Kalzium? Besser nicht aus Tabletten

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Salat vs. Nahrungsergänzungsmittel
Kalzium ist wichtig für unsere Knochen. Doch ist es dafür wichtig, in welcher Form wir es einnehmen? US-Forscher haben sich jetzt mit dieser Frage befasst. © Alamy

Eine US-Studie legt nahe, dass es einen großen Unterschied für unsere Gesundheit machen kann, ob wir Kalzium über die Nahrung oder durch Ergänzungsmittel aufnehmen.

Viel Kalzium ist wichtig für starke Knochen und soll vor Osteoporose schützen. Natürliche Kalzium-Quellen sind vor allem Milchprodukte, aber auch Gemüse (Kohl, Fenchel), Nüsse und Bananen. Wer unter Laktose-Intoleranz leidet und kein großer Gemüse-Fan ist, hat es häufig schwer, genügend Kalzium über die Nahrung aufzunehmen. Da in vielen Milchprodukten Phosphate enthalten sind, die die Kalzium-Aufnahme hemmen, sind diese an sich ohnehin nicht die ideale Kalziumquelle. Viele greifen deshalb zu Nahrungsergänzungsmitteln.

 

Arteriosklerose durch Kalzium-Tabletten?

Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt jetzt, dass die Aufnahme von Kalzium durch Tabletten das Risiko erhöht, an einer Arteriosklerose zu erkranken. Studienleiter John Anderson und seine Kollegen von der University of North Carolina werteten für ihre Untersuchung die Daten von 2742 Männern und Frauen im Alter von 45 bis 84 über einen Zeitraum von zehn Jahren aus. Sie untersuchten dabei auch, wie viel Kalzium die Studienteilnehmer über ihre Ernährung und über Nahrungsergänzungsmittel aufnahmen. Dazu füllten die Teilnehmer Fragebögen aus unterzogen sich CT-Scans, wodurch die Kalzium-Werte in den Herzarterien nachgewiesen werden sollten. Diese Werte geben Hinweise darauf, wie verkalkt die Arterien sind. Durch Ablagerungen in den Arterien(Arteriosklerose), wird der Blutfluss unterbrochen oder eingeschränkt. Dadurch erhöht sich das Risiko für einen Herzinfarkt oder andere koronare Erkrankungen.

 

Unterschiedliche Effekte der Kalzium-Aufnahme

Tatsächlich hatten die Teilnehmer, die sich mit kalziumreichen Lebensmitteln ernährten, keinerlei Ablagerungen in ihren Arterien und auch die knochenschützende Wirkung des Kalziums bestätigte sich. Bei den 46 Prozent der Untersuchten, die Kalzium in Form von Tabletten aufnahmen, zeigte sich ein anderes Bild. Sie entwickelten zu 22 Prozent häufiger eine Arteriosklerose als die Vergleichsgruppe. Dieser Unterschied zwischen den Gruppen lag offenbar nicht am Kalzium selbst. Denn bei den Teilnehmern, die Kalzium über die Nahrung aufnahmen, hatten auch diejenigen mit dem höchsten Kalzium-Konsum (über 1022 mg pro Tag) kein erhöhtes Risiko für eine Herzerkrankung. Der verschiedenen Ergebnisse der beiden Gruppen kommen anscheinend also über die Darreichungsform zustande. „Es gibt eindeutig einen Unterschied, wie der Körper Nährstoffe durch Nahrung und aus Ergänzungsmitteln verarbeitet und auf diese reagiert,“ erklärt Anderson. Die Ko-Autorin der Studie, Erin Michos ergänzt: „Wenn es um Vitamine und Mineralien-Ergänzungsmittel geht, die für gesunde Knochen eingenommen werden, denken viele Menschen ‚Viel hilft viel’. Unsere Studie liefert aber einen weiteren Beweis, dass zu viel Kalzium in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, dem Herz und den Gefäßen schaden kann“.

 

Fördern Kalzium-Tabletten Ablagerungen im Gewebe?

Die Frage, warum Kalzium aus Lebensmitteln bessere Effekte auf den Körper hat, beantworten die Forscher jedoch nicht eindeutig. „Es könnte sein, dass die Nahrungsergänzungsmittel viele Kalziumsalze enthalten oder dass unser Körper einfach nicht in der Lage ist, große Dosen an Kalzium auf einmal zu verarbeiten“, sagt John Anderson. Ergebnisse aus früheren Studien hatten bereits nahegelegt, dass Kalzium aus Nahrungsergänzungsmitteln gar nicht erst in den Knochen ankommt. Dabei wird das eingenommene Kalzium aber auch nicht vollständig mit dem Urin wieder  ausgeschieden. Stattdessen scheint es sich im Gewebe anzureichern. Auf diese Weise könnte das überschüssige Kalzium die Kalkablagerungen in den Arterien fördern.

Eine zuvor erschienene Studie hat vor kurzem einen weiteren gefährlichen Nebeneffekt von Kalzium-Präparaten aufgedeckt: Frauen, die schon einmal einen Schlaganfall hatten und Kalzium als Nahrungsergänzung einnahmen, entwickelten siebenmal so häufig eine Demenz wie Schlaganfall-Patientinnen, die keine Kalzium-Präparate einnahmen.

 

Einnahme von Präparaten unbedingt mit dem Hausarzt absprechen

Allgemein gilt bei Nahrungsergänzungsmitteln: Die Einnahme am besten mit dem Arzt absprechen. Denn: Wer sich gesund und ausgewogen ernährt, braucht normalerweise keine Nahrungsergänzung und kann deshalb darauf verzichten. Allerdings sollte man auch nicht sämtliche Nahrungsergänzungsmittel pauschal verteufeln. Im Falle von Kalzium gilt: Am besten ist es, wenn Sie Ihre Kalzium-Speicher über eine ausgewogene Ernährung füllen. Bei Kalzium in Pillenform ist es wichtig, die Dosierung zu beachten. Die Präparate sollten am besten so dosiert sein, dass Sie nicht mit einer Tablette die Tagesmenge erreichen, sondern am besten zwei oder drei Tabletten über den Tag verteilt einnehmen, so dass die Dosis verteilt wird. Besprechen Sie die Dosierung und Art des Präparats am besten noch einmal mit Ihrem Hausarzt.

Auch die Autoren der Studie aus North Carolina schließen aus ihren Ergebnissen: „Auf Grundlage unserer Erkenntnisse empfehlen wir unseren Patienten, dass von einer gesunden Ernährung, die kalziumreiche Lebensmittel einschließt, keine Gefahr ausgeht und diese Art der Ernährung das Herz sogar zu schützen scheint. Patienten, die eine Einnahme von Kalzium-Präparaten planen, sollten diese vorher unbedingt mit ihrem Arzt besprechen, um die richtige Dosis zu besprechen und abzuklären, ob sie überhaupt einen Kalzium-Mangel haben“.

Hamburg, 14. Oktober 2016

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