Helfen Cannabinoide wirklich gegen chronische Schmerzen?

Redaktion PraxisVITA

Eine neue Studie widerspricht der bisherigen Annahme, dass chronische Schmerzen durch den Konsum von Cannabis gelindert werden können. Laut den Forschern ist sogar eher das Gegenteil der Fall.

Medizinische THC KApseln
Eine neue Studie prüft die Wirkung der Heilpflanzen © iStock/WildLivingArts

Sie gilt als eine der ältesten Heilpflanzen der Welt – trotzdem dürfen Ärzte in Deutschland ihren Patienten erst seit Frühjahr 2017 Cannabinoide auf Krankenkassenkosten verschreiben. In Amerika gilt der Wirkstoff dagegen schon lange als potenziell sicherere Alternative zu Opiaten, um chronische Schmerzen zu lindern. Allerdings gab es bisher keine aussagekräftigen klinischen Studien, die diesen Effekt tatsächlich belegen. In einer groß angelegten Studie mit 1.500 Probanden wurde nun der Effekt des Wirkstoffs über vier Jahre hinweg untersucht. Alle Teilnehmer litten an chronischen Schmerzen, die nicht auf Krebs zurückzuführen waren. Das überraschende Fazit der Forscher: Es gibt keine Beweise dafür, dass Cannabis chronische Schmerzen lindern kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Magazin Lancet Public Health.

 

Wie wirkten Cannabinoide wirklich bei chronischen Schmerzen?

„Da der Konsum von Cannabis aus medizinischen Gründen global zunimmt, muss der Effekt durch große klinische Studien belegt werden können. An diesen Studien sollten Menschen mit komplexen Krankheitsbildern teilnehmen, deren chronische Schmerzen nicht durch Krebs verursacht werden“, begründet Studienleiterin Dr. Gabrielle Campbell vom National Drug and Alcohol Research Centre der University of New South Wales in Sydney die Studie. Gemeinsam mit ihren Kollegen analysierte die Ärztin, welchen Effekt der Konsum von Cannabis auf das tägliche Leben ihrer Probanden hatte. Die Forscher untersuchten mithilfe von Interviews sowohl die tägliche Dosis, den Grund der Einnahme, das Schmerzempfinden sowie die mentale Gesundheit.

 

Cannabis kann Opiatmissbrauch nicht vermindern

Bei der Auswertung der Daten konnten Dr. Campbell und ihre Kollegen keinen Beweis für einen positiven Einfluss des Wirkstoffs der Hanfpflanze auf die Schmerzintensität bei den Studienteilnehmern feststellen. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall: „Diejenigen, die Cannabis konsumierten, litten unter stärkeren Schmerzen und konnten auch schlechter mit den Beschwerden umgehen“, so Dr. Campbell. Trotzdem berichteten manche Patienten laut der Ärztin von empfundenen positiven Wirkungen durch den Konsum.

Auch das Argument, das Mittel sei eine Alternative zu abhängig machenden Opiaten, widerlegen die Forscher: Laut ihrer Studie gibt es „keinen Beweis, dass Cannabis die Verwendung von Opiaten generell oder die Rate von Opiatmissbrauch vermindern kann“. „Chronische Schmerzen, die nicht durch Krebs bedingt sind, sind ein komplexes Problem. Bei den meisten Patienten wird eine einzige Therapiemethode vermutlich nicht ausreichen“, erklärt Dr. Campbell.

Medikamente mit THC

THC-haltige Arzneimittel gibt es in Form von Tropfen, Kapseln und Spray. Die Apotheke bereitet z. B. Kapseln oder Tropfen mit dem Wirkstoff Dronabinol individuell zu.

 

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.