verringern könnte.

 

Herzkrankheit-Heilung übers Ohr

Transkutane-Elektrische-Nervenstimulations-Geräte (TENS-Geräte) sind nicht größer als moderne Smartphones und können bequem an der Kleidung befestigt oder in der Hosentasche verstaut werden. Für rund 50 Euro kann jeder ein Gerät kaufen, das in der Medizin bereits seit vielen Jahren ganz zur Nervenstimulation genutzt wird. Von Schwangeren werden TENS-Geräte zum Beispiel zur Schmerzlinderung eingesetzt.

Normalerweise sind an TENS-Geräten vier auf der Haut haftende Elektroden – über dünne Kabel – angeschlossen, die an bestimmten Stellen elektrische Impulse abgeben, um die dort liegenden Nerven zu stimulieren. Das Gerät selbst dient dabei als Steuermodul und Energiequelle. Damit die TENS-Geräte am Tragus – der kleine, äußerlich vorstehende Knorpel vor dem Ohreingang – angebracht werden kann, haben die britischen Wissenschaftler um Professor Jim Deuchars einen speziellen Klipp-Elektrode entwickelt.

Der kleine Ohrklipp stimuliert mit Stromstößen den sogenannten Vagusnerv,  der maßgeblich an der Steuerung der Funktionen fast aller lebenswichtigen Organe im Körper verantwortlich ist – wie auch dem Herzen. Die Studie zeigt, dass durch die Stimulation des Vagus der Einfluss schädlicher Nervensignale auf das Herz deutlich reduziert wird. Die Stromstöße selbst sind „schmerzfrei und sorgen lediglich für ein Kitzelgefühl Ohr“, erklärt Professor Deuchars.

 

 Doppelte Stärkung des Herzens

Mit der Stimulation durch das TENS-Gerät wird die Gesundheit des Herzens in zweierlei Hinsicht gestärkt. „Der erste positive Effekt, den wir beobachten konnten, war eine größere Variabilität des Herzschlags“, schreiben die Forscher. Ein gesundes Herz schlägt demnach nicht gleichmäßig, sondern immer leicht unregelmäßig – angepasst an die jeweiligen Anforderungen. Konkret verbesserte sich die sogenannte Herz-Frequenz-Variabilität durch die TENS-Stimulanz bei den Studienprobanden um rund 20 Prozent.

Der zweite Effekt der Stromstöße am Ohr, war die Unterdrückung des Sympathischen Nervensystems, das unter anderem dafür verantwortlich ist die Herzaktivität mit dem Hormon Adrenalin anzutreiben. Studienautorin Professor Jennifer Clancy erklärte, dass durch die Stimulanz der TENS-Geräte bei den Probanden „die Nervenaktivität um rund 50 Prozent gesenkt werden konnte.“ Das ist nach Aussagen der Forscherin deswegen so bedeutsam, da Menschen mit Herzkrankheiten häufig unter verengten Arterien leiden, die auf einen zu hohen Adrenalinausstoß durch das Sympathische Nervensystem zurückgehen können.

Um die Aufnahme des Adrenalins in den Rezeptoren zu blockieren werden bei Risikopatienten für Herzkrankheiten derzeit – trotz Nebenwirkungen wie zum Beispiel Müdigkeit, Schwäche, Übelkeit, Erbrechen, Sonnenempfindlichkeit – Betablocker verabreicht, erklärt Professor Clany. TENS-Geräte dagegen machen den Einsatz solcher starken Medikamente überflüssig, da die Stromimpulse die Aktivität der Nerven selbst verringern.

 

Herzkrankheit-Risiko senken

Experten gehen derzeit davon aus, dass durch eine tägliche Strom-Behandlung von rund 15 Minuten mit einem umfunktionierten TENS-Gerät in Zukunft jeder – ohne Medikamente oder ärztliche Behandlung – sein Risiko für eine Herzkrankheit deutlich verringern kann.

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