Kann ein einziger Wespenstich einen Schlaganfall auslösen?

Wespe
Neben Schmerzen und starken Schwellungen kann ein Wespenstich auch gefährliche Folgen haben. © Alamy

Der Fall des 44-jährigen Bauarbeiters aus den USA macht aktuell Schlagzeilen: Kann ein Wespenstich wirklich tödlich sein?

Ein Wespenstich ist in der Regel einfach nur sehr unangenehm – aber er kann lebensgefährliche Nebenwirkungen haben. Bekannt ist der sogenannte anaphylaktische Schock, bei dem Betroffene allergisch auf das Wespengift reagieren und es zu Atemstillständen kommen kann. Ärzte warnen inzwischen jedoch vor einer weiteren unerwarteten Gefahr: Einem Schlaganfall – hervorgerufen durch einen Wespenstich.

Genau das passierte einem 44-jährigen Bauarbeiter aus Ohio, USA. Er wurde während der Arbeit von einer Wespe ins Bein gestochen und litt danach an typischen Symptomen wie Rötungen und Ausschlägen. Nur eine Stunde später kamen Lähmungen einer Körperseite, herabhängende Gesichtszüge und Sprachschwierigkeiten hinzu – typische Anzeichen eines Schlaganfalls. Der Fall des Mannes wurde von den behandelnden Ärzten im Journal of Emergency Medicine vorgestellt. Sie warnen darin davor, dass viele Ärzte nicht mit der Problematik des Schlaganfall-Risikos nach einem Wespenstich vertraut wären. Auch Guidelines zum Verhalten von Ärzten gäbe es für diesen Fall nicht.

 

Ein Gift mit unangenehmen Folgen

Schlaganfälle entstehen durch mangelnde Blutversorgung im Gehirn, besonders durch Blutgerinnsel oder beschädigte Blutgefäße. Einige Bestandteile im Wespengift können genau diese Reaktionen auslösen. So führt das Gift im Blut dazu, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. Passiert das bei Gefäßen im Gehirn, besteht akutes Risiko für einen Schlaganfall. Dazu kommen sogenannte prothrombotische Eigenschaften des Wespengifts. Dadurch entstehen Verklumpungen im Blut, wandern diese ins Gehirn, kommt es zum Schlaganfall.

Ein weiteres Risiko für einen Schlaganfall nach einem Wespenstich liegt im Absinken des Blutdrucks in Folge einer allergischen Reaktion auf den Stich. Dadurch kann es zu einer Blut-Unterversorgung des Gehirns kommen, wodurch wiederum das Schlaganfall-Risiko steigt. Gerät als Folge des Stichs auch noch das Herz aus dem Takt (= arterielle Fibrillation) erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall, da sich durch eine arterielle Fibrillation Blut im Herzen ansammelt und dort zu Klumpenbildung führen kann.

 

Ein einziger Wespenstich führte zum Schlaganfall

Im Falle des Patienten aus Ohio nehmen die Ärzte an, dass einerseits Blutgefäße im Gehirn des Mannes verengt waren und andererseits sein Herz irregulär geschlagen habe. Außerdem sei es wahrscheinlich, dass er besonders allergisch auf das Wespengift reagiert habe. Da der Mann schnell behandelt werden konnte, überlebte er den Schlaganfall ohne weitere Beeinträchtigung. Ungewöhnlich ist in seinem Fall, dass er nur einen einzigen Wespenstich erlitten hatte, welcher dann den Schlaganfall ausgelöst hatte. Bisher waren Experten davon ausgegangen, dass für eine derartige Verkettung immer mehrere Wespenstiche nötig wären.

Wer bereits weiß, dass er vorbelastet ist, etwa durch vorhergehende Schlaganfälle, bekannte Durchblutungsstörungen oder eine Allergie gegen Wespenstiche, sollte besonders gut aufpassen. Auch die Einnahme von ACE-Hemmern und Beta-Blockern kann darüber hinaus eine schwere allergische Reaktion mit anschließendem Schlaganfall begünstigen.

 

So vermeiden Sie einen Wespenstich

Der ADAC empfiehlt, im Sommer nicht aus undurchsichtigen offenen Behältern zu trinken. Durch Wespen, die sich in uneinsichtigen Bechern verstecken, passieren die meisten Stiche im Mundraum. Da Wespen in diesem Fall häufig gleich mehrfach zustechen und Stiche in die Schleimhaut als besonders schwerwiegend gelten, sollten diese in jedem Fall vermieden werden. Auch eine Praxis, die eigentlich als sehr wohltuend und gesund gilt, sollte bei einer Überempfindlichkeit gegenüber Wespengift vermieden werden: Barfuß über eine Wiese zu laufen. Autofahrer sollten außerdem bevor sie losfahren, das Auto untersuchen. Gerade beim Autofahren bringt man schließlich nicht nur sich selbst in Gefahr. Außerdem wichtig für Allergiker: Immer ein Notfall-Set mit einem Anti-Allergikum dabeihaben

Hamburg, 29. August 2016

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