Kann ein Narkose-Wirkstoff schwere Depressionen heilen?

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Depression
Der Narkose-Wirkstoff Ketamin kann laut einer ersten Untersuchung die Symptome einer starken Depression deutlich mindern © iStock

Der Narkose-Wirkstoff Ketamin hat sich in einer ersten Untersuchung als sehr wirksam bei Patienten mit starken Depressionen erwiesen. PraxisVITA erklärt die Studienergebnisse und weiß, warum das besonders für ältere Betroffene eine gute Nachricht ist.

Patienten mit starken Depressionen, bei denen bisher jede Behandlungsmethode fehlschlug, könnten bald wieder Hoffnung auf ein beschwerdefreies Leben haben: Der 1962 entdeckte Wirkstoff Ketamin, der eigentlich in der Anästhesie eingesetzt wird, zeigte in einer ersten Kontrollstudie mit stark depressiven Patienten eine hohe Wirksamkeit. Forscher der University of New South Wales behandelten 16 Probanden im Alter von über 60 Jahren über sechs Monate hinweg mit Ketamin. Das Ergebnis: 43 Prozent der Betroffenen erklärten nach Ablauf der Zeitspanne, dass sie keine deutlichen Depressionssymptome mehr hatten. Laut den Studienautoren ist die Rate überraschend hoch, da bei den entsprechenden Patienten bis zu der Untersuchung keine Behandlung angeschlagen habe. Die Forscher veröffentlichten ihr Fazit in der Fachzeitschrift American Journal of Geriatric Psychiatry.

 

Große Hoffnung für ältere Patienten

Die Ergebnisse sind auch deshalb so interessant, weil gerade die Behandlung von älteren Patienten mit Depression häufig schwieriger ist als die von jüngeren. Das liegt vor allem daran, dass die Betroffenen in manchen Fällen noch unter anderen Beschwerden leiden, die medikamentös behandelt werden müssen. Mit zusätzlichen Medikamenten gegen Depression könnte es zu Wechselwirkungen kommen.

Laut den Forschern linderte bereits eine einzelne Injektion mit Ketamin die Symptome. Zwar ist bereits bekannt, dass der Wirkstoff stimmungsaufhellend wirkt – in Großbritannien wird Ketamin illegal als Freizeitdroge verwendet – aber laut den Wissenschaftlern habe der Effekt bei den Probanden nichts mit der euphorischen Wirkung von Drogen zu tun. Erste Resultate konnte man bereits 60 Minuten nach der Injektion beobachten,  die Depressionssymptome verringerten sich nach ein paar Stunden deutlich. Nach 20 Stunden hatte die Wirkung von Ketamin ihren Höhepunkt erreicht.

 

Eine Dosis für ein beschwerdefreies Leben?

Die Studienteilnehmer erhielten individuell angepasste Dosen des Wirkstoffes. Mehrere Probanden waren bereits nach einer Injektion für mehrere Monate beschwerdefrei, andere hatten zunächst positiv auf die Dosis reagiert, die Depressionssymptome kehrten aber nach drei bis sieben Tagen zurück. In diesen Fällen wurde die Injektion wiederholt. Bis die Behandlungsmethode zugelassen wird, kann es allerdings noch dauern: Weitere Untersuchzungen mit höheren Teilnehmerzahlen und über längere Zeiträume hinweg müssen erst noch zeigen, welche eventuellen Nebenwirkungen durch Ketamin auftreten können.

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