Kann ein kleiner Piks Diabetes verhindern?

Mädchen wird geimpft
Impfungen sind einer der größten Erfolge der Medizingeschichte. Bald können sie vielleicht sogar vor Diabetes schützen © Fotolia

Diabetes Typ 1 ist eine unheilbare Erbkrankheit. Doch Forscher haben jetzt möglicherweise einen Weg gefunden, um den Ausbruch der Krankheit zu verhindern.

Wenn Kinder mit hohem Diabetes-Risiko vor dem Ausbruch der Krankheit Insulin zu sich nehmen, dann kann sie das möglicherweise dauerhaft vor einer Erkrankung schützen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam aus Deutschland, Österreich, England und den USA in einer Studie, die sie kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA – Journal oft he American Medical Association veröffentlichten. Sollten sich die Ergebnisse in weiteren, größeren Studien bestätigen, könnte schon bald ein Impfstoff gegen Diabtes Typ 1 entwickelt werden.

Menschen mit Typ 1 Diabetes müssen für den Rest ihres Lebens mehrmals täglich Insulin spritzen, weil ihr eigenes Immunsystem die sogenannten Langerhans-Inseln zerstört hat. Das sind Zellen der Bauchspeicheldrüse, die die Höhe des Blutzuckers registrieren und Insulin produzieren. Normalerweise lernt das menschliche Immunsystem, seine eigenen Körperzellen zu ignorieren und diese somit nicht anzugreifen. Wenn Kinder Diabetes entwickeln, dann scheitert dieser als Selbsttoleranz bezeichnete Prozess. Das Immunsystem bewertet die Inselzellen als feindlich und zerstört sie.

 

Kann Insulin vor Diabetes schützen?

In ihrer Studie wollten die Wissenschaftler herausfinden, ob der wichtige Prozess der Selbsttoleranz künstlich herbeizuführen ist. Das Team um den Studienleiter Ezio Bonifacio von der Universität Dresden mischte dazu Kindern im Alter zwischen zwei und sieben Jahren täglich Insulin (zwischen 2,5 mg und 67,5 mg) unters Essen. Alle Kinder hatten eine Familiengeschichte mit sehr vielen Fällen von Diabetes Typ 1. Da die Krankheit erblich bedingt ist, haben sie ein stark erhöhtes Diabetes-Risiko.

Die Reaktion des Körpers auf das Insulin war vielversprechend: Er erkannte das Insulin, zeigte aber keine Abwehrreaktion, wie es bei einem Diabetes der Fall sein würde. „Das zeigt, dass wir die regulären Vorgänge im Körper eines gesunden Kindes, die eine Typ 1 Diabetes-Erkrankung verhindern, erfolgreich nachgeahmt haben,“ so Bonifacio. Die Theorie dahinter: Der Körper wird bewusst mit einem Stoff, auf den er möglicherweise falsch reagiert, in Verbindung gebracht und soll so eine normale Immunantwort entwickeln. Auf den Punkt brachte die positiven Forschungsergebnisse, Prof. Annette-Gabriele Ziegler vom Institut für Diabetesforschung in München: „Wenn das Immunsystem die schützende Immunantwort nicht von selbst lernt, muss die Medizin eben ein bisschen Nachhilfe geben.“

 

Keine Nebenwirkungen

Erleichtert zeigten sich die Forscher auch darüber, dass es keine unerwünschten Nebenwirkungen gab. Sie hatten sich vor der Studie gesorgt, dass das Insulin den Blutzuckerspiegel einbrechen lassen könnte. Eine gefährliche Unterzuckerung wäre die Folge gewesen.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse wird es aber wohl noch einige Jahre dauern, bis ein Impfstoff gegen Diabetes Typ 1 auf den Markt kommt. Erst müssen noch weitere Studien folgen, die bei einer größeren Gruppe an Probanden nachweisen, dass die Behandlung Diabetes Typ 1 verhindern kann – und dabei auch wirklich sicher ist. Dann könnte sie aber Tausenden Kindern ein Leben mit täglichem Blutzuckermessen und Insulinspritzen ersparen.

Hamburg, 22. April 2015

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