Kann Aspirin vor Krebs schützen?

Ein Mann nimmt eine Tablette
US-amerikanische Experten raten Menschen im Alter von 50 bis 59, täglich Aspirin einzunehmen, um Herzleiden und Darmkrebs vorzubeugen © Fotolia

US-Mediziner empfehlen die tägliche Einnahme von Aspirin zur Vorbeugung von Darmkrebs und Herzerkrankungen – allerdings nur für eine bestimmte Personengruppe. Praxisvita erklärt Vorteile und Risiken der Aspirin-Dauerkur.

Bis ins hohe Alter ohne Herzinfarkt, Schlaganfall und Darmkrebs – um dieses Ziel zu erreichen, sollten 50- bis 59-Jährige täglich eine niedrige Dosis Aspirin (75 bis 100 Milligramm) einnehmen, empfehlen Experten des US-amerikanischen Department of Health & Human Services jetzt in einer Mitteilung.

Die US-Experten stützen ihre Empfehlung auf mehrere Studien, bei der Daten von Patienten ausgewertet wurden, die zur Vorbeugung von Herzleiden regelmäßig Aspirin einnahmen. Dass Aspirin vor Blutgerinnseln schützt, ist schon länger bekannt – darum wurde die regelmäßige Einnahme Risikopatienten bereits zuvor empfohlen.

Die Analyse ergab, dass die tägliche Aspirineinnahme die Zahl der Darmkrebs-Erkrankungen bei den Teilnehmern der Studien um 40 Prozent senkte. Die Schutzwirkung trat jedoch erst nach einer mindestens zehnjährigen Einnahme ein.

 

So wirkt Aspirin im Körper

Im Körper kommen zwei Varianten eines Eiweißes namens Cyclooxygenase (Cox) vor, genannt Cox-1 und Cox-2. Cox-1 hat die Aufgabe, Blutfluss und Blutdruck zu regulieren, für die Blutgerinnung zu sorgen und die Magenschleimhaut zu schützen. Cox-2 fördert Entzündungen und Fieber und verstärkt Schmerzen.

Aspirin hemmt beide Cox-Varianten. Die Hemmung von Cox-1 beugt Herzerkrankungen vor, da sie die Bildung von Blutgerinnseln verhindern kann. Wie Aspirin vor Krebs schützt, ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich hängt die Schutzwirkung aber mit der Hemmung von Cox-2 zusammen. Einige Mediziner vertreten die Theorie, dass chronische Entzündungen die Bildung von Tumoren fördern – die entzündungshemmende Wirkung von Aspirin könnte demnach vorbeugend wirken. Andere gehen davon aus, dass Cox-2 das Wachstum von Krebszellen fördert oder sie vor dem Absterben schützt.

 

Nebenwirkungen von Aspirin

Neben den erwünschten Effekten kann Aspirin auch starke Nebenwirkungen haben – darum müssen Risiken und Nutzen einer vorbeugenden Therapie gegeneinander abgewogen werden. Denn die Hemmung von Cox-1 schützt zwar die Blutgefäße, vermindert aber gleichzeitig die Schutzfunktion des Enzyms für die Magenschleimhaut. Darum kann es bei dauerhafter Aspirineinnahme zu Magengeschwüren und Blutungen im Magen kommen, die sogar lebensbedrohlich werden können.

Eine Studie zeigte, dass sich das Risiko durch eine regelmäßige Aspirineinnahme in etwa verdoppelt. Trotzdem bleiben solche Fälle selten. In der Studie erlitten in einem Zeitraum von fünf Jahren zehn von 1000 Nutzern Magenblutungen. In der Vergleichsgruppe waren es nur vier. Hinzu kommen auch noch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Die US-Experten kamen zu dem Ergebnis, dass 50-59-Jährige durch die tägliche Aspirineinnahme den größten Nutzen erwarten können und gleichzeitig nur wenige Nebenwirkungen zu befürchten haben. Darum beschränkt sich ihre Empfehlung auf Menschen in dieser Altersgruppe, die außerdem ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen haben und deren Blutungsrisiko nicht erhöht ist.

Die Experten betonen, dass die individuelle Entscheidung für die tägliche Aspirineinnahme immer in Absprache mit einem Arzt getroffen werden sollte.

Hamburg, 16. September 2015

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