Kaisergeburt – Alles, was Mütter wissen sollten

Phyllis Kuhn
Kaiserschnitt
Welche Vorteile hat die sogenannte Kaisergeburt? Praxisvita erklärt die Fakten © youtube

Das Baby direkt bei seinem ersten Atemzug zu sehen, bleibt Müttern bei einem Kaiserschnitt normalerweise verwehrt. Anders bei der sogenannten Kaisergeburt: Hier holt der Arzt das Kind schonend aus dem Bauch und Mutter und Kind können sich direkt in die Augen sehen. Welche Vorteile hat diese Art der Geburt und wo drohen Gefahren?

Ein Kaiserschnitt ist für werdende Mütter normalerweise eine sehr passive Angelegenheit. Die Mutter ist je nach Situation betäubt und das eigentliche Geschehen bleibt hinter einem Vorhang verborgen. Sobald das Kind auf der Welt ist, wird es zunächst medizinisch versorgt, gesäubert und in Tücher gewickelt. Dann erst kann die Mutter es ansehen. Für viele Frauen ist das eine schmerzliche Erfahrung.

 

Der sanfte und emotionale Kaiserschnitt

Eine alternative Geburtsmethode ist die sogenannte Kaisergeburt. Diese Art des Gebärens wird auch „Natürlicher Kaiserschnitt“ genannt. Je nach Lage wird das Baby im Mutterleib schon so gewendet, dass es bei seinem Eintritt in die Welt dem Gesicht der Mutter zugewandt ist. Sobald der Kopf des Babys sichtbar wird, senken die Ärzte das OP-Tuch und die Mutter ist mitten im Geschehen. Wie bei einer natürlichen Geburt, darf sie zum Ende hin mitpressen. Damit das Baby sich besser an die neue Umgebung gewöhnen kann, wird der Körper des Babys noch einige Momente im Bauch belassen. Einige Kliniken erlauben es sogar, dass die Mutter das Kind anschließend selbst aus dem Bauch zieht. Das Kind wird ihr direkt danach, so wie es auf die Welt gekommen ist, auf die Brust gelegt. Studien zeigen, dass so sofort eine starke Bindung zwischen Mutter und Kind entsteht und der Milchfluss und die Rückbildung beschleunigt werden. Eine Studie des Karolinska-Institutes in Schweden zeigt, dass der Hautkontakt unmittelbar nach der Geburt dem Säugling hilft, sich an das Leben außerhalb des Bauches anzupassen: Neugeborene mit Hautkontakt hatten 90 Minuten nach der Geburt eine signifikant höhere Körpertemperatur, höhere Blutzuckerwerte und weinten weniger als die Neugeborenen der Kontrollgruppe, die im Kinderbett nur neben der Mutter lagen.

 

Kostbare Erinnerungen

Im Vergleich zu einem klassischen Kaiserschnitt dauert die Kaisergeburt nur wenige Minuten länger, genau diese Minuten sind allerdings kostbare Erinnerungen, die die Mutter sicherlich nie vergessen wird. Das Baby selbst kann seine Mutter zunächst nur sehr schemenhaft wahrnehmen, Neugeborene haben meist noch kein entwickeltes Sehvermögen und nehmen die Welt durch einen Schleier wahr. Es erkennt seine Eltern aber schon nach kurzer Zeit an Stimme und Geruch. Auch der Vater kann in die Geburt involviert werden. Seine Aufgabe ist es dann, einige Momente, nachdem das Kind auf der Welt ist, die Nabelschnur mit einer sterilen Schere zu durchschneiden. Das OP-Tuch wird anschließend wieder hochgezogen, so dass Mutter und Kind nicht durch die abschließende Versorgung abgelenkt werden. Die Methode des natürlichen Kaiserschnitts wurde ursprünglich von dem australischen Gynäkologen Nick Fisk entwickelt. Er verspricht sich von der Kaisergeburt ein natürlicheres Geburtserlebnis und eine stärkere Bindung zwischen Mutter und Kind. Fisk praktiziert den natürlichen Kaiserschnitt bereits seit zehn Jahren in Großbritannien. Auch in Deutschland bieten einige Kliniken, darunter die Berliner Charité diese Methode an.

 

Wie traumatisch ist der Anblick eines geöffneten Bauches?

Ganz unumstritten ist die Kaisergeburt nicht. Einige Ärzte weisen darauf hin, dass es für Mütter und Väter traumatisierend sein kann, den geöffneten Bauch und das blutverschmierte Baby zu sehen. Dr. Nadine Hess, Kinderärztin in Hamburg stellt dazu fest: „Die Eltern sollten sich vorher überlegen, ob es ihnen zu viel ist oder ob sie es "vertragen" können. Wenn man das will, ist es aber sicher eine schöne Erfahrung“. Die werdenden Eltern sollten außerdem nicht außer Acht lassen, dass auch eine Kaisergeburt ein medizinischer Eingriff ist, der höchste Konzentration bei allen Beteiligten erfordert. Bei anfallenden Komplikationen rückt das harmonische Geburtserlebnis in der Prioritätenliste also weit in den Hintergrund. Einige Ärzte bezeichnen die Kaisergeburt deshalb auch abschätzig als unnötige Spielerei.

 

Auch eine Kaisergeburt bleibt ein medizinischer Eingriff

Allgemein muss von den werdenden Eltern genau überlegt werden, ob ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt kommen soll – klassisch oder als Kaisergeburt. Dr. Hess dazu: „Der manchmal geäußerte Satz ‚ein Kaiserschnitt ist die sicherste Art, ein Kind auf die Welt zu bringen’ ist schlicht falsch. Die Mütter erholen sich meist langsamer von den Strapazen der Geburt, die Kinder landen, insbesondere bei Wunschkaiserschnitten häufiger mit Atemproblemen in der Kinderklinik, haben häufiger in den ersten Monaten Bauchweh. Einige Studien legen nahe, dass sie ein höheres Risiko für Infekte, Asthma und Allergien haben“. Generell gilt: Für Mütter, die durch Komplikationen oder ein zu schmales Becken nicht natürlich gebären können ist ein Kaiserschnitt immer noch ein Segen. Ein Natürlicher Kaiserschnitt kann der Mutter die Möglichkeit geben, aktiv und emotional am Geburtsprozess beteiligt zu sein.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 11. Mai 2016

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