Kann Anthrax Krebszellen vergiften?

Malte Hill
Modifizierte Milzbrandbakterien zerstören Krebs
Modifizierte Milzbrandbakterien können gezielt gegen Tumoren eingesetzt werden © alamy

Ist der gefährliche Milzbranderreger der Schlüssel im Kampf gegen Krebs? Forscher konnten im Labor bereits die Wirksamkeit modifizierter Milzbrandtoxine gegen Krebstumoren nachweisen. Mittlerweile ist auch bekannt, wie die Wirkung zustande kommt.

Der Milzbranderreger Bacillus anthracis zählt zu den gefährlichsten Bakterien der Welt und die von ihm produzierten Toxine sind hochgiftig für den menschlichen Körper. Die Erreger-Sporen bleiben, in der Erde sicher verborgen, auch nach Jahrzehnten noch hochansteckend und sind nur schwer durch Hitze oder Licht zu vernichten, weswegen Anthrax, so der griechische Name, auch als hochwirksame Biowaffe geeignet ist. Einem Forscherteam ist es nun dennoch gelungen, dem stäbchenförmigen Bakterium auch einen positiven Effekt abzuringen: Die Wirkung seiner Toxine als Zellgifte kann selektiv das Wachstum von Tumoren unterbinden.

 

Modifizierte Toxinbestandteile schrumpfen Tumoren

Die Tatsache, dass die Toxine des Milzbrand-Erregers das Tumorwachstum unterbinden können, wenn ihre Protein-Bestandteile modifiziert werden, war schon seit einiger Zeit bekannt. Die drei Proteine, aus denen das Anthrax-Toxin besteht, sind jedes für sich gesehen eigentlich ungiftig und können im Labor so modifiziert werden, dass sie, einmal vom Milzbrand-Bakterium erfolgreich eingeschleust, gezielt gegen Tumoren wirken. Trotzdem stand einer Eignung als Tumorbekämpfungsmittel immer noch einiges im Weg, da die Proteine schnell vom menschlichen Immunsystem neutralisiert wurden. Den Forschern ist es nun gelungen, die Wirkung der Toxin-Proteine mit einer Chemotherapie zu kombinieren, die die spezifische Immunantwort des Körpers auf die Proteine verhindert, so dass sie ihre Wirkung entfalten und den Tumor zum Schrumpfen bringen können.

 

Erst in Kombination mit Chemotherapie wirksam

In einer Studie an den US-amerikanischen National Institutes of Health untersuchten Forscher, wie sie die Immunantwort des Körpers umgehen konnten. Eine Gruppe von Mäusen erhielt eine spezielle Chemotherapie aus Pentotastin und Cyclophsphamid (PC), die die Immunantwort des Körpers unterdrücken sollte. In allen Mäusen wucherte zu der Zeit ein Tumor. Eine Testgruppe erhielt nun die modifizierten Milzbrand-Proteine plus Chemotherapie, eine Gruppe nur ein Placebo, eine Gruppe nur die Chemotherapie und eine gruppe nur die Milzbrand-Proteine. Es zeigte sich, dass in jener Gruppe, die mit der Chemotherapie plus Milzbrand-Proteine behandelt wurden, bei allen Tieren das Tumorwachstum gestoppt werden konnte, während in den anderen Gruppen kein Tier den Tumor überlebte. Bei den überlebenden Tieren konnten auch keine Antikörper gegen die Milzbrand-Proteine gefunden werden. Es zeigte sich, dass die Kombination aus den modifizierten Anthrax-Proteinen und der Chemotherapie starke tumorbekämpfende Eigenschaften besitzt.

 

Wirkung gegen viele verschiedene Krebsarten denkbar

Weiter konnten die Forscher herausfinden, wie genau die Anthrax-Proteine die Tumoren bekämpfen: Die modifizierten Proteine binden an die Blutgefäßwände, die den Tumor versorgen und zerstören langsam die Blutversorgung des Krebsherdes. Das gibt weiteren Anlass zur Hoffnung: Während viele Therapieansätze nur auf eine bestimmte Gruppe von Tumoren wirken, scheint die „Anthrax-Therapie“ gegen viele verschiedene Krebsarten effektiv zu sein, da sie nicht auf den Tumor direkt wirkt, sondern seine Blutversorgung angreift und ihn so zum Absterben bringt.

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