Kalt duschen – ist das gesund?

Michelle Kröger

Kalt duschen am Morgen? Das klingt für viele Menschen unvorstellbar. Doch wer es richtig macht, tut seinem Körper etwas Gutes. Experte Prof. Dr. med. Dieter Melchart weiß, wie sich kalte Duschen auf den Körper auswirken und was zu beachten ist.

Frau steht unter der Dusche
Kalt duschen am Morgen? Das klingt für die meisten Menschen wahrscheinlich nicht verlockend, hat aber viele Vorteile Foto:  iStock/torwai
Inhalt
  1. Vorteile: Warum ist kaltes Duschen so gesund? 
  2. Gegen welche Beschwerden hilft eine kalte Dusche?
  3. 5 Tipps: Was sollte man beim kalt Duschen beachten? 
  4. Wer sollte lieber darauf verzichten? 
  5. Können kalte Duschen auch beim Abnehmen helfen? 
  6. Wechselduschen: Sollte man zwischen warm und kalt wechseln?
 

Vorteile: Warum ist kaltes Duschen so gesund? 

“Hydrotherapeutische Kaltreize sind gesund, wenn sie kurzfristig im Temperaturbereich von ca. 12 bis 16 Grad Celsius angewandt werden, damit ausreichend reflektorische Kaltreaktionen ausgelöst werden. Diese können drei bis vier Stunden nachwirken”, sagt Experte Prof. Dr. med. Dieter Melchart.

Kaltreize wirken über die Veränderung der Hautdurchblutung und die Durchblutung der inneren Organe, erklärt er. Angriffspunkt der thermischen Reize  – und zwar bei Kälte und Wärme – sind die Thermorezeptoren, deren Dichte am höchsten im Bereich des Bauches bis unter die Brust sowie im Gesicht ist. Die wenigsten Kaltrezeptoren befinden sich in den Fingern. “Über die Reizung dieser Rezeptoren werden sowohl das zentrale Gehirn als auch die inneren Organe, die Skelettmuskulatur, die Blutgefäße und Schweißdrüsen beeinflusst.” 

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Gegen welche Beschwerden hilft eine kalte Dusche?

Täglich eine kalte Dusche kann positive Auswirkungen auf das Herzkreislaufsystem und das neurovegetative System haben. Aufgrund der stetigen Anpassung an die thermischen Kaltreize wird die Hautdurchblutung optimiert, man härtet sich nach und nach gegen klimatische Kältereize ab. Der Körper befindet sich sozusagen im Trainingsmodus.

“Früh morgens wird die Wachheit unterstützt, abends vor dem Zubettgehen kann der Kaltreiz der Schlafförderung dienen. Psychologisch kann es auch die eigene Willenskraft steigern helfen.”

Zudem sind diese positiven Effekte durch regelmäßig kaltes Duschen möglich:

●    Kalte Duschen für schöne Haut: Kaltes Wasser schließt die Poren, sorgt dafür, dass sich Schmutz nicht festsetzen kann, beugt der Faltenbildung vor und schenkt mehr Strahlkraft. 

●    Kalte Duschen fürs Immunsystem: Regelmäßige Kältereize härten den Körper ab.

●    Kalte Duschen spenden Energie: Durch eiskalte Duschen erhöht sich der Puls und regt den Körper an. Das wirkt wie eine Dosis Kaffee. Man fühlt sich gleich viel wacher. Auch die Konzentrationsfähigkeit nimmt durch das Adrenalin zu.

●    Kalte Duschen gegen Depressionen: Es kommt zur Stimulation des Gehirns und Stress und depressiven Verstimmungen können vorgebeugt werden. 

●    Kaltes Duschen für den Kreislauf: Kommt unser Körper mit kaltem Wasser in Kontakt, ziehen sich die Blutgefäße zusammen, einfach, um den Wärmeverlust wieder auszugleichen. Hinterher weiten sie sich dann wieder, um mehr Blut in die Haut leiten zu können. Im Prinzip gleicht das einem Training der Kapillargefäße und ist eine  durchblutungsfördernde Maßnahme

“Darüber hinaus können Menschen mit gefäßbedingten Kopfschmerzen, niedrigem Blutdruck und Zuständen von Erschöpfung profitieren”, sagt Melchart. 

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5 Tipps: Was sollte man beim kalt Duschen beachten? 

Entgegen einiger Meinungen sind kalte Duschen nicht immer gesund. Es sollte dabei einiges beachtet werden. “Kaltes Duschen ist nur dann gesund, wenn man den Körper langsam an kaltes Wasser als starken Temperaturreiz gewöhnt”, sagt Dr. Melchart. Das Wohlbefinden ist laut ihm der wichtigste Parameter für eine korrekte Anwendung der Kaltdusche. “Prinzipiell sollte niemals Kälte auf kalte Haut kommen! Hier ist eine gute Vorerwärmung durch Bewegung oder mithilfe einer Anwendung von warmem Wasser unerlässlich.”

