Kann ein Klebstoff Nierensteine entfernen?

Phyllis Kuhn

Deutsche Forscher haben einen Spezialkleber entwickelt mit dessen Hilfe sich gefährliche Reste von Nierensteinen erstmals zuverlässig entfernen lassen.

Auch wenn sie nicht lebensbedrohlich sind – es gibt kaum etwas, das so schmerzhaft ist wie Nierensteine. Betroffenen berichten von kolikartigen Schmerzen, die häufig auch auf Rücken, Bauch und Beine abstrahlen. Wandern die Steine auch noch in den Harnleiter hinunter, ist der Schmerz meist kaum noch auszuhalten. Vier Millionen Menschen sind in Deutschland von Nierensteinen betroffen. Sie entstehen meist durch unausgewogene Ernährung und zu wenig Bewegung. Hauptverantwortlich bei der Ernährung sind oxalatreiche Lebensmittel wie Rhabarber, tierische Fette und Cola.

Nierensteine werden für gewöhnlich mit Hilfe eines Lasers zertrümmert und anschließend mit einem endoskopischen Greifer entfernt. Dabei bleiben jedoch fast immer Fragmente der Steine übrig. Diese sind häufig so klein, dass sie mit einem Greifer nicht entfernt werden können. Verbleiben sie in der Niere, erhöhen sie das Risiko für eine Bildung von neuen Nierensteinen an den Trümmerstücken.

 

Nierensteine verkleben zu gummiartiger Masse

Diesem Problem haben sich Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung in Bremen angenommen. In Zusammenarbeit mit Urologen der Universitätsklinik Freiburg haben sie den Spezial-Klebstoff mediNiK entwickelt, der die Reste der zertrümmerten Nierensteine zusammenklebt und zu einem großen Fragment aus gummiartiger Masse verbindet. Diese lässt sich anschließend leicht endoskopisch entfernen. „Unser Klebstoff besteht aus zwei Komponenten. Die erste Komponente umschließt die Steinreste, die zweite Komponente härtet das System zu einer gummiartigen Masse aus, die flexibel und elastisch genug ist, um sie aus der Niere herauszuziehen, erklärt Dr. Ingo Grünwald, Leiter des Projekts. 

Nierenstein-Behandlung
Links die Reste eines zertrümmerten Nierensteins, rechts: nach Einsatz des Klebstoffs.© Fotolia/IFAM
 

Hohe Anforderungen

Die Entwicklung des Klebstoffs war nicht ohne Herausforderungen. „Die größte Schwierigkeit war es, einen Klebstoff herzustellen, der auch unter Wasser kleben kann. Außerdem muss der Klebstoff selektiv sein. Er darf nur an den Steinfragmenten und nicht an der Nierenschleimhaut haften bleiben“, erklärt Grunwald. Außerdem durften die Kleberkomponenten natürlich keine Giftstoffe enthalten.

In ersten Tests mit dem neuartigen Nierenstein-Kleber, erzielte die Bremer Erfindung schon tadellose Ergebnisse. „Unsere Aufnahmen zeigen, dass die Niere hinterher komplett steinfrei war“, so Grunwald. Das Zulassungsverfahren für das neuartige Medizinprodukt läuft derzeit noch. mediNiK soll voraussichtlich in zwei Jahren auf den Markt kommen.  

Hamburg, 15. September 2016

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