Kann ein Duschgel Krebs auslösen?

Stephanie Pingel
Duschgel
Die Firma Johnson & Johnson muss der Familie von Jacqueline Fox 72 Millionen US-Dollar zahlen. Ihr Eierstockkrebs habe sich durch die Produkte des Konzerns entwickelt © Fotolia

Der Gesundheitskonzern „Johnson & Johnson“ muss den Hinterbliebenen der an Eierstockkrebs verstorbenen Amerikanerin Jacqueline Fox rund 72 Millionen US-Dollar zahlen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der Krebs bei der Frau durch die jahrelange Verwendung eines Babypuders und eines Duschgels der Firma entwickelte.

Talkum, die pulverisierte Form von Talk, wird in Kosmetik- und Hygiene-Artikeln verwendet und gilt bis heute als wissenschaftlich umstritten. Jetzt stand das Mineral im Mittelpunkt eines Gerichtsverfahrens: Die US-Amerikanerin Jacqueline Fox starb im Oktober 2015 mit 62 Jahren an Eierstockkrebs. Schuld daran seien die mit Talkum versetzten Produkte des Gesundheitskonzerns „Johnson & Johnson“ gewesen – davon sind Fox´ Sohn Marvin Salter und die Anwälte der Familie überzeugt. Die Jury gab den Klägern Recht: Nun muss die Firma 72 Millionen Dollar Schadenersatz an die Hinterbliebenen zahlen.

 

Gesundheitskonzern soll die Risiken gekannt haben

Jacqueline Fox, die aus Birmingham in Alabama stammt, hatte angegeben, über 35 Jahre hinweg sowohl ein Babypuder als auch ein Duschgel für weibliche Hygiene von dem Konzern verwendet zu haben. Als 2013 der Eierstockkrebs bei ihr festgestellt wurde, reichte sie die Klage ein. „Johnson & Johnson“ habe es versäumt, mit Warnhinweisen darauf aufmerksam zu machen, dass Talkum krebserregend sein kann, so die Anwälte der Familie. Dabei habe der Konzern bereits seit den 1980ern von den Risiken gewusst. Als Beweis wurde unter anderem ein firmeninternes Memo aus dem Jahr 1997 vorgelegt. Darin zieht ein medizinischer Angestellter des Unternehmens das Fazit, dass „jeder, der das Risiko leugnet, die Augen vor den wissenschaftlichen Beweisen verschließt“.

Zusätzlich beriefen sich die Anwälte auf diverse Studien: Demnach können Talkumpartikel über die Gebärmutter und die Eileiter bis in die Eierstöcke gelangen und dort Entzündungen auslösen sowie die Entwicklung von Tumoren begünstigen. Deshalb müssten gerade Hygieneartikel für den Intimbereich mit entsprechenden Warnhinweisen versehen sein. „Die Firma hat der Öffentlichkeit und den Behörden ins Gesicht gelogen“, so Jere Beasley, der zur Salters Anwälten gehört und nach dem Urteil eine Pressekonferenz gab.

 

1.200 weitere Klagen stehen noch aus

„Johnson & Johnson“ weist die Kritik zurück und befürchtet einen massiven Imageschaden: „Das Urteil spricht gegen zahllose Studien, in denen die Verwendung von Talkum in Kosmetikprodukten als unbedenklich eingestuft wird“, erklärt Pressesprecherin Carol Goodrich. „Selbstverständlich sympathisieren wir mit der Familie, aber wir halten das Ergebnis der Gerichtsverhandlung für falsch.“ Es wird erwartet, dass der Konzern das Urteil anfechtet. Allerdings wird der Vorfall auch damit noch nicht abgeschlossen sein: Wegen der fehlenden Warnhinweise sind seit Beginn des Verfahrens 1.200 weitere Klagen gegen „Johnson & Johnson“ eingegangen.

Auch in Deutschland vertreibt der Konzern viele Hautpflege- und Babyprodukte: Unter anderem gehören die Marken „bebe„ und „Neutrogena“ dazu. Auf dem Babypuder befindet sich inzwischen der Warnhinweis, dass das Produkt nur zur äußeren Anwendung geeignet ist und nicht auf wunde Hautstellen aufgetragen werden soll. Die Gesellschaft zur Krebsprophylaxe fordert nun auch auf allen talkumhaltigen Produkten Warnhinweise bezüglich des Krebsrisikos.

Hamburg, 24. Februar 2016

© by WhatsBroadcast

Themen
Das könnte Sie auch interessieren
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.