Dem Körper muss das kalte Duschen erst antrainiert werden. Wir sollten uns in diesem Zusammenhang an einige Verhaltensweisen halten, die wir erst erlernen müssen. “Prinzipiell sollte der Kaltreiz ca. 10 bis 16 Grad Celsius betragen und immer der momentanen, körperlichen Verfassung angepasst werden”, sagt Melchart. Fehlreaktionen wie eine zu lange Blässe der Extremitäten (arteriell) und bläuliche Verfärbung der Haut (venös) sollte man vermeiden. 

So gehen Sie bei einer kalten Dusche richtig vor: 

1.    Beginnen Sie stets mit einer Warmphase von 1 bis 2 Minuten bevor Sie die Kaltphase mit 10 bis 20 Sekunden starten. 
2.    Die Kaltanwendung können Sie auch mit einem beidseitigen Knieguss beginnen. Dabei beginnen Sie mit dem rechten Bein und von der Außenseite des Fußes nach oben handbreit über dem Knie. Dort halten Sie den Duschkopf ca. 5-10 Sekunden und führen den Strahl an der Innenseite wieder abwärts. Dasselbe Vorgehen gilt auch für das andere Knie. In den darauffolgenden Tagen können Sie dann auf den Wasserstrahl des Duschkopfes bis über das Gefäß führen und somit erweitern, bis Sie auch den Oberkörper miteinbezogen haben. Sie können dann die Kaltphase – je nach Wohlbefinden – über Wochen allmählich auf 1 bis maximal 3 Minuten auf den ganzen Körper steigern.
3.    Alle Kaltanwendungen sind möglichst in gut vorgewärmten Räumen durchzuführen. 
4.    Ein Mindestabstand zu Mahlzeiten von ca. 30 Minuten ist empfehlenswert. 
5.    Nach jeder Anwendung sollte auf eine ausreichende Wiedererwärmung durch warme Getränke, warme Kleidung, aktive Bewegung geachtet werden.

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Wer sollte lieber darauf verzichten? 

“Wenn Frieren oder Frösteln vorliegt und trotzdem kalt geduscht wird, kann es zu Erkältungen oder Verschlechterung von bestehenden, chronischen Infekten kommen. Beispielsweise zu einer Nasennebenhöhlenentzündung”, sagt Dr. Melchart. Ebenso sind Überreaktionen des Kreislaufs mit Schwindel, Herzbeschwerden und im Extremfall bis zum Kreislaufkollaps möglich.

“Außerdem sollten Menschen mit Harnwegsinfekten oder Ischiasschmerzen, Asthma bronchiale sowie Frauen mit bestehender Menstruation auf die kalte Dusche eher verzichten.”

 

Können kalte Duschen auch beim Abnehmen helfen? 

Auch, wenn andere Stimmen diese Fragen bejahen: Bislang gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass der Mensch durch das bloße Kaltduschen relevant Körpergewicht verliert. “Es ist aber durchaus vorstellbar, dass die benötigte Energie, die aus den Fettspeichern entnommen wird und für die erzwungene Wiedererwärmungsphase des Stoffwechsels notwendig wird, mittel- bis langfristig zum Abnehmen beiträgt”, sagt Melchart. 

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Wechselduschen: Sollte man zwischen warm und kalt wechseln?

Einige Menschen schwören auf Wechselduschen – Duschen in Kalt- und Warmphasen. Was steckt dahinter? “Der Wechsel von Kalt- und Warmreizen ist sinnvoll und hat sich in der Kneipp’schen Naturheilkunde seit Jahrzehnten bewährt”, sagt der Experte. “Bei den Wechselduschen liegt die Temperatur des warmen Anteils um 38 Grad Celsius, die Temperatur des kalten bei ca. 10 bis 16 Grad Celsius.”

Bei Wechselgüssen beginnt man stets mit einer Warmphase von 1 bis 2 Minuten. Es folgt eine Kaltphase, die etwa 10 bis 20 Sekunden lang andauert. Beendet werden Wechselgüsse oder Wechselduschen mit einer Kaltanwendung.

Der Experte

Prof. Dr. med. Dieter Melchart ist Leiter des Kompetenzzentrums für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (kurz: KoKoNat; Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München)

Quellen: 
-Dr. med. Melachart
-KoKoNat
-Kneipp Bund: https://www.kneippbund.de/
 

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