Kann ein Chip verlorene Erinnerungen wiederherstellen?

Redaktion PraxisVITA
Mikrochip im Kopf
US-amerikanische Forscher haben einen Chip entwickelt, mit dem verlorene Gedanken wieder hergestellt werden können. Bereits 2017 soll die neue Technik einsatzbereit sein © DOE/Lawrence Livermore National Laboratory

US-amerikanische Forscher haben einen Mikrochip entwickelt, der in der Lage ist, verlorene Erinnerungen wiederherzustellen. Der kürzlich vorgestellte Chip wird dazu in das Gehirn von Patienten verpflanzt, wo er die Aktivität von Nervenzellen im Gehirn aufzeichnet und stimuliert. Die an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler wollen so bereits ab dem Jahr 2017 krankheitsbedingte Erinnerungslücken schließen.

Das von der US-amerikanischen Defense Advanced Research Projects Agency finanzierte und von den Lawrence Livermore NationalLaboratorys (LLNL) in Kalifornien entwickelte Implantat ist das erste Gerät, das mit dem neuronalen System unserer Erinnerung und Gedanken vernetzt werden kann.

Der kürzlich vorgestellte Mikrochip wird dazu direkt in das Gehirn verpflanzt, zeichnet dort neuronale Vorgänge auf und stimuliert von diesen Aufzeichnungen ausgehend gezielt die Aktivität von Nervenzellen. Auf diese Weise sollen nach Aussagen der Forscher in Zukunft verlorene Erinnerungen wiederhergestellt werden.

 

Ein Wiederherstellungsprogramm für das Gehirn

Die Technik des neu entwickelten Chips basiert auf dem Wissen der modernen Forschung über neuronale Erinnerungsprozesse – also der Fähigkeit von bestimmten Regionen des Gehirns, mithilfe von Nervenzellen wahrgenommene Informationen zu kodieren, zu speichern und wieder abzurufen.

Dieser natürliche Erinnerungsprozess des Gehirns kann durch Krankheiten – wie Schädelhirntrauma, Demenz, Epilepsie, trauma- oder stressbedingter Verdrängung – gestört werden und einen Gedächtnisverlust auslösen. Der nun entwickelte Chip ist damit nach Aussagen der Forscher die erste technische Möglichkeit einer kontrollierten somatischen Gedächtnis- und Erinnerungsbehandlung – jenseits von "weichen Methoden" wie z.B. Psychotherapien.

Frau mit Epilespie
Der natürliche Erinnerungsprozess des Gehirns kann durch Krankheiten – wie Epilepsie, Schädelhirntrauma, Demenz, trauma- oder stressbedingter Verdrängung – gestört werden und einen Gedächtnisverlust auslösen© istock
 

Die Tür zur verlorenen Erinnerung

Der Chip misst mithilfe einer Echtzeit-Auswertung die neuronalen Strukturen im Gehirn und regt durch eine spezielle „Close-Loop-Stimulation“ – eine an der neuronalen Frequenz des jeweiligen Patienten angepasste Anregung der Nervenzellen – die Ausbildung von neuem Nervengewebe im Gehirn an. Dadurch werden fehlende neuronale Verbindungen zwischen den einzelnen Nervenzellen – der Grund für das Vergessen – überbrückt und ein neuer Zugang zu verlorenen Erinnerungen geöffnet.

Die Forscher bezeichnen die neue Technik als ein Gerät, das es möglich macht, Nervenverbindungen zu modellieren und über die so geschaffenen „Erinnerungsbrücken“ Vergessenes wieder zugänglich zu machen. Hintergrund sei die Eigenschaft des Gehirns, rein substanziell im Grunde nie etwas zu vergessen. Die mit vermeintlich vergessenen Informationen beladenen Nervenbereiche verschwinden nicht, sondern sind nur nicht mehr mit dem neuronalen System des Gehirns verbunden.

 

Drahtlose Verbindung mit dem Gehirn

Der implantierte Erinnerungschip wird direkt mit den Bereichen im Gehirn – dem dementorhinalen Kortex und dem Hippocampus – verbunden, die für die Kodierung, Speicherung und Abrufung von Erinnerungen verantwortlich sind. Über eine drahtlose Verbindung mit einem externen Modul, das der Patient auf dem Kopf trägt, werden Daten vom Gehirn an einen „neurotelemetrischen Empfänger“ übertragen. Das gleiche Modul treibt den Chip auch an, indem es eine im Implantat verbaute Spule kabellos mit Strom versorgt.

Nach Aussagen der Wissenschaftler ist die Entwicklung des Chips ist sehr weit fortgeschritten und soll bereits im Jahr 2017 einsatzbereit sein.

